Gericht verhindert Kontakt zwischen jüdisch-orthodoxen Kindern und Transgender-Elternteil – aus religiösen Gründen.

Manchester (Großbritannien). Ein Gericht im englischen Manchester hat beschlossen, einer Transgender-Frau den direkten Umgang mit ihren fünf Kindern zu verbieten, weil dies unvereinbar mit dem ultra-orthodox jüdischen Hintergrund ihrer Exfrau sei.

Das von Richter Peter Jackson gesprochene Urteil folgte einem zwölfmonatigen Rechtsstreit der Eltern um das Umgangsrecht mit den Kindern. Im Kern ging es darum, dass dem Transgender-Elternteil, der nun als Frau lebt und zuvor die orthodox-jüdische Gemeinschaft verlassen hatte, durch die Mutter der gemeinsamen Kinder der direkten Umgang diesen verwehrt wurde.

Die Anwälte der Mutter hatten argumentiert, dass die Kinder von der charedischen Gemeinschaft geächtet würden und damit kein normales Leben aufgrund ihres Kontakts mit einem Transgender-Elternteil leben könnten – inwieweit allerdings ein Leben in einer regressiv-religiösen Gemeinschaft, die nach Regeln aus dem 19ten Jahrhundert lebt, im 21ten Jahrhundert „normal“ ist, hinterfragten sie nicht. Obgleich orthodoxe Rabbis, die im Namen der Transgender-Frau handelten, vor Gericht erklärten, dass im Judentum Transgender-Personen nicht in dieser Weise bestraft werden dürften, beschloss Richter Jackson, das „Risiko“, dass „diese Kinder und ihre Mutter von ihrer Gemeinschaft ausgestoßen würden, wenn die Kinder persönlichen Kontakt mit ihrem Vater hätten“ sei zu groß, um persönlichen Umgang zu erlauben.

„Die profunden Konsequenzen einer möglichen Kontaktanordnung für das Kindeswohl abwägend habe ich die unliebsame Entscheidung getroffen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder oder die Mutter durch die ulta-orthodoxe Gemeinde marginalisiert oder ausgeschlossen werden, so real ist – und die Konsequenzen so bedeutend, dass dieser eine Faktor – trotz der vielen Nachteile – die vielen Vorteile des Kontakts überwiegt,“ so Richter Jackson weiter. „Deshalb beschließe ich mit echtem Bedauern, wissend, wie viel Schmerz es bereiten muss, dass der Antrag des Vaters auf direkten Umgang abgelehnt werden muss.“ Die Worte gingen dem Richter, so berichten Beobachter, sichtlich schwer über die Lippen – zu Recht, musste er doch, zum Wohl der Kinder, beschließen, dass sie ihren Vater, der sich ihnen gegenüber nie etwas zu Schulden kommen ließ, nicht mehr sehen dürfen, weil ihre Religion es verbietet.

Der Transgender-Frau wurde stattdessen erlaubt, ihre Kinder vier mal im Jahr per Brief zu kontaktieren – ein sehr schwacher Trost, wie man annehmen darf.

Richy Thompson, Kampagnenmanager der „British Humanist Association“ sagte der britischen Zeitung „The Independent“, die Entscheidung sei „extrem traurig“ vor dem Hintergrund des Fortschritts, der bei den Rechten von Transgender-Personen gemacht wurde. „In einer Zeit, in der sich die Gesellschaft in Richtung viel inklusiverer Ansichten gegenüber Trans-Personen und deren grundlegender Rechte bewegt, ist es sehr bedauerlich, dass eine religiöse Gemeinschaft solch diskriminierende Ansichten beibehalten kann, und damit droht, Kinder aufgrund der Gender-Identität eines Elternteils zu ächten, und dass wir sogar mit Familienrichtern konfrontiert werden, die solche Urteile sprechen wie dieses,“ erklärte er.

