Terrormiliz Islamischer Staat zerstört wieder UNESCO-Weltkulturerbe in Syrien.

Damaskus (Syrien). Terrorismus richtet sich nicht nur gegen Menschen, er richtet sich gegen Ideen, gegen Kulturgüter und Traditionen. Traurige Realität jeder Revolution und jeder Terrorherrschaft ist deshalb, dass neben menschlichem Leben auch unbezahlbare menschliche Errungenschaften verloren gehen. Beobachten lässt sich dies momentan an der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Dieser zerstörte nun in der syrischen Wüstenstadt Palmyra erneut weltberühmte antike Baudenkmäler.

Wie Maamun Abdelkarim, der in der syrischen Verwaltung zuständig für das historische Erbe des Landes ist, am Freitag mitteilte, zerstörten die Terroristen das von den Römern errichtete Tetrapylon – einen über der zentralen Straßenkreuzung errichteter viereckiger Prunkbau -, sowie das römische Theater von Palmyra. Auf Satelliten-Aufnahmen, die Abdelkarim veröffentlicht hat, ist zu sehen, dass von ursprünglich 16 Säulen des Tetrapylons nur noch vier stehen. Die einzigartigen, über 1800 Jahre alten Ruinen zahlen zu dem UNESCO-Weltkulturerbe.

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Das Tetrapylon im Jahr 1984 – heute stehen von 16 Säulen nur noch vier. (Foto: Claus Michelfelder)

In der Ideologie des IS wird die vor-islamische Kultur der Region als „götzendienerisch“ betrachtet. Schon bei der erstmaligen Eroberung der Stadt im Mai 2015 hatte die Extremistengruppe den berühmten Baaltempel von Palmyra mit Sprengsätzen schwer beschädigt. Beide Zerstörungsakte stehen dabei im größeren Kontext einer mehr oder weniger planmäßigen Auslöschung antiker Kulturgüter auf dem vom IS kontrollierten Gebiet.

Nachdem die syrische Armee – mit Hilfe der russischen Luftwaffe, die weiteren Schaden an den antiken Bauwerken anrichtete –  im März 2016 die Wüstenstadt zurückeroberte, gelang den Terroristen im vergangenen Dezember die Rückkehr nach Palmyra.

Kriege, Revolutionen und Terroristen vernichten nicht nur unzählige Menschenleben, sondern am Ende auch Errungenschaften aus mehreren Jahrtausenden der Zivilisation. Es ist eine Schande!

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Saudi-Arabien will 200 Moscheen in Deutschland bauen, nimmt aber kaum Flüchtlinge auf!

Berlin. Teil der Religionsfreiheit ist auch die Freiheit jeder religiösen Gemeinschaft – so auch der muslimischen Gemeinden -, Orte des Gebets wie Kirchen, Synagogen oder Moscheen schaffen zu dürfen, diese Auffassung wird zumindest auf dieser Seite vertreten. Bedenklich wird dies jedoch, wenn hinter dem Bau solcher Einrichtungen absolutistische Regime stehen, so wird der türkisch-muslimische Dachverband (Ditib) verdächtigt, auch eine Art verlängerter Arm der türkischen Regierung zu sein. Und auch der Regierung von Saudi-Arabien wurde schon Einflussnahme auf die arabischen Moscheen in Deutschland vorgeworfen. Dass nun ausgerechnet diese Regierung in Deutschland 200 Moscheen bauen will, ist bedenklich – und zudem bigott.

Hintergrund: Laut einem Medienbericht hat die Regierung von Saudi-Arabien der Bundesregierung den Bau von 200 Moscheen für Flüchtlinge angeboten. In Saudi-Arabien wird mit dem Wahabitentum mehrheitlich eine enorm fundamentalistische Ausrichtung des sunnitischen Islams praktiziert.

Schon am Dienstag hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mit Verweis auf die libanesische Zeitung „al Diyar“ über den Plan berichtet. Im Bundesinnenministerium will man davon allerdings nichts wissen: „Sollte ein entsprechender Vorschlag die Bundesregierung erreichen, werden wir ihn aller Sorgfalt prüfen,“ versicherte ein Sprecher gegenüber der „Bild-‚Zeitung'“. Zumindest bei der Union stoßen scheinbar die Berichte über das angebliche Angebot Saudi-Arabiens auf Ablehnung. So erklärte der CDU-Integrationsbeauftragte Armin Laschet: „Statt darüber nachzudenken, in Deutschland in Moscheen zu finanzieren, sollte Saudi-Arabien lieber Flüchtlinge aufnehmen und die Finanzierung des IS einstellen.“ Ähnlich äußert sich der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stephan Mayer (CSU): „Saudi-Arabien ist ein so unermesslich reiches Land, dass es mit Leichtigkeit eine hohe Anzahl an Flüchtlingen aufnehmen könnte. Deutschland braucht keine Spende von 200 Moscheen, sondern Solidarität mit den Flüchtlingen.“

Damit haben die beiden nicht ganz Unrecht, das ganze käme allerdings soviel authentischer herüber, wenn nicht ausgerechnet die CSU in Bayern eine so antisolidarische Polemik gegenüber Flüchtlingen absonderte.

