Unsere Rubriken sind Beiträge, die nicht unbedingt thematisch zusammenhängen sondern entweder stilistisch ähnlich sind, oder sich an eine bestimmte Zielgruppe richten.
Obninsk (Russland). Eine Katze hat offenbar in der russischen Stadt Obninsk einen neugeborenen Jungen vor dem Kältetod gerettet. Auf einem ihrer zahlreichen Streifzüge durch eine Wohngegend, entdeckte das Tier, welches von den Bewohnern liebevoll Masha genannt wird, den Säugling offenbar in einem Pappkarton. Sie legte sich daraufhin zu ihm, hielt ihn warm, und machte durch lautes Miauen auf sich aufmerksam.
Eine ältere Dame, Irina Lavrova, hörte dies und eilte aus ihrer Wohnung, in dem Glauben, Masha sei verletzt und müsste gerettet werden. Stattdessen fand die Bewohnerin den Karton mit dem Kind und der Katze darin.“Sie können sich nicht vorstellen, wie geschockt ich war,“ sagte sie RT. Schleunigst setzte sie einen Notruf ab, der Säugling wurde ins Krankenhaus gebracht.
Abgesehen von einer leichten Unterkühlung ist der kleine Junge, der nach Angabe der Ärzte um die sechs Wochen alt ist, wohlauf, auch dank der heldenhaften Tat von Masha, die sich damit offenbar allerlei Leckereien verdiente, mit denen sie die Bewohner der Siedlung seither verwöhnen.
Die Behörden haben nun die Suche nach den Eltern des Findelkindes eingeleitet. Zurückgelassen wurde der Säugling mit sauberer Kleidung, Windeln und etwas Baby-Nahrung. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, wer das Kind in Obninsk ausgesetzt hat.
Ein Fall aus dem vergangenen Jahr wurde nun publik, bei dem zwei muslimische Schwestern sich in der Schweiz einbürgern lassen wollten. Die beiden Mädchen im Alter von 12 und 14 Jahren sprachen zwar offensichtlich gut Deutsch, besuchten aber weder den Schwimmunterricht noch Klassenfahrten, weil dies mit ihrem Glauben nicht vereinbar sei.
Den Mädchen wurde die Einbürgerung mit der Begründung verweigert, einbürgerungswillige Jugendliche müssten ihre Schulpflicht erfüllen. Wer dies nicht tue, verletze die Rechtsordnung und werde daher nicht eingebürgert. Diese Entscheidung wurde in der Schweiz bereits im Jahr 2013 höchstrichterlich vorgegeben, wenngleich nicht immer nach dieser Linie entschieden wurde.
Die Frage ist nun, ob in Deutschland ebenso entschieden werden sollte, oder ob allgemein eine Rechtfertigung auf Basis des 4. Artikels der Verfassung besteht, dem Schulunterricht aus Glaubensgründen fernzubleiben. Dürfen also muslimische Mädchen dem Schwimmunterricht aus religiösen Gründen fernbleiben?
Pro: Die Ausübung der eigenen Religion darf nicht eingeschränkt werden, muslimische Mädchen dürfen sich jedoch nicht gegenüber Männern und Jungs entblößen, beim Schwimmunterricht ist aber eine entsprechende Verhüllung nicht möglich.
Contra: Sofern es einen gemischtgeschlechtlichen Sport- und Schwimmunterricht gibt, kann von Entblößung dennoch keine Rede sein, es gibt Badeanzüge, die beinahe den ganzen Körper bedecken, dazu gibt es Badekappen, es gibt sogar Badeburkas. Außerdem sind die Umkleidekabinen nach Geschlechtern getrennt. Reicht eine reine Trennung nach Geschlecht nicht aus, so hat die Schule Einzelkabinen zur Verfügung zu stellen.
Übrigens beginnt die Verhüllungspflicht für muslimische Mädchen erst in der Pubertät, das heißt, dass dieses Argument für Grundschülerinnen ohnehin nichtig ist.
Pro: Aber selbst wenn sich die Mädchen sich selbst ausreichend verhüllt, kann ihm doch der Anblick von derart leicht bekleideten Menschen nicht zugemutet werden!
Contra: Im Gegenteil muss Teil einer gelungenen Integrationspolitik auch sein, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund an die gesellschaftliche Wirklichkeit zu gewöhnen, wozu nun einmal wenig bekleidete Menschen gehören.
Außerdem wird an vielen weiterführenden Schulen ein nach Geschlechtern getrennter Schwimm- und Sportunterricht durchgeführt. In Baden-Württemberg wird in 88 Prozent der Fälle ein getrennter Schwimmunterricht angeboten, in Bayern in 93 Prozent der Fälle, in Sachsen immerhin in 74 Prozent der Fälle. Selbst in Nordrhein-Westfalen sind fast ein Drittel der Schwimmunterrichtsangebote an weiterführenden Schulen nicht koedukativ sondern nach Geschlechtern getrennt.
Der Prophet Mohammed empfahl übrigens das Schwimmen explizit als Methode, den Körper gesund zu halten und verpflichtete seine Anhänger, es ihren Kindern beizubringen.
Ein Grundsatzurteil zu diesem Thema fällte übrigens das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bereits 2013: Muslimischen Schülerinnen kann die Teilnahme am gemeinsamen Schwimmunterricht von Jungen und Mädchen zugemutet werden. Um ihren religiösen Bekleidungsvorschriften gerecht zu werden, könnten sie einen Burkini, einen Ganzkörperbadeanzug, tragen. Auch müssten muslimische Mädchen den Anblick wenig bekleideter Jungen auf sich nehmen, denn: „Das Grundrecht der Glaubensfreiheit vermittelt grundsätzlich keinen Anspruch darauf, im Rahmen der Schule nicht mit Verhaltensgewohnheiten Dritter – einschließlich solcher auf dem Gebiet der Bekleidung – konfrontiert zu werden, die außerhalb der Schule an vielen Orten bzw. zu bestimmten Jahreszeiten im Alltag verbreitet sind,“ So die Urteilsbegründung.
Spartacus ContraPro ist ein neuer experimenteller Beitragsstil, bei dem Argumente von Befürwortern und Gegnern einer These aufgewogen werden sollen, einen besonderen journalistischen Anspruch erheben wir an diese Beitragsform zunächst nicht.
Anmerkung der Redaktion:
Das Thema hat sich für den ersten Beitrag dieses Formats im Nachhinein als gänzlich ungeeignet herausgestellt, da wir einfach zu wenige Argumente von Befürwortern einer religiös begründeten Freistellung vom Schwimmunterricht gefunden haben. Wir hoffen, beim nächsten Versuch ein passenderes Thema zu finden.
Wir haben das Konzept unserer Rubrik „Spartacus Five“ komplett umgestellt: Das Konzept, täglich fünf Meldungen unkommentiert zu veröffentlichen hat sich für die Online-Welt einfach nicht bewährt. Stattdessen sollen nun einmal wöchentlich in unserer Sonntagsausgabe „Spartacus am Sonntagmorgen“, sowie in unregelmäßigen Abständen, je fünf nüchterne Zahlen mit kurzen Erläuterungen zu einem bestimmten Thema publiziert werden. Die erste Ausgabe wurde zum Thema „