Der Fall zeigt eindrücklich, in welch fundamentalem Widerspruch zur modernen Realität sich regressive religiöse Gruppen wie das charedische Judentum befinden. Werden sie mit äußeren Einflüssen konfrontiert, die nicht in ihr Weltbild passen, ergeben sich für die Anhänger solcher Gruppen schwerwiegende Folgen. So ist kaum nachvollziehbar, wie die betroffene Trans-Frau mit sich gekämpft haben muss, ehe sie ihre ultra-orthodoxe Gemeinschaft verließ, um als Frau leben zu können.

Am Ende steht ein Gerichtsurteil, dass ambivalent zu betrachten ist: Einerseits hätte die Ächtung der Kinder durch die regressive Gemeinschaft – die von einigen Menschenrechtlern als Sekte bezeichnet wird -, in der sie sich bewegen, schwere psychologische Folgen, andererseits haben die Kinder – solange sich nicht auch die Mutter von der charedischen Gemeinschaft löst, kaum eine Chance auf ein modernes Leben, auf eine weltoffene Erziehung und wissenschaftlich-säkulare Bildung. Außerdem bleibt der fade Beigeschmack, dass hier einem Elternteil aus religiösen Gründen der Umgang mit den leiblichen Kindern untersagt wird.

Charedische Gemeinschaften entstanden im 19. Jahrhundert als Reaktion auf die Säkularisierung des Judentum und die Emanzipationsbestrebungen der Juden in Mittel- und Osteuropa. Insgesamt gibt es weltweit etwa 1,3 bis 1,5 Millionen charedische Juden, die sich an die ultra-orthodoxe Auslegung ihrer Religion halten und den Kontakt mit der säkularen Welt stark beschränken. Die meisten von ihnen – 700.000 – leben in Israel, die meisten charedischen Juden in Europa – etwa 47.000 – leben in England.


Weiterführende Quelle:
British and Irish Legal Information Institute – Urteil und Prozessprotokoll.

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Britische Top-Universität sucht LEGO-Professor.

London (Großbritannien). Die University of Cambridge ist auf der Suche nach einem „Lego-Professor des Spielens“. In einer Stellenanzeige ruft die renommierte Universität Akademiker mit großer Phantasie und „kindlichem Denkvermögen“ auf, sich auf die neu geschaffene Professur zu bewerben.

Der Lego-Professor wird dabei eine Schlüsselposition besetzen, indem er dem ebenfalls neu geschaffenen „Centre for Research on Play in Education, Development and Learning“ (PEDAL – deutsch etwa: Zentrum für die Erforschung des Spielens in Bildung, Entwicklung und Lernen) führt und untersucht, wie sich Spielzeiten auf die Entwicklung von Kindern auswirken. Die Position bietet neben einem attraktiven Gehalt alle Vorteile, die die Arbeit an einer der bekanntesten und renommiertesten Universitäten der Welt mit sich bringt, – außerdem darf man vermutlich eine Menge Lego spielen. Ist die Stelle doch von der Lego-Stiftung finanziert, die der Universität bereits 4 Millionen Pfund (etwa 4,61 Millionen Euro) an Forschungsgeldern zur Verfügung gestellt hat.

Das dänische Spielwaren-Unternehmen arbeitet bereits eng mit Wissenschaftlern zusammen, um die Vorteile kreativen Spielens im Lernumfeld von Kindern zu erforschen, und sieht Spielen als essentielle Komponente der kindlichen Entwicklung.

Obwohl das Unternehmen keinen Einfluss auf die Berufung hat, teilte Bo Stjerne Thomsen, Forschungschef der Lego-Stiftung der britischen Tageszeitung „The Guardian“ mit, dass er sich einen Akademiker für die Professur wünsche, der „spielerisch, extrem neugierig, aufgeschlossen, phantasievoll und kreativ“ ist. „Jemanden, der sich neue Wege vorstellen kann, wie Dinge getan werden können und der mit verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten kann.“

„Wir wollen die Regierung des Vereinigten Königreichs dazu ermutigen, mehr auf spielerisches Lernen in den Schulen zu setzen als auf Tests,“ fügt er hinzu. „Die Fertigkeiten, die man als Erwachsener heutzutage braucht sind Kollaboration, Lösungsorientierung und Kreativität. In diesem Sinne ist Spielen essentiell: Man benutzt seine Phantasie um Dinge zu planen, Ergebnisse vorherzusehen und um Lösungen für Probleme zu finden, indem man sie aus verschiedenen Perspektiven betrachtet.“

Kreative Akademiker können sich noch bis Freitag den 20ten Januar auf die Stelle – die wie der beste Job der Welt klingt – bewerben.

