Unternehmertum: Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg! Oder doch nicht?

Berlin. Dem Narrativ Rechtsextremer zufolge sind es seit Jahren Migranten, die Deutschen ihre Arbeitsplätze stehlen, eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeit nun ein anderes Bild: Unternehmer mit Migrationshintergrund schaffen demnach in Deutschland auch hunderttausende Arbeitsplätze.

Die Zahl der Arbeitsplätze, die durch Selbstständige mit Migrationshintergrund geschaffen wurden, sei demnach zwischen 2005 und 2014 um mehr als ein Drittel von 947.000 auf 1,3 Millionen Stellen gewachsen, wie aus der Untersuchung hervorgeht. Die Zahl der Unternehmer mit Migrationsgeschichte stieg im selben Zeitraum um ein Viertel auf 709.000 Personen, was umso bemerkenswerter sei, wenn bedacht würde, dass der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund an der Bevölkerung in der Zeit nur um 9 Prozent stieg.

Der Arbeitsmarkteffekt sei dabei stark abhängig vom Bundesland: Besonders stark stieg die Anzahl der Stellen durch Migrantenunternehmen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Berlin. In den ostdeutschen Flächenländern, in Niedersachsen, Hamburg und Rheinland-Pfalz ging sie allerdings sogar leicht zurück.

Auch der Branchenschwerpunkt von Unternehmern mit Einwanderungshintergrund verändert sich stetig: „Wer an Migrantenökonomie in Deutschland denkt, denkt oft noch immer am ehesten an den Kiosk um die Ecke oder das Chinarestaurant, in dem die ganze Familie mitarbeitet. Die Daten zeigen, dass wir uns mehr und mehr von diesen Klischees verabschieden können“, erklärte Untersuchungsleiter Armando Garcia Schmidt.

So sei laut Studie der traditionell hohe Anteil der Selbstständigen mit ausländischen Wurzeln im Handels- oder Gastgewerbe seit 2005 um zehn Prozent geschrumpft, auf 28 Prozent im Jahre 2014. Wachstum sei dagegen in anderen Dienstleistungsbereichen zu beobachten, wie auch im Baugewerbe oder bei den verarbeitenden Betrieben. Auch kristallisierte sich heraus, dass Migrantenunternehmer mittlerweile stärker auch außerhalb von Niedriglohnsektor und arbeitsintensiven Tätigkeiten unternehmerisch tätig seien: „Das geht vom Steuerberater, über den Start-up-Gründer bis hin zum erfolgreichen Maschinenbauer“, zählte Garcia Schmidt auf.

Gleichzeitig sei Selbstständigkeit für Zuwandererfamilien ein Einkommenstreiber. Migranten verdienen demnach als Unternehmer im Schnitt mit 2.167 Euro netto monatlich rund 40 Prozent mehr als Angestellte mit Migrationshintergrund. Insgesamt litten jedoch unternehmerische Migranten noch immer unter einer extremen Einkommenslücke von etwa 30 Prozent gegenüber Unternehmern ohne Einwanderungshintergrund

Die Forscher erkennen den Grund für diesen Unterschied im durchschnittlich niedrigeren Bildungsniveau von Migrantenunternehmern. Außerdem hätten viele einheimische Unternehmer auch einfach einen Vorsprung, da sie länger am Markt seien, so Garcia Schmidt. „Gerade beim Vordringen in die ertragreicheren Branchen beginnt die Aufholjagd von Zuwanderern erst jetzt.“ Der entscheidende Schlüssel sei dabei eine belastbare Bildung, wie auch der Blick in die Bundesländer zeigt: Je besser ausgebildet die Selbstständigen Zuwanderer in einem Land sind, desto höher sei meist die Selbstständigenquote.

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Besorgnis von Menschenrechtlern zur Lage von Flüchtlingen an der Schweizer Grenze und Daten zur Lage in Deutschland.

Genf (Schweiz). Ein Rückstau von Flüchtlingen an der schweizerisch-italienischen Grenze hat Besorgnis bei der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ausgelöst.