Richtig ist es allerdings von Saudi-Arabien zu verlangen, einen entsprechenden Beitrag in der humanitären Flüchtlingshilfe zu fordern, immerhin sind es nicht zuletzt saudische Bomben, die in Jemen fallen, und immerhin ist es nicht zuletzt saudisches Geld, dass die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) finanziert. Warum die Politik allerdings nicht auf den teilweise bedenklichen Einfluss der saudischen Regierung auf die arabischen Islamverbände und Moschee-Gemeinden in Deutschland eingeht, bleibt zunächst ihr Geheimnis.

Warum die „Zweifel“ der Bundesregierung an der türkischen Pressefreiheit völlig daneben sind.

Istanbul. Die antidemokratischen Vorgänge in der Türkei nehmen mittlerweile schier abstruse Dimensionen an: Während zunächst der gescheiterte Putschversuch im Juli als Vorwand herangezogen wurde tausende Lehrer, Richter, Verwaltungsbeamte und Soldaten zu entlassen, Privatschulen zu schließen und Journalisten zu drangsalieren, trifft es in jüngster Zeit vor allem linke und pro-kurdische Medien – eine Verbindung zur Gülen-Bewegung, die öffentlich für den sommerlichen Putschversuch verantwortlich gemacht wird, ist als Vorwand längst nicht mehr notwendig. Nachdem am Montag auch noch der Chefredakteur der wichtigsten verbliebenen Oppositionszeitung „Cumhuriyet“,  Murat Sabuncu, zusammen mit vier weiteren Journalisten verhaftet worden war – insgesamt gibt es Haftbefehle gegen 14 Mitarbeiter des Blattes, meldet sich nun auch die Bundesregierung zu Wort: Zwei Tage nach dem absehbaren Schlag des türkischen Regimes gegen „Cumhuriyet“ äußert Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel „große Zweifel“ an der Rechtsstaatlichkeit des Vorgehens.

Zuletzt war das Regime zunehmend nicht mehr nur gegen Oppositionsmedien vorgegangen, die dem konservativen Prediger und ehemaligen Weggefährten Erdogans, Fethullah Gülen, nahe stehen, sondern vermehrt auch gegen sozialistische und pro-kurdische Medien. So meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am vergangenen Samstagabend, dass zehn Tage nach der Verlängerung des Ausnahmezustands 15 weitere Oppositionsmedien verboten worden seien. Neben der kurdischen Nachrichtenagentur DIHA seien demnach auch mehrere Regionalzeitungen in der Südosttürkei geschlossen worden, so die Meldung. Ihnen wird – auch wenn es oft keine offiziellen Begründungen gibt – implizit vorgeworfen, mit der militanten kurdischen Arbeiterpartei PKK zu kooperieren.

Am Montag traf es nun die „Cumhuriyet“: Den verhafteten und zur Fahndung ausgeschriebenen Journalisten wird die Unterstützung sowohl der Gülen-Bewegung als auch der als Terrororganisation eingestuften PKK vorgeworfen. Die „Cumhuriyet“, welche erst im Dezember von der Right Livelihood Award Stiftung als „Stimme der Demokratie“ mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden war, schrieb dazu: „Der Putsch gegen die Demokratie hat die Zeitung „Cumhuriyet“ erreicht.“

„Zu einer Zeit, in der die Meinungsfreiheit in der Türkei zunehmend bedroht ist, beweist die „Cumhuriyet“, dass die Stimme der Demokratie nicht zum Schweigen gebracht werden kann.“ – Begründung der Right Livelihood Award Stiftung zur Preisverleihung an die „Cumhuriyet“

Das harsche Vorgehen der türkischen Regierung gegen diese journalistische Institution sorgte weltweit für Empörung, auch in Deutschland wurde das Regime schon am Montag scharf kritisiert. So meinte der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, Erdogan trete die Pressefreiheit nicht nur mit Füßen, sondern „er führt auch sie in Handschellen ab“. Die Bundesregierung dagegen blieb auffallend zurückhaltend in der Sache. Linksfraktionschef Dietmar Bartsch warf ihr gar „Entschlossenes Schweigen“ vor und Katja Kipping bezeichnete die Türkeipolitik der Bundesregierung als „beschämendes Fiasko für die unveräußerlichen Werte der Demokratie, Menschenrechte und Meinungsfreiheit“.

Zwei Tage später, sieht sich nun allerdings auch die Bundesregierung zu einer Aussage verpflichtet – übermittelt nicht durch die Bundeskanzlerin selbst, was tatsächlich ein starkes Signal gesendet hätte sondern durch den aalglatten Ex-Nachrichtensprecher Steffen Seibert. Dennoch: Die jüngsten Ereignisse seien für Kanzlerin Angela Merkel und die gesamte Regierung „in höchstem Maße alarmierend“, so Seibert. Die Bundesregierung werde den Fall weiter sehr aufmerksam beobachten, man habe allerdings „großen Zweifel daran, ob das Vorgehen gegen den Chefredakteur Murat Sabuncu und seine Kollegen rechtsstaatlichen Prinzipien entspricht“.