Niederlage für Progressive in Großbritannien: Neumitglieder dürfen nicht wählen!

London (Großbritannien). In der britischen Labour-Partei hat der progressive Flügel um den Vorsitzenden Jeremy Corbyn eine juristische Niederlage erlitten: Drei Richter eines Berufungsgerichts entschieden am Freitag, dass 130.000 neue Labour-Mitglieder, die der Partei in den sechs Monaten bis zum 12. Juli beitraten, nicht an der Wahl des Labour-Chefs teilnehmen dürfen, während noch am Montag ein Gericht zugunsten der neuen Mitglieder, bei denen es sich allen voran um Corbyn-Unterstützer handelt, entschieden hatte.

Ein Sprecher der Corbyn-Kampagne nannte die Gerichtsentscheidung demokratisch und juristisch „falsch“. Für den Kampf gegen die regierenden Konservativen werde eine „große, geschlossene Partei“ mit innerparteilicher Demokratie benötigt. Bei der Wahl des Parteivorsitzenden, deren Ergebnis am 24. September bekannt gegeben werden soll, gilt Corbyn dennoch als Favorit gegenüber dem wenig bekannten Labour-Abgeordneten Owen Smith. Bei einer Vertrauensabstimmung in der Parlamentsfraktion hatten allerdings Ende Juni drei Viertel der Labour-Abgeordneten gegen Corbyn gestimmt. Hinter der Auseinandersetzung stehen Differenzen um den politischen Kurs der Partei. An der Parteibasis genießt Corbyn große Zustimmung. Er war im September 2015 bei einer Urwahl mit großer Mehrheit zum Vorsitzenden gewählt worden.

Ähnlich wie der demokratische Sozialist Bernie Sanders in Amerika gilt Corbyn als Hoffnungsträger bei vielen europäischen Progressiven.


Dieser Beitrag ist Teil unserer Sonntagsausgabe „Spartacus am Sonntagmorgen – die Frühstückszeitung“. Lesen Sie hier die komplette Ausgabe.

Britischer Arbeitsmarkt bricht infolge des BREXIT-Votums zusammen.

London (Großbritannien). Während die europäische Festlandwirtschaft die Angst der Investoren vor dem BREXIT bisher verhältnismäßig solide hinnimmt, brach in Großbritannien einer Studie zufolge der Arbeitsmarkt aufgrund des BREXIT-Votums massiv ein.

Demnach sei im vergangenen Monat die Anzahl neu ausgeschriebener unbefristeter Stellen so stark gefallen wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Rezession 2009. Dies erklärte der Berufsverband für Personalvermittlung (REC) am Freitag zu einer aktuellen Studie. „Der Arbeitsmarkt hat im Juli einen dramatischen freien Fall erlebt“, so REC-Chef Kevin Green. „Die wirtschaftlichen Turbulenzen nach dem Votum für ein Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen sind zweifelsohne der Grund.“ Viele Unternehmen stellten wegen der erhöhten Unsicherheit neue Mitarbeiter nur noch befristet ein.

Um die Wirtschaft anzukurbeln, senkte die britische Notenbank bereits am Donnerstag den Leitzins auf das historische Tief von 0,25 Prozent, gleichzeitig stockte sie ihr Wertpapier-Kaufprogramm auf. Damit stemmt sie sich gegen die drohende Rezession in dem Land. Derzeit herrscht auf der Insel Unsicherheit, ob Großbritannien künftig noch Zugang zum EU-Binnenmarkt haben wird. Dies drückt auf die Konsumlaune und lastet auf der Investitionsbereitschaft der Firmen. Die Londoner Währungshüter haben die Hoffnung auf Wachstum in diesem Jahr bereits weitgehend begraben.