Die Organisation forderte am Mittwoch von den Schweizer Behörden Klarheit, ob Kindern auf dem Weg zu ihren Familien die Einreise verweigert würde. „Wir sind besorgt über Berichte von Minderjährigen, die nach eigenen Angaben an der Schweizer Grenze wieder nach Italien zurückgeschickt wurden und an der Weiterreise zu ihren Familienangehörigen in der Schweiz gehindert wurden“, erklärte Amnesty.

Zahlreiche Flüchtlinge aus Eritrea, Äthiopien und anderen afrikanischen Ländern sitzen seit vergangenem Monat auf ihrem Weg nach Nordeuropa an der Grenze zum Schweizer Kanton Tessin fest. Seit Anfang Juli ließen die Zöllner nur rund 1.500 von fast 7.500 Migranten passieren. In der italienischen Grenzstadt Como sind so hunderte Flüchtlinge gestrandet. Ein Park am Bahnhof des malerischen Ortes am Comer See, der auch vielen Deutschen als Urlaubsort dient – insbesondere jenen, denen der Gardasee zu überlaufen ist, ist zu einem Flüchtlingscamp geworden.

Menschen, die Asyl oder Schutz suchen, würden an das Staatssekretariat für Migration übergeben, erklärte ein Sprecher der Schweizer Zollverwaltung. Migranten, die in die Schweiz einreisen oder diese lediglich durchqueren wollen aber die Einreisevoraussetzungen nicht erfüllten, würden vom Grenzschutz zurück nach Italien gebracht. Rechtsgrundlage sei ein seit dem Jahr 2000 bestehendes Rückübernahmeabkommen. „Es gab in den vergangenen Wochen keine Änderung an dieser Praxis“, erläuterte der Sprecher.

Eine systematische Zurückweisung von Minderjährigen sei laut Amnesty International nicht vereinbar mit der besonderen Schutzwürdigkeit von Kindern auf der Flucht – dies befürchten die Menschenrechtler jedoch. Angesichts der prekären Lebensbedingungen für Flüchtlinge im Norden Italiens sei es inakzeptabel, besonders verletzliche Menschen abzuweisen. „Die Schweiz hat die Verpflichtung, in jeden Fall die UNO-Konvention zum Schutz des Kindes zu respektieren“, erklärte die Organisation.

Flüchtlinge, die in der Schweiz und in Frankreich abgewiesen wurden, strömen inzwischen nach Mailand. Insgesamt dort mittlerweile über 3.000 Migranten auf dem Weg in andere europäische Länder gestrandet, sagte der Bürgermeister der norditalienischen Mode-Metropole, Giuseppe Sala, am Dienstag.

Lage in Deutschland.

Auch Deutschland hat sich der Fokus der Flüchtlingspolitik im ersten Halbjahr gegenüber 2015 deutlich verschoben. So wurden zwar noch immer deutlich mehr Flüchtlinge eingelassen als abgewiesen, mittlerweile scheinen sich die Zahlen jedoch zu relativieren. Insgesamt sind laut Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bis Juli 238.424 neue Flüchtlinge registriert worden – allein im vergangenen November waren es noch rund 200.000 gewesen. Gleichzeitig stieg die Zahl der an der Grenze oder an deutschen Flughäfen abgewiesenen Flüchtlinge für das erste Halbjahr auf 13.324 Personen. Damit wurden knapp 5,6 Prozent der ankommenden Migranten direkt abgewiesen – im Vorjahr wurden insgesamt nur 8.913 von rund 1,1 Millionen Menschen zurück geschickt (0,8 Prozent).

Auch die Anzahl der Abschiebungen stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum solide auf 13.743 Fälle an, wobei nach Angaben des BAMF die meisten Personen auf den Westbalkan abgeschoben wurden. Außerdem verließen im ersten Halbjahr 2016 bereits 30.553 Personen über das Rückkehrförderprogramm von Bund und Ländern freiwillig die Bundesrepublik – 2015 hatte es insgesamt nur 35.514 geförderte Ausreisen gegeben. Belastbare Zahlen zu ungemeldeten Ausreisen liegen derzeit nicht vor. Die meisten geförderten Ausreisen führten gen Irak (3.322), gen Iran (1.578) und gen Afghanistan (2.308) – im Vorjahr waren hier die Balkanstaaten Spitzenreiter gewesen.