Seibert betonte allerdings auch, wie wichtig es sei, „dass dann weiter gesprochen wird“. Als Zeichen der Solidarität, so heißt es zudem aus dem Außenministerium habe der deutsche Botschafter in Ankara nach den Verhaftungen die Redaktion der Oppositionszeitung besucht. Aber ist das genug Solidarität? Reicht es, den Regierungssprecher eine Erklärung verlesen zu lassen und den Botschafter in die Redaktionsräume einer drangsalierten Zeitung zu schicken? Müssten nicht Bundeskanzlerin und Bundespräsident längst in einem gemeinsamen Auftritt die Entdemokratisierung der Türkei auf schärfste kritisiert haben, schon um zu signalisieren, dass eine freiheitliche Ordnung nicht zu Disposition stehen kann?

Die Bundesregierung ist da anderer Ansicht: Ihr geht es um Realpolitik, um Abkommen mit der Türkei, die gefährdet werden könnten und nicht zuletzt um den Flüchtlingsvertrag. Erst die öffentlichen Auftritte des ehemaligen „Cumhuriyet“-Chefredakteurs Can Dündar, der sich in Deutschland und ebenfalls auf der Fahndungsliste des Erdogan-Regimes befindet, sowie die öffentliche Empörung, die auf die Verhaftungen am Montag folgte, brachten die Regierung dazu, überhaupt zu reagieren. Dündar, hatte zuvor im Gespräch mit der „Welt“ unter anderem gesagt: „Die Reaktion der deutschen Regierung war wirklich schwach“, auch verglichen mit anderen westlichen Staaten.

Und selbst jetzt, in Anbetracht anhaltender Massenverhaftungen und -suspendierungen, in Anbetracht massiver Drangsalierung und Erpressung der Oppositionspresse, in Anbetracht von Repressionen gegen Linke und Kurden, in Kenntnis der wahrscheinlichen Wiedereinführung der Todesstrafe, meldet die Bundeskanzlerin nur „großen Zweifel“ an der Rechtsstaatlichkeit einer einzigen Handlung ein? Was gibt es da noch zu zweifeln? In der Türkei entsteht eine neue Diktatur, während die mächtigste Frau Europas untätig zweifelnd zusieht. Dabei war die zunehmende der Autokratisierung der Türkei schon am 15. Juli, am Tag des gescheiterten Putsches absehbar.

Übrigens sei noch einmal daran erinnert, dass Präsident Erdogan mit der Demontage der türkischen Demokratie nur ein Versprechen einlöst, für das er 1998 zu einer Haftstrafe und zunächst auch zu einem lebenslangen Politikverbot verurteilt worden war. Auf einer politischen Konferenz trug er damals folgendes Gedicht vor: „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Nun macht er dieses Versprechen wahr und baut die Türkei schrittweise in eine islamisch-präsidiale Diktatur um, wenigstens hält er sein Wort.

PEGIDA aus der Innenstadt verbannen? Das ist antidemokratisch!

Die Sächsische Kunstministerin und Dresdnerin Eva-Maria Stange (SPD) wünscht sich, dass ihre Heimatstadt sich ein Vorbild am Regionalparlament von Teneriffa nimmt. Zumindest, wenn es um den Umgang mit PEGIDA und deren mehrfach vorbestrafte Galionsfigur Lutz Bachmann geht. Dieser wurde auf der Kanareninsel, die er zu seiner zweiten Heimat gemacht hatte, jüngst zur „unerwünschten Person“ erklärt – mit ungewissen Folgen für seine Position.

Der 43-jährige Bachmann lebt seit September hauptsächlich auf der beliebten spanischen Urlaubsinsel, wo er nun unerwünscht ist. Für die montäglichen Kundgebungen der rechtspopulistischen PEGIDA-Initiative fliegt der vorbestrafte Volksverhetzer regelmäßig nach Dresden ein. Vor allem Linke hatten sich auf Teneriffa für eine „Ächtung“ Bachmanns ausgesprochen. So meint Fernando Sabaté, Sprecher der spanischen Linkspartei Podemos gegenüber der Zeitung „La Opinión de Tenerife“, die Erklärung solle wie eine Impfung gegen Bachmann wirken, denn „diese Person ist wie ein Virus“. Welche konkreten Folgen der Rechtspopulist zu erwarten hat, ob er die Insel gar verlassen muss,  bleibt allerdings zunächst unklar.