Nach dem BREXIT-Votum: Nigel Farage tritt zurück. – „Demagogisch im Wort, erbärmlich in der Tat“

Nachdem Boris Johnson, dem ehemaligen Bürgermeister Londons, bereits auf eine Rolle als Premierminister-Kandidat in der kommenden Wahl verzichtet hatte, kündigte am Montag mit Nigel Farage, dem Vorsitzenden der rechtspopulistischen UKIP, die zweite Galionsfigur der BREXIT-Bewegung seinen Rücktritt an. Weder im eigenen, noch im gegnerischen politischen Lager wurde die Nachricht positiv aufgenommen.

„Ich war nie und ich wollte nie ein Berufspolitiker werden“, sagte der wohl prominenteste BREXIT Befürworter am Montag. „Ich will mein Leben zurück.“ Schon in der vergangenen Woche hatte sein Mitstreiter, der ehemalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson, überraschend darauf verzichtet, Nachfolger des scheidenden Premierministers David Cameron zu werden.

Der 52-jährige Farage sagte, er habe sein Ziel, Großbritannien aus der Europäischen Union zu lösen, erreicht. Er werde seine Partei jedoch weiter unterstützen und die Trennungs-Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und der EU mit Argusaugen beobachten. Farage ist Gründungsmitglied der 1993 gegründeten rechtskonservativen UKIP, die seither regelmäßig mit Vorwürfen, sie propagiere Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und  Antisemitismus, zu kämpfen hat

Die Rücktrittserklärung des 52-Jährigen löste, ähnlich wie schon bei Boris Johnson, Empörung in der EU aus. Der Fraktionsvorsitzende der konservativen EVP im EU-Parlament, Manfred Weber (CSU), bezeichnete den Rücktritt des britischen Rechtspopulisten als verantwortungslos und feige. Michael Roth, Staatssekretär im Berliner Auswärtigen Amt, twitterte: „Nationalisten & Populisten sind sich in Europa ziemlich ähnlich: demagogisch im Wort, erbärmlich in der Tat.“

Christian Lindner, Chef der Liberalen in Deutschland schrieb, der Rücktritt von „Nigel Farage sollte Weckruf auch für manchen Wähler in Deutschland sein: Nicht Populisten hinterherlaufen, die [ihn] dann im Stich lassen.“ Und SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel urteilte: „Die geistigen Brandstifter versammeln sich in ihrer Verantwortungslosigkeit.“ Ähnlich sah es Grünen-Chef Cem Özdemir: „‚Ich bin dann mal weg‘ – Wer sich auf Populisten verlässt, ist verlassen“, schrieb er auf Twitter.

In gewisser Weise haben all diese Stimmen sicher recht. Der Rücktritt der beiden Chefpropagandisten der BREXIT-Kampagne ist letztlich nämlich nur eins: Eine Flucht vor der Verantwortung, welche ihnen die eigenen politischen Handlungen auferlegt haben. In diesem Fall reicht es nicht einmal aus, den Ausspruch „Ich will mein Leben zurück.“ von Nigel Farage als Unverschämtheit zu bezeichnen, immerhin hätte er sich das ja auch überlegen können, bevor er die sprichwörtliche Titanic mit Volldampf gegen den Eisberg gefahren hat. Nein, dieser Ausspruch ist nicht nur eine Unverschämtheit, er zeigt enthüllt auch einmal mehr das wahre Gesicht der Rechtspopulisten! Zuerst legen sie die Welt in Trümmer, haben aber danach keinen Plan für die Zukunft, fliehen vor der Verantwortung.