BAMF-Plakette

Insgesamt ergibt sich daraus gemessen an den 2016 eingereisten Flüchtlingen eine Rückführungsquote von (mindestens) 21,16 Prozent, wobei freilich viele der Ausgereisten und Abgeschobenen schon länger im Lande waren.

Zwar dürfen nach dem neuen Integrationsgesetz in Deutschland nun deutlich mehr Flüchtlinge arbeiten, allerdings bleiben weiterhin viele soziale Fragen wie beispielsweise zur Unterbringung und gesellschaftlichen Inklusion von anerkannten Asylbedürftigen offen.

Am meisten Asylbewerber kamen 2016 bis Juli übrigens aus Syrien (77.076 Personen), Afghanistan (40.936), dem Irak (39.331), dem Iran (9.767) und der Russischen Föderation (6.194). Angesichts von Terror und politischer Instabilität kamen auch aus der Türkei mehr Geflüchtete in die Bundesrepublik: Die Zahl türkischer Asylbewerber stieg auf 1719 Menschen.

Mehr Flüchtlinge dürfen arbeiten.

Berlin. Die gesetzliche Arbeitserlaubnis gilt als zentrale Grundlage für die mögliche Integration von Migranten. Während sich kürzlich zeigte, dass an der deutschen Grenze 2016 bisher deutlich mehr Flüchtlinge abgewiesen werden, wurde nun bekannt, dass Asylbewerber und geduldete Flüchtlinge in den ersten sieben Monaten diesen Jahres sehr viel häufiger eine Arbeitserlaubnis erhalten haben als im Vorjahr.

Von Januar bis Juli erlaubte demnach die Bundesagentur für Arbeit  im Rahmen sogenannter Vorrangprüfungen in rund 41.800 Fällen den Arbeitsmarktzugang. Schon zur Jahresmitte wurden damit etwa 2.500 Arbeitsgenehmigungen mehr als im gesamten vorigen Jahr ausgestellt, wie aus am Mittwoch vorgelegten Auswertung der Behörde hervorgeht. Die Zahl der Ablehnungen betrug seit Jahresanfang knapp 12.000, während sie im gesamten Vorjahr bei rund 16.500 lag.

Bisher durften geduldete Flüchtlinge und Asylbewerber, über deren Antrag noch nicht entschieden ist, ein Jobangebot nur annehmen, wenn die Arbeitsagentur vor Ort bescheinigt, dass kein einheimischer Arbeitsuchender Vorrang hat. Seit dem Inkrafttreten des neuen Integrationsgesetzes am vergangenen Wochenende ist die Vorrangprüfung in 133 von 156 Bezirken der Bundesagentur aber für drei Jahre nicht mehr erforderlich.

Ablehnungen des Arbeitsmarktzuganges hatten nach Angaben der Arbeitsagentur verschiedene Gründe: Etwa seien Arbeitserlaubnisse  verweigert worden, wenn nachteilige Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zu befürchten waren oder ein vorrangiger inländischer Arbeitnehmer zur Verfügung stünde. Auch ungünstigere Arbeitsbedingungen als für vergleichbare deutsche Arbeitnehmer seien ein Ablehnungsgrund.

Der Fall Wagenknecht, und die Links-Rechts-Schwäche der AfD.

Wegen einer Einlassung zur Flüchtlingspolitik, in die, wer will, jegliche Aussage hinein interpretieren kann und die – vermutlich zu unrecht – von vielen Linken als Kritik an der deutschen Asylpolitik von rechts, interpretiert wird, findet sich die Galionsfigur der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, derzeit in einem Sturm der Kritik wieder, dem entgegen steht ein blinder Hurrikan der Solidarität, auch aus den Reihen der AfD.

Statt sich mit den Aussagen selbst auseinander zu setzen, scheint der reformatorische Flügel der Partei, der häufige linksdogmatische Äußerungen der erklärten Kommunistin auch für die Unmöglichkeit eines bundesweiten Linksbündnisses verantwortlich macht, ohne dabei zu bedenken, dass die systemische Verantwortungsflucht der Linken durchaus basisgelenkt ist, die kontroversen Einlassungen zur Asylpolitik der Genossin Wagenknecht nun erneut nutzen zu wollen, sie zu Fall zu bringen. Schließlich war man nie sonderlich zufrieden mit ihrer Wahl zur Fraktionsvorsitzenden. Die traurige Realität aber ist: Mit der Berufspolitikerin Sahra Wagenknecht verlöre die Linke ihr wichtigstes öffentliches Gesicht. Eine Meuterei kommt dementsprechend eigentlich nicht in Frage.