Vor diesem Hintergrund fordert nun Ministerin Stange auch von der Stadt Dresden ein konsequenteres Vorgehen gegen PEGIDA und Bachmann. Es sei „höchste Zeit“, geeignete Maßnahmen gegen das Treiben zu suchen. Die Sozialdemokratin fokussiert sich dabei auch auf den Schaden, den PEGIDA für den Ruf der sächsischen Landeshauptstadt bedeutet. dieser sei unübersehbar, so Stange. Sie macht die Rechtspopulisten direkt verantwortlich für zurückgehende Touristen- und Besucherzahlen verantwortlich und verweist auf „massive Probleme“ der Semperoper: „Die Tänzer hatten sich fast geweigert, durch die Pegida-Demonstrationen zur Oper zu kommen. Auch Besucher fühlen sich belästigt.“ Konkret verzeichne das dresdner Wahrzeichen 27.000 Besucher weniger als in der Saison 2013/2014, so die Ministerin

Aus diesem Grunde fordert sie, die rechtspolulistischen Kundgebungen vor der Frauenkirche, der Semperoper, oder an anderen prominenten Orten der Innenstadt zu verbieten. PEGIDA soll aus der Innenstadt verbannt werden. In der „Sächsischen Zeitung“ rief sie zudem Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) zu „mehr gemeinsamen Aktionen“ gegen das islamkritische Bündnis auf.

Mit diesen Forderungen ist sie nicht allein: Auch die Grünen im Dresdner Stadtrat wünschen sich mehr Engagement ihrer Versammlungsbehörde. Es werde immer nur erklärt, was nicht gehe, so Fraktionschef Thomas Löser. Stattdessen sollte alles unternommen werden, um PEGIDA an den Stadtrand zu drängen und den Populisten so die prominente Bühne im historischen Stadtkern zu nehmen. Des Weiteren klagt die SPD-Fraktion, PEGIDA erhalte stets die besten Plätze und optimale Veranstaltungsbedingungen, während Gegenprotest behindert werde. Ihr Fraktionschef Christian Avenarius, ehemaliger Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft, glaubt, man könne sehr wohl bei der Gestaltung des Versammlungsgeschehens gesetzestreu vorgehen und gleichzeitig das Wohl der Stadt im Blick behalten.

Das Problem mit solchen Forderungen ist, dass sie, so sehr die Akteure auch meinen „zum Wohle der Allgemeinheit“ vorzugehen, das verfassungsmäßige Versammlungs- und Demonstrationsrecht signifikant einschränken. Werden Kundgebungen in die Vororte einer Stadt verlegt, verweigert man ihnen die prominenten Versammlungsplätze, so verringert man auch ihre Sichtbarkeit. Im Falle von PEGIDA und anderen rechtspopulistischen Initiativen mag dahinter eine moralisch nachvollziehbare Intention stecken. Dennoch bleiben solche Handlungen Eingriffe in grundlegende demokratische Rechte, die höchstens aufgrund konkreter Sicherheitsbedenken zu rechtfertigen wären.

Darum geht es aber hier nicht. In der Hauptsache geht es Kunstministerin Eva-Maria Stange darum, das Dresdner Postkartenidyll weiterhin verkaufen zu können – als Grund für Einschränkungen der Versammlungsrechte sollte das nicht ausreichen dürfen!

Linke sollten – bei allem Verständnis für jede politische Abneigung gegen PEGIDA und Konsorten – den Plänen der Ministerin übrigens nicht allzu laut zujubeln, denn wer weiß, ob nicht demnächst auch linke Demonstrationen als schädlich für Ruf und Ansehen einer Stadt betrachtet werden könnten. Im Gegenteil sollten linke Kräfte sich am lautesten über jede Einschränkung der Demonstrationsrechte empören – unabhängig davon, wo im politischen Spektrum die Betroffenen stehen!

Ganz anders zu bewerten ist dagegen die Forderung Stanges nach „mehr gemeinsamen Aktionen“, denn naturgemäß sind Gegendemonstrationen und Aktionen zur politischen Bildung demokratisch nicht nur legitim sondern auch begrüßenswert. Für das Ansehen der Stadt könnte die Erfüllung dieses Wunsches sogar eine größere Chance darstellen als die antidemokratische Verbannung der PEGIDA in die Vororte. So könnte ein breites – und lautes – politisches Bündnis von Verwaltung, Bürgern und Parteien gegen die rechte Initiative einige Vorurteile gegenüber der Landeshauptstadt und seiner Bewohner ausräumen.

Die Islamisierung des Abendlandes – Von Kreuzrittern, Seldschuken und Gottesleugnern.

Fast jeden Montag treffen sich in Dresden, Freiburg, Würzburg und anderen deutschen Metropolen die mutigen Kreuzritter von PEGIDA und Konsorten, um Volk und Vaterland vor den heranstürmenden muslimischen Heeren der Osmanen, Araber und Seldschuken zu verteidigen … „Nein, so einfach ist das nicht!“, Erklärt mir einer dieser Kreuzritter: Die Islamisierung, so der PEGIDA-Mitläufer, der anonym bleiben will, laufe heute schleichend ab, schon bald, da ist er überzeugt, werde es in Deutschland nur noch Muslime geben. Und ich als Agnostiker trüge daran eine Mitschuld!

Die Logik, welcher der junge Man dabei folgt ist bestechend: Wann immer ich darauf hinweise, dass keine Religion, auch nicht das alteingesessene Christentum, in der Politik etwas zu suchen hat, wenn ich richtig stelle, dass es in der jüngsten Vergangenheit weltweit mehr christlichen als muslimischen Terror gegeben hat, oder wenn ich die Homophobie christlich-fundamentalistischer Kräfte in Deutschland anspreche, helfe ich damit – unfreiwillig – der Verbreitung der islamistischen Ideologie.


Merke: Islam und Islamismus werden in diesem Umfeld gern auch synonym verwendet. Das ist zwar semantisch, als setzte man Konservatismus und Nationalsozialismus gleich, für solche Feinheiten haben aber die Kreuzritter in ihrem heiligen Krieg gegen Mohammeds Scharen keinen Blick, sie haben einen Kampf gegen alle Wahrscheinlichkeit zu kämpfen. Überhaupt scheinen Differenzierungen in diesem Milieu nicht gern gesehen zu sein – es sei denn natürlich, es geht um Relativierungen rund um die Person Lutz Bachmanns.


Dieser Logik liegt einmal mehr die anerzogene Überzeugung von der Bipolarität der Welt zugrunde, wer demnach nicht gegen eine Islamisierung Deutschlands ist, muss in dieser Logik zwangsläufig dafür sein. Da macht man es sich dann doch wieder „so einfach“.

Aber was ist eigentlich dran an der Angst vor der Islamisierung? Inwieweit ist sie berechtigt?

Will man diese Fragen beantworten, so muss man zunächst betrachten, wie sich die globalen Religionszugehörigkeiten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten entwickeln werden. Hierbei wird regelmäßig eine demographische Studie des renommierten Pew-Instituts in Washington D.C. herangezogen, die zu dem Ergebnis kommt, dass es tatsächlich – nach jetzigem Stand – 2070 mehr Muslime als Christen geben wird. „Demografischer Dschihad“ oder „Geburten-Dschihad“ nennen das nicht nur die Kreuzritter von PEGIDA. Tatsächlich wächst die Umma – die Gemeinschaft aller Muslime – signifikant schneller als die Christenheit, stärker als jede andere Religion, ja sogar stärker als die Weltbevölkerung insgesamt. Ist also was dran am „Demographischen Dschihad“?

Nicht direkt. Zwar hängt diese Entwicklung laut Pew-Direktor für Religionsforschung, Alan Cooperman, wirklich in erster Linie damit zusammen, dass in muslimischen Gesellschaften höhere Geburtenraten von derzeit durchschnittlich 3,1 Kindern pro Frau herrschen, während etwa es etwa in Deutschland im Schnitt nur 1,3 Kinder pro Frau sind – zur Populationserhaltung wäre eine Quote von etwa 2,1 optimal. Allerdings liegt das weniger am Islam selbst als am Entwicklungsstand der Länder, in denen die meisten Muslime leben. So geht ein hoher Entwicklungsstand i.d.R. auch mit einer höheren Gentrifizierung und damit mit einer niedrigeren Fertilitätsrate einher. Beispielsweise liegt die Geburtenrate in Malaysia, einem überwiegend muslimischen Land (der Islam ist außerdem Staatsreligion) mit verhältnismäßig hohem Entwicklungsstand (HDI: 0,773) mit 1,98 Geburten pro Frau knapp unter der kritischen Fertilitätsziffer, während im deutlich geringer entwickelten, aber vorwiegend christlichen Sambia (HDI: 0,561) die Geburtenziffer bei 5,73 liegt. Eine „aggressive“ Fruchtbarkeit islamischer Gesellschaften ist also nicht mehr als eine politisch motivierte Legende, wahr ist dagegen, dass ärmere Gesellschaften schneller wachsen, so korreliert die Fertilität stärker mit der geographischen Herkunft als mit ihrer Religionszugehörigkeit.

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Zusätzlich ist zu beachten, dass sich das generative Verhalten der rund 4,3 Millionen in Deutschland lebenden Muslime mit der Zeit dem Deutschen anpasst, so bekommen beispielsweise junge Deutschtürkinnen weniger Kinder als die vorige Generation, Frauen mit afrikanischem Migrationshintergrund bekommen in der Bundesrepublik nur durchschnittlich 2,6 Kinder, während die Fertilitätsrate des afrikanischen Kontinents bei 5,0 liegt.

Aufgrund der niedrigen Geburtenrate werden 2050 – migrationsbereinigt – nur noch 70 Millionen Menschen in Deutschland leben, davon wird voraussichtlich jeder Zehnte – also rund 7 Millionen Menschen – muslimischen Glaubens sein. Europaweit wird sich der Islam auf eine ähnliche Quote entwickeln. Da scheint die Angst der Pegida-Kreuzritter vor einer Islamisierung Deutschlands doch insofern unbegründet als das aus den deutschen Muslimen so kaum die „dominierende Bevölkerungsgruppe“ werden kann.


Merke: Der „Geburten-Dschihad“ ist eine politische Legende mit dem Ziel, den Islam als geringer entwickelt darzustellen, wie viele Kinder eine Frau im Durchschnitt bekommt ist stärker abhängig davon, von welchem Kontinent und aus welchen sozialen Verhältnissen sie kommt als von ihrer Religionszugehörigkeit. So führen Empowerment und höhere Bildung von Frauen, Zugänglichkeit von Verhütungsmitteln sowie sexuelle Aufklärung gleichermaßen zu einem höheren gesellschaftlichen Entwicklungsstand als auch zu einer geringeren Geburtenrate.


Ein weiterer Faktor für das schnellere Bevölkerungswachstum in islamischen Gesellschaften, so Cooperman sei allerdings, dass die muslimische Welt dominiert sei von autoritären Regimen, die einen – offenen – Abfall von der Religion unter Strafe stellen. Während also weltweit – insbesondere in hochentwickelten Gesellschaften – atheistische und agnostische Bekenntnisse auf dem Vormarsch sind, wird es laut Pew-Prognose eine solche Entwicklung in den islamisch geprägten Ländern nicht oder in deutlich geringerem Ausmaß geben. Die Pew-Studie berücksichtigt dabei allerdings naturgemäß nicht, wie viele Menschen tatsächlich muslimischen Glaubens sein werden. Jedoch ist bei weitem nicht jeder, der angibt, einer Religionsgemeinschaft anzugehören auch wirklich – geschweige denn im selben Maße – gläubig. So leben in Deutschland beispielsweise auch unter bekennenden Katholiken laut einer repräsentativen „Infratest dimap“ Umfrage von 2011 rund 18 Prozent Atheisten, unter Protestanten rund 26 Prozent. Da in Deutschland aber Atheismus nicht unter Strafe steht, ist davon auszugehen, dass diese Quoten in der muslimischen Bekenntniswelt deutlich höher liegen.

Das sich zumindest in der industrialisierten Welt der Trend zu weniger Religiosität fortsetzt, davon sind die Pew-Forscher ebenfalls überzeugt, so gehen sie davon aus, dass 2050 fast ein Viertel der Europäer (23 Prozent) Atheisten oder Agnostiker ohne Religionszugehörigkeit sein werden. Agnostiker, die sich trotzdem einer Religionsgemeinschaft zurechnen (z.B. katholische Agnostiker) sind dabei nicht eingerechnet. Dabei ist evident, dass Religiosität auch innerhalb der Glaubensrichtung keine allzu große Rolle mehr spielt. So ergab eine „TNS Infratest“ Umfrage von 2012, dass mehr als der Hälfte der Deutschen mittlerweile Religion unwichtig (26 Prozent) oder eher unwichtig ist (28,4 Prozent). Zugleich gab ein Fünftel (20 Prozent) der Befragten bei der „Infratest dimap“ Studie von 2011 an, Religion sei ihnen seit dem Mauerfall weniger wichtig geworden, während nur 13 Prozent der Umfrageteilnehmer gegenteiliges angaben.

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Auch bei den in Deutschland lebenden Muslimen ist diese Entwicklung feststellbar: Bei türkischstämmigen Muslimen hat die strenge Religiosität zwischen der ersten und der dritten Generation um etwa die Hälfte abgenommen und jungen Türkinnen und Türken in Deutschland ist die fundamentalistische Auslegung des Islam zunehmend fremd. Von Islamisierung kann also in Deutschland keine Rede sein, im Gegenteil „deislamisiert“ langfristig Deutschland seine Zuwanderer.

Wenn man den Religionsvektor in Europa benennen würde, müsste man also perspektivisch eher von einer „Atheisierung“ sprechen, die Islamisierung des Abendlandes ist dagegen eine Legende.


Human Development Index (HDI), Fertilitätsrate und vorherrschende Religionszugehörigkeit beispielhafter Länder. (2014)

Malaysia – HDI: 0,773 (hoher menschlicher Entwicklungsindex)
Fertilitätsrate: 1,98
Vorherrschende Religionszugehörigkeit: Islam

Ägypten – HDI: 0,682 (mittlerer menschlicher Entwicklungsindex)
Fertilitätsrate: 2,87
Vorherrschende Religionszugehörigkeit: Islam

Pakistan – HDI: 0,537 (geringer menschlicher Entwicklungsindex)
Fertilitätsrate: 3,26
Vorherrschende Religionszugehörigkeit: Islam

Sambia – HDI: 0,561 (geringer menschlicher Entwicklungsindex)
Fertilitätsrate: 5,73
Vorherrschende Religionszugehörigkeit: Christentum

Eritrea – HDI: 0,381 (geringer menschlicher Entwicklungsindex)
Fertilitätsrate: 4,78
Vorherrschende Religionszugehörigkeit: Christentum/Islam

Bücherverbrennung in Rostock: Von der Verurteilung der Intention bei Duldung der Tat.

Bei einem Protest von AfD-Anhängern gegen die Erweiterung einer Moschee im Norden der Hansestadt Rostock wurden laut Polizeiangaben Koranseiten öffentlich verbrannt. Die Beamten lösten die unangemeldete Kundgebung auf, nachdem eine andere Gruppe verbal gegen die Bücherverbrennung protestiert hatte. Gegen einige Teilnehmer wurden Platzverweise ausgesprochen und es wurden Anzeigen wegen Beleidigung und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz aufgenommen.

Mittlerweile ist auch bekannt, dass die Erweiterung der Gebetsräume der Moschee im Stadtteil Groß Klein nicht zum ersten Mal Anlass islamophober Proteste war, außerdem war das Viertel jüngst wegen der protestbedingten Schließung einer Unterkunft für jugendliche Flüchtlinge in die Schlagzeilen geraten.

Während das rechtsradikale Kameradschaftsspektrum den Vorfall zum Anlass nahm, im Netz mit der Verbrennung des Korans zu polarisieren, will die AfD – zu deren Anhängern die Demonstranten unbestritten gehörten – mit der Sache zumindest öffentlich nichts zu tun haben. So distanzierte sich AfD-Landtagsabgeordnete Holger Arppe eiligst öffentlich von dem Vorfall und stritt jede Verbindung zu seiner Partei ab. Was schwer zu glauben ist, bedenkt man, dass Arppe ein bekannter Einheizer gegen den Islam ist und im vergangenen Jahr bereits wegen Volksverhetzung verurteilt wurde, weil er auf einer rechten Internetseite zur Gewalt gegen Befürworter eines Moscheebaus aufgerufen hatte.

Beobachtern der Situation in Rostock stieß im speziellen die Verbrennung des Korans, die nicht nur als offene Beleidigung des Islams gewertet wird, sondern auch eine Reminiszenz an die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten ab 1933 darstellt, sauer auf.

So geisterte auch ein Zitat des Dichters Heinrich Heine wieder durch die Gazetten, das schon im dritten Reich als unfreiwillige Prophezeiung des Nationalsozialismus gewertet wurde: „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende Menschen.“ Ins Spiel brachte den Satz die linke Abgeordnete im thüringischen Landtag, Katharina König, auch weil er die heutigen AfD-Anhänger so anschaulich in die Nähe der alten NSDAP bringt, und es wagt nicht zu widersprechen, wer den Ausgang der Geschichte kennt, die 1933 ihren Anfang nahm.

Was meistens nicht dazu geschrieben wird, ist, dass das Zitat aus Heines Drama Almansor stammt und sich explizit eine Koranverbrennung während der Eroberung des spanischen Granada durch christliche Ritter im Jahre 1499/1500 bezieht. So scheint es auf die jüngste Situation in Rostock sogar noch besser zugeschnitten zu sein, allerdings war Heine keineswegs prophetisch veranlagt, im Gegenteil brauchte er nur die Vergangenheit und seine Gegenwart zu beobachten, um festzustellen, dass die „Exekution von Büchern“ immer zu explosiven historischen Situationen führte: So war es die Verbrennung von Bibeln durch den römischen Kaiser Diokletian, welche die Epoche der römischen Christenverfolgung einleitete, die Verbrennung von als gefährlich eingestuften Schriften durch die französischen Revolutionäre prägte den „Terreur“ in der jungen Republik und auch zur Einäscherung „undeutscher Schriften“ beim Wartbugfest hatte Heine eine Position: „Auf der Wartburg krächzte die Vergangenheit ihren obskuren Rabengesang, und bei Fackellicht wurden Dummheiten gesagt und getan, die des blödsinnigsten Mittelalters würdig waren! (…) Auf der Wartburg herrschte jener beschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Haß des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wußte als Bücher zu verbrennen!“ (vgl.: Heinrich Heine: Ludwig Börne. Eine Denkschrift. Viertes Buch, 1840)

Wer diese Worte heute, knapp 200 Jahre (das Wartburgfest fand 1817 statt) später, ließt, kommt nicht umhin, gewisse Parallelen zwischen der Analyse des Dichters und der heutigen Situation in Deutschland zu ziehen: Das dubiose Festhalten an Vergangenem, überhandnehmendes Deutschtum, Fremdenfeindlichkeit und Unvernunft. Allerdings hat sich die Verbrennung von Schriftstücken andererseits auch als bildhafter Protest etabliert.

So ist die Beurteilung der Koranverbrennung auf zwei Ebenen vorzunehmen: Einerseits muss die Tat selbst auf demokratischer Ebene als Akt des Protests gewertet werden, unabhängig vom Motiv. Die Frage muss dann lauten, ob die Reaktionen auf die Verbrennung ebenso „beleidigt“ gewesen wären, hätte es sich um ein unreligiöses Buch, um das Grundgesetz oder ein Parteiprogramm zum Beispiel, gehandelt. Ist die Antwort auf diese Frage nicht ein klares Ja, so kann es keine Rechtsgrundlage geben, auf deren Basis eine Person explizit für die Verbrennung des Korans belangt werden kann (vorausgesetzt, die Kopie wurde legal erworben).

Auf der anderen Seite, unabhängig von der rechtlichen Situation, muss die Intention der „Täter“ hinterfragt werden: Ging es nur um den Protest gegen dieses eine Bauvorhaben, oder sollte aus Protest gegen die allgemeine „Islamisierung“ bewusst ein religiöses Gefühl beleidigt werden? Demnach wäre das Motiv ein rein islamophobes, fremdenfeindliches, welches einen zentralen Grundsatz unserer demokratischen Gesellschaftsordnung, den Respekt vor allen Glaubensrichtungen, angriffe. Dann könnte man sogar argumentieren, die Beteiligten hätten antidemokratische Intentionen.