In diesem Zusammenhang ist auch Johnsons Kritik an der britischen Regierung zu sehen, diese habe keine angemessenen Pläne für das Scheidungsverfahren mit der EU. In der Bevölkerung mache sich eine Hysterie breit. Die Regierung dürfe nicht abwarten, bis ein neuer Premierminister im Amt sei, und müsse ihr Vorgehen und die Vorteile des Brexit den Menschen erläutern. Seine eigene Verantwortung für die Hysterie vergisst der Populist natürlich zu erwähnen, er will sie nicht wahrhaben und wird sie künftig leugnen, wie es alle Populisten tun. Kein Ausspruch trifft dieses Verhalten besser als die Worte des Staatssekretärs Michael Roth, die besagten, Nationalisten und Populisten seien „demagogisch im Wort, erbärmlich in der Tat“.

All hail Miss Hitler! – Schottin gewinnt geschmacklosesten Schönheitswettbewerb der Welt.

Im Netz stößt man immer wieder auf Geschmacklosigkeiten, die man eigentlich nicht für möglich gehalten hätte. Eine solche Geschmacklosigkeit ist „Miss Hitler“ Schönheitswettbewerb der Neonazi Bewegung „National Action“. Den Wettbewerb, der nur über das Internet ausgetragen wurde, entschied eine nicht weiter identifizierte Schottin mit dem klangvollen Pseudonym A_BUS_FULL_OF_RETARDS für sich. Herzlichen Glückwunsch.

„National Action“, im Prinzip eine lose Gruppierung junger Rassisten, ließ verlautbaren, der Schönheitswettbewerb sei ins Leben gerufen worden, um auf die weiblichen Unterstützer der Gruppe aufmerksam zu machen, die „nur selten viel Rampenlicht oder Aufmerksamkeit“ bekämen. Welch nobles Motiv, wenn man davon absieht, dass schon das Grundkonzept eines solchen Wettbewerbs zutiefst sexistisch ist. Aber ich schätze das ist irgendwie konsequent. Warum sollte man als Neonazi schließlich beim Rassismus aufhören, wo es doch so viele Formen der Menschenverachtung gibt.

Miss-Hitler
Die amtierende „Miss Hitler“, Antisemitismus ist obligatorisch.

Allerdings muss man „National Action“ zugute halten, es bei Weitem nicht ausreicht, einfach gut auszusehen, um zur „Miss Hitler“ gekrönt zu werden. Die Kandidatinnen mussten auch eine Reihe von Fragen zu ihrer Person und Einstellung beantworten. „Wir hoffen, dass dies einen einmaligen Einblick in unsere Bewegung gewährt, der die weit verbreiteten gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber Rechtsextremen herausfordert.“

Tatsächlich liefern die Antworten der Siegerin wenig neues, so liefert sie schon auf die erste Frage der Organisatoren, warum sie NAZI geworden sei, den obligatorischen Antisemitismus ab, der von ihr verlangt wird: „Ich wollte erst nicht glauben, dass die Juden der Feind sind, weil ich dazu erzogen wurde zu glauben, sie seien den Christen sehr ähnlich. Allerdings wurde irgendwann die jüdische Propaganda zu offensichtlich, weshalb ich begann mich bei ‚National Action‘ zu engagieren.“ Was für eine rührende Geschichte.

Auch für Bundeskanzlerin Angela Merkel hat „Miss Hitler“ übrigens ein paar freundliche Worte: Sie möchte die Kanzlerin in ein Lager (gemeint ist ein Flüchtlingslager, die Parallele zum Konzentrationslager ist aber wohl gewollt) stecken und sie ihren „Asylanten-Haustieren“ überlassen.

Weißweinkolumne: Wie das alte Europa das Junge besiegt – immer wieder!