Kritik an den Einlassungen der Genossin – die wie erwähnt durchaus ambivalent interpretierbar sind – mag dementsprechend angebracht sein, allerdings sollte auch eine faktenbasierte Auseinandersetzung damit einhergehen. Schließlich hat Wagenknecht mindestens mit einem Recht: Es ist auch nicht links, real existierende Probleme zu verschweigen. Und Fakt ist eben, dass ein gewisser Anteil der eingewanderten Flüchtlinge kriminell werden. Dies zu leugnen, könnte die Linke in eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise stoßen, dementsprechend ist die Feststellung Wagenknechts „Die Ereignisse der letzten Tage zeigen, dass die Aufnahme und Integration einer großen Zahl von Flüchtlingen und Zuwanderern mit erheblichen Problemen verbunden und schwieriger ist, als Merkels leichtfertiges ‚Wir schaffen das‘ uns im letzten Herbst einreden wollte“, zunächst weder links noch rechts.

Sie mag in Teilen faktisch falsch sein, weil mindestens einer der Gewaltausbrüche der vergangenen Woche – der sogenannte Amoklauf von München – in keiner Weise in Verbindung mit der Flüchtlingskrise steht und dem Amoklauf in Reutlingen eine Beziehungsstreit zugrunde liegt, der eher zufällig einen Asylsuchenden zum Antagonisten hatte, doch rechts ist an dieser Feststellung erst einmal nichts. Es wäre jedoch essentiell falsch, nach der nüchternen Feststellung der Probleme, nicht an linken Lösungen derselben zu arbeiten, auch weil die Partei dadurch an politischem Profil verlieren könnte.

Ähnlich sieht das der Amtsvorgänger Wagenknechts, Gregor Gysi, der im Gegensatz zu seiner Nachfolgerin als pragmatischer Linker gilt: „Wir können Frau Merkel nicht von rechts kritisieren. Wenn, dann müssen wir sie von links kritisieren“. Auch er warnte im SWR vor einem Profilverlust der Linkspartei und fügte hinzu: „Immer wenn Du versuchst, beide Seite zu vertreten, also pro Flüchtlinge und bisschen gegen Flüchtlinge, dann gewinnst Du nicht die, die für Flüchtlinge sind und Du gewinnst auch nicht die, die gegen Flüchtlinge sind, sondern Du verlierst auf beiden Seiten!“ Allerdings zieht Gysi daraus den falschen Schluss, wenn er vorschlägt, Wagenknecht solle sich künftig besser gar nicht mehr zur Flüchtlingsdebatte äußern. Das Gegenteil ist nämlich der Fall: Sie soll nun beweisen, dass sie bereit ist für linke Lösungen zu kämpfen!

Während es aus den eigenen Reihen an Kritik nicht mangelte, gab es erschreckenderweise – für Linke wie Rechte gleichermaßen – unbändige Solidaritätsbekundungen für die bekennende Kommunistin und Linksdogmatikerin aus den Reihen er AfD. Der Bundesvorstand und Fraktionsvorsitzende der AfD im Magdeburger Landtag, André Poggenburg lud die Linke sogar per Twitter ein, in die rechtspopulistische Partei einzutreten. Damit bewahrheiten sich einmal mehr die Worte des ehemaligen AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke, der kürzlich erklärte, seine ehemalige Partei sei zu einer reinen „Anti-Flüchtlingspartei“ verkommen. Schließlich ist Wagenknecht nicht nur die Galionsfigur der Partei, sie ist auch eine Ikone der kommunistischen Plattform. Weiter links kann man kaum stehen, das macht auch ihre – gar nicht so kontroverse – Einstellung zur Flüchtlingskrise nicht wett.

Ein Fordern erfordert auch ein Fördern. Bundeskanzlerin will bessere Integration.

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert von in Deutschland lebenden Flüchtlingen Anpassungsbereitschaft.

Einerseits müsse die deutsche Gesellschaft offen für Flüchtlinge sein, sagte die CDU-Chefin in ihrem am Samstag veröffentlichten wöchentlichen Videobotschaft. Deswegen gebe es Integrations- und Sprachkurse erklärte sie mit Blick auf das kürzlich verabschiedete Integrationsgesetz. „Auf der anderen Seite müssen aber auch die, die zu uns kommen, respektieren, dass wir ein Grundgesetz haben, dass wir Gesetze haben, dass man Gewalt nicht ausüben kann, dass wir Religionsfreiheit haben, dass wir Meinungsfreiheit haben.“

Die Kanzlerin übersieht dabei jedoch, dass Integration nicht nur bedeutet, die Sprache des neuen Heimatlandes zu lernen, eine gelungene Anpassung kann nur funktionieren, wenn die mehr oder minder Anpassungswilligen von der Gesellschaft auch integriert werden können. Dafür ist es jedoch notwendig zum Beispiel durch vorausschauende Bau- und Wohnplanung eine Ghettobildung zu verhindern. Integrativer Sozialer Wohnbau muss dringend staatlich vorangetrieben werden, zeigt sich doch, dass Migranten sich dort besser anpassen, wo sie regelmäßig mit Einheimischen zusammenkommen.

Insbesondere für Frauen solle es Angebote für Integrationskurse geben, „dass sie lernen, deutsch sich auszudrücken, öffentlich auftreten zu können“. Frauen könnten ein Integrationsmotor sein, sagte die Kanzlerin. „Auch hier gilt natürlich wieder, dass die Toleranz da sein muss. Jeder kann seine Religion leben, aber jeder muss sich auch an unsere Gesetze halten.“

Richtiger Ansatz, aber vielleicht sogar noch nicht weit genug gedacht: Wie wäre es mit kulturell vermischten Kinderspielgruppen? Damit könnten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Einerseits würden Kinder schon früh den Umgang mit anderen Kulturen lernen und andererseits hätten gerade Mütter, die aus konservativen Haushalten kommen über ihre Kinder die Möglichkeit mit anderen Frauen in Kontakt zu kommen und so ihren Horizont zu erweitern. Unabhängig von ihren Ehemännern.

„Bildungsfern und dumm ist der Migrant!“ – Gedichtbeitrag

Bildungsfern und dumm ist der Migrant!

Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!
Heute weiß der Pöbel alles besser!
Er kennt den Namen alles Bösen!
Die Türken und die Araber,
Allgemein die Fremden sind’s,
Die zerstör’n dieses Land!
Bildungsfern und dumm
ist der Migrant!
Obendrein
Ist er
Faul!

Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!
Ich halt‘ Pi für eine Spielkonsole,
Pythagoras ist tot und Grieche,
Was kümmert also mich sein Satz?
Bin Deutscher, weiß genug!
Es sind die Fremden,
die dieses Land
Zerstören!
Das weiß
Ich!

Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!
Goethe? Nie gehört! Schiller? Kenn ich nicht!
Wer sind Schopenhauer oder Kant?
Ich bin deutsche Leitkultur!
Wer kennt denn schon den Kleist?
Ich verteidige
Das Abendland!
Ich liebe
Deutschland
Noch!

(Bernd von der Recke)

ContraPro: Sollten muslimische Mädchen trotz ihrer Religion zur Teilnahme am Schwimmunterricht verpflichtet werden?

Ein Fall aus dem vergangenen Jahr wurde nun publik, bei dem zwei muslimische Schwestern sich in der Schweiz einbürgern lassen wollten. Die beiden Mädchen im Alter von 12 und 14 Jahren sprachen zwar offensichtlich gut Deutsch, besuchten aber weder den Schwimmunterricht noch Klassenfahrten, weil dies mit ihrem Glauben nicht vereinbar sei.

Den Mädchen wurde die Einbürgerung mit der Begründung verweigert, einbürgerungswillige Jugendliche müssten ihre Schulpflicht erfüllen. Wer dies nicht tue, verletze die Rechtsordnung und werde daher nicht eingebürgert. Diese Entscheidung wurde in der Schweiz bereits im Jahr 2013 höchstrichterlich vorgegeben, wenngleich nicht immer nach dieser Linie entschieden wurde.

Die Frage ist nun, ob in Deutschland ebenso entschieden werden sollte, oder ob allgemein eine Rechtfertigung auf Basis des 4. Artikels der Verfassung besteht, dem Schulunterricht aus Glaubensgründen fernzubleiben. Dürfen also muslimische Mädchen dem Schwimmunterricht aus religiösen Gründen fernbleiben?


Pro: Die Ausübung der eigenen Religion darf nicht eingeschränkt werden, muslimische Mädchen dürfen sich jedoch nicht gegenüber Männern und Jungs entblößen, beim Schwimmunterricht ist aber eine entsprechende Verhüllung nicht möglich.

Contra: Sofern es einen gemischtgeschlechtlichen Sport- und Schwimmunterricht gibt, kann von Entblößung dennoch keine Rede sein, es gibt Badeanzüge, die beinahe den ganzen Körper bedecken, dazu gibt es Badekappen, es gibt sogar Badeburkas. Außerdem sind die Umkleidekabinen nach Geschlechtern getrennt. Reicht eine reine Trennung nach Geschlecht nicht aus, so hat die Schule Einzelkabinen zur Verfügung zu stellen.

Übrigens beginnt die Verhüllungspflicht für muslimische Mädchen erst in der Pubertät, das heißt, dass dieses Argument für Grundschülerinnen ohnehin nichtig ist.

Pro: Aber selbst wenn sich die Mädchen sich selbst ausreichend verhüllt, kann ihm doch der Anblick von derart leicht bekleideten Menschen nicht zugemutet werden!

Contra: Im Gegenteil muss Teil einer gelungenen Integrationspolitik auch sein, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund an die gesellschaftliche Wirklichkeit zu gewöhnen, wozu nun einmal wenig bekleidete Menschen gehören.

Außerdem wird an vielen weiterführenden Schulen ein nach Geschlechtern getrennter Schwimm- und Sportunterricht durchgeführt. In Baden-Württemberg wird  in 88 Prozent der Fälle ein getrennter Schwimmunterricht angeboten, in Bayern in 93 Prozent der Fälle, in Sachsen immerhin in 74 Prozent der Fälle. Selbst in Nordrhein-Westfalen sind fast ein Drittel der Schwimmunterrichtsangebote an weiterführenden Schulen nicht koedukativ sondern nach Geschlechtern getrennt.

Der Prophet Mohammed empfahl übrigens das Schwimmen explizit als Methode, den Körper gesund zu halten und verpflichtete seine Anhänger, es ihren Kindern beizubringen.


Ein Grundsatzurteil zu diesem Thema fällte übrigens das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bereits 2013: Muslimischen Schülerinnen kann die Teilnahme am gemeinsamen Schwimmunterricht von Jungen und Mädchen zugemutet werden. Um ihren religiösen Bekleidungsvorschriften gerecht zu werden, könnten sie einen Burkini, einen Ganzkörperbadeanzug, tragen. Auch müssten muslimische Mädchen den Anblick wenig bekleideter Jungen auf sich nehmen, denn: „Das Grundrecht der Glaubensfreiheit vermittelt grundsätzlich keinen Anspruch darauf, im Rahmen der Schule nicht mit Verhaltensgewohnheiten Dritter – einschließlich solcher auf dem Gebiet der Bekleidung – konfrontiert zu werden, die außerhalb der Schule an vielen Orten bzw. zu bestimmten Jahreszeiten im Alltag verbreitet sind,“ So die Urteilsbegründung.


Spartacus ContraPro ist ein neuer experimenteller Beitragsstil, bei dem Argumente von Befürwortern und Gegnern einer These aufgewogen werden sollen, einen besonderen journalistischen Anspruch erheben wir an diese Beitragsform zunächst nicht.

Anmerkung der Redaktion:

Das Thema hat sich für den ersten Beitrag dieses Formats im Nachhinein als gänzlich ungeeignet herausgestellt, da wir einfach zu wenige Argumente von Befürwortern einer religiös begründeten Freistellung vom Schwimmunterricht gefunden haben. Wir hoffen, beim nächsten Versuch ein passenderes Thema zu finden.