Moralisch sind derlei Motive selbstverständlich aufs Schärfste zu verurteilen und die demokratischen Kräfte der Bundesrepublik müssen sich klar dagegen aussprechen, allerdings müssen sie auch den Glauben vermitteln, dass die Demokratie solche Angriffe aushält, schließlich erlaubt ein anderer Grundsatz demokratischer Ordnungen, die Rede- und Meinungsfreiheit, wenn sie konsequent ausgelegt wird auch Antidemokraten, ihre Meinung grundsätzlich öffentlich und in einer von ihm gewählten Weise zu äußern. Wenn also ein „Islamkritiker“ seine Verachtung für die Religionsfreiheit äußern will, indem er den Koran verbrennt, dann muss die Gesellschaft  – auch die Muslime in diesem Land – das erdulden, unabhängig davon, wie die Intention beurteilt wird.

Auf politischer Ebene dagegen darf die Verantwortung der AfD als Partei und des Landtagsabgeordneten Arppe als Katalysator im Besonderen  für antiislamisches Gedankengut in diesem Zusammenhang nicht kleingeredet werden!

Die Welt ist gerettet: Burkiniverbot am Strand von Cannes.

Cannes (Frankreich). Geht es noch ein bisschen absurder? Cannes verbietet Verhüllung am Strand, als Terrorabwehr.

Im Bestreben die europäischen Bürger vor islamischem Terror zu schützen, greifen die Regierenden teilweise zu abstrusen Methoden: Die französische Stadt Cannes hat nun das Tragen des Burkini am Strand unter Verweis auf die jüngsten islamistischen Terroranschläge verboten. „Es geht nicht darum, das Tragen religiöser Symbole am Strand zu verbieten, sondern ostentative Kleidung, die auf eine Zugehörigkeit zu terroristischen Bewegungen hinweist, die gegen uns Krieg führen“, erklärte der Generaldirektor der städtischen Dienste, Thierry Migoule, am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP zu dem Verbot. Ein Burkini weist also daraufhin, dass eine Frau eine Terroristin ist? Nun mag man den Burkini, sowie das Verschleierungsgebot im Islam für sexistisch und absurd halten, aber sicherlich gehört die Masse der Muslimas, die ein solches Kleidungsstück für den Strandurlaub kauft, nicht dem Islamischen Staat, oder Al-Qaida an!

Der sogenannte Burkini bedeckt im Gegensatz zu klassischen Badeanzügen den ganzen Körper und wird von fundamentalistischen Muslimas beim öffentlichen Baden getragen, um einer strengen Auslegung des Verschleierungsgebots Rechnung zu tragen. Das Burkiniverbot wurde bereits Ende Juli per Dekret von Cannes konservativem Bürgermeister David Lisnard erlassen. Demnach sei künftig, der Zutritt zum Strand und das Baden Menschen verboten, die „keine korrekte Kleidung tragen, die die guten Sitten und die Laizität respektiert sowie die Hygiene- und Sicherheitsregeln achtet“.

Gemäß dem Dekret droht „eine Strandbekleidung, die auf ostentative Weise eine religiöse Zugehörigkeit bezeugt, während Frankreich und die religiösen Kultstätten Ziel terroristischer Angriffe sind, zur Störung der öffentlichen Ordnung zu führen“. In Frankreich ist der Ganzkörperschleier verboten, doch gibt es kein Gesetz gegen das Tragen religiöser Symbole. Kürzlich hatte eine geplante Burkini-Veranstaltung bei Marseille zu einer solchen Kontroverse geführt, dass sie schließlich abgesagt wurde.

Inwieweit dieses Dekret die Sicherheit der französischen Strände jedoch steigern soll, kann der Bürgermeister ebenso wenig erklären wie der Chef der städtischen Dienste. Allerdings ist den beiden bisher kein Fall bekannt, in dem eine Terroristin in muslimischer Strandkleidung andere Badegäste ermordete. Warum also diese Regelung? So ganz erklären können die beiden es im Nachhinein auch nicht mehr. Letztlich versucht man wohl nur einmal mehr, sich den Wählern der erstarkenden rechtsextremen Kräfte in Frankreich mittels hohlem Aktionismus anzunähern!

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Faktisch genauso verschleiert: Triathleten in Neoprenanzügen.

Das Beitragsbild zeigt übrigens ein Outfit, dass nunmehr verboten sein wird, während es beispielsweise Taucherinnen und Surferinnen weiterhin gestattet sein wird, Neoprenanzüge zu tragen, die eben soviel Haut verdecken. Den faktischen Unterschied kann Bürgermeister David Lisnard genauso wenig erklären, wie er die Frage beantworten kann, inwiefern die auf dem Beitragsbild abgebildete Dame durch ihre Kleidung den islamistischen Terror unterstützt. Könnte es demnach vielleicht doch sein, dass sich dieses Gesetz gegen den Islam richtet und eben nicht gegen den Terrorismus?