Es gibt Tage, da überkommt mich der Reflex, das „Demokratisch.“ aus unserem Slogan heraus zu reißen und zu verbrennen! Es gibt Tage, da will ich kein Demokrat sein, meistens sind das die Tage, an denen sich wieder einmal zeigt, wie unfassbar dämlich demokratische Entscheidungsprozesse enden können. So ging es mir, als ich am Abend der Landtagswahlen in Baden-Württemberg das Ergebnis der unseligen AfD sah, als die CDU bei der Bundestagswahl 2013 die absolute Mehrheit nur so knapp verfehlte, dass sie nun die alte Sozialdemokratie nur als persönlichen Prügelknaben braucht und so ging es mir, als ich das Ergebnis des BREXIT-Votums am Freitag sah. Direkte Demokratie kann ganz schön in die Hose gehen!

Das Abstimmungsergebnis von 51,9 Prozent für „Leave“ zu 48,1 Prozent für „Remain“ mag ein Sieg der Antieuropäer über die Weltbürger, ein Sieg der Xenophobie über die Offenheit, ein Sieg der Angst über die Courage sein, aber insbesondere ist das Ergebnis ein Sieg der Vergangenheit über die Zukunft. Denn ganz andere, durchaus interessante Ergebnisse ergeben sich, wenn man sich die Altersverteilung der Abstimmungsergebnisse anschaut:

66 Prozent der unter 25-Jährigen und 52-Prozent der 25-49-Jährigen stimmten in Großbritannien für einen Verbleib in der Europäischen Union. Jene Wähler, die für den Austritt aus der EU gestimmt haben waren zum größten Teil über 50. Menschen, die nicht mehr mit der getroffenen Entscheidung leben müssen, Menschen, die dem gestrigen Europa, dem gestrigen Großbritannien angehören. Man mag das tragisch finden, aber letztlich ist auch dies eine Konsequenz aus der Überalterung de Gesellschaft. Die Alten haben die demokratische Macht, sie bestimmen in Europa, wer regiert, sie bestimmen wie regiert wird, nicht umsonst gibt es von den Unionsparteien regelmäßige politische Bonbons für die Rentner von heute, auf Kosten der jüngeren Generationen. Versetzt man sich in die Lage der Unionsparteien ist das durchaus ein logisches Verhalten, immerhin haben sie unter jungen Bürgern quasi keine Wähler, da müssen eben die Altern so lange wie möglich konserviert werden. Ob wohl auch in Deutschland, nach russischem Vorbild, alte Menschen am Wahltag massenweise mit Bussen in die Wahllokale gekarrt werden? Wundern würde es mich nicht.

Vielleicht sollte man, ähnlich wie es ein Mindestalter zum wählen gibt, auch ein Maximalalter einführen? Oder vielleicht sollte die Jugend einfach lauter werden und den Alten die Moralpistole auf die Brust setzen! Ich weiß es nicht! Es ist zum Verzweifeln!

Durchaus zu Recht fühlt sich nun die britische Jugend von der älteren Generation betrogen! In den großen Städten gibt es Demonstrationen, eine Petition, die eine erneute Abstimmung über den EU-Verbleib fordert, wurde bereits von über 2 Millionen Menschen unterschrieben. Der tatsächliche Austritt aus der EU scheint alles andere als sicher, zumal auch viele Abgeordnete des Unterhauses deutlich machten, sie werden nach ihrem Gewissen abstimmen und sie betrachteten das Referendum nur als Ratschlag der Bevölkerung. Überhaupt wird dieser Punkt in der ganzen Sache oft vergessen: Die Entscheidung, ob Großbritannien in der EU bleibt oder nicht, trifft das Parlament! Dem Referendum folgt keine rechtliche Obligation. Die Jugend hat nun die Chance, sich mit den Parlamentariern zu verbünden, eine Allianz der Zukunft zu bilden gegen das Bollwerk der Vergangenheit. Sicher jedenfalls ist beim BREXIT noch gar nichts, abgesehen davon, dass bei der Abstimmung wieder einmal das alte über das neue Europa gesiegt hat.

Möge niemals wieder die Vergangenheit über die Zukunft siegen!
In diesem Sinne: Cheers!

Ausführliche Informationen zum BREXIT-Votum und dessen Bedeutung für die EU finden Sie hier.