„Bildungsfern und dumm ist der Migrant!“ – Gedichtbeitrag

Bildungsfern und dumm ist der Migrant!

Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!
Heute weiß der Pöbel alles besser!
Er kennt den Namen alles Bösen!
Die Türken und die Araber,
Allgemein die Fremden sind’s,
Die zerstör’n dieses Land!
Bildungsfern und dumm
ist der Migrant!
Obendrein
Ist er
Faul!

Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!
Ich halt‘ Pi für eine Spielkonsole,
Pythagoras ist tot und Grieche,
Was kümmert also mich sein Satz?
Bin Deutscher, weiß genug!
Es sind die Fremden,
die dieses Land
Zerstören!
Das weiß
Ich!

Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!
Goethe? Nie gehört! Schiller? Kenn ich nicht!
Wer sind Schopenhauer oder Kant?
Ich bin deutsche Leitkultur!
Wer kennt denn schon den Kleist?
Ich verteidige
Das Abendland!
Ich liebe
Deutschland
Noch!

(Bernd von der Recke)

„Des Adlers Hunger“ – Gedichtbeitrag

Des Adlers Hunger

Es war einmal ein Adler,
Den trugen seine Schwingen,
Weit fort in ferne Lande,
Übers Meer und in den Sand!

Es machte dieser Adler,
Im Sande fette Beute,
Schlug Hasen und auch Füchse,
Fraß sich satt an ihrem Fleisch!

Es folgten ihm die Geier,
Die frisches Blut gerochen,
Geschwind geflogen kamen,
Aus den Bergen und vom Meer!

Derweil des Adlers Kinder,
Stritten um ein Stückchen Fleisch,
Hunger war es, der sie zwang,
Zu fressen ihre Jüngsten!

Als der Adler wieder kam,
waren seine Kinder fort,
Nur des Vogels erster Sohn,
Lag noch dürr und tot im Nest!

(Bernd v. d. Recke)

„Links stehen!“ – Gedichtbeitrag

Links stehen!

Links stehen heißt einzustehen für die Schwachen,
Links stehen heißt Karl Liebknechts Schwur zu folgen.
Von den Dächern tönt’s und aus den Scheunen:
Kein Frieden den Faschisten, Krieg der Reaktion!

Links stehen ist in aller Konsequenz ein Kampf,
Links stehen ist immerwährend Blut und Schweiß.
Aus den Schulen tönt’s und von den Ämtern:
Kein Frieden den Faschisten, Krieg der Reaktion!

Links stehen wird uns einst alles abverlangen,
Links stehen wird der schwerste Stand von allen.
Von den Feldern tönt’s und aus den Gräben:
Kein Frieden den Faschisten, Krieg der Reaktion!

(Bernd v. d. Recke)

„von der sozialdemokratie“ – Gedichtbeitrag

von der sozialdemokratie

es ächzt die alte frau, sie hustet.
wo will sie hin? sie weiß es nicht.
wer sie ist? sie hat’s vergessen.
hatte viele kinder einst,
hat sie all‘ gefressen.

die krankheit steckt ihr in den knochen.
schwach ist sie und nicht sie selbst.
ist vom geist der zeit besessen.
kannte viele freunde einst,
hat sie all‘ gefressen.

schwarzer staub auf ihrem roten kleid.
klopft ihn ab, er legt sich wieder.
färbt’s ganz schwarz statt dessen.
sie ist auch meine mutter,
hätt‘ auch mich gefressen.

Der Nazizirkus – Gedichtbeitrag

Der Nazizirkus

Da sitzt ein alter dicker Mann,
Starrt mich durch die Fernsehscheibe an.

Schwadroniert von unsrer Väter Zeiten,
Und von interkulturellen Schwierigkeiten.

Gäbe es das gute deutsche Fernsehen nicht,
Herr Gauland wäre wohl um elf schon dicht.

Doch so schau ich zu und sitze still,
Beim Nazizirkus von Anne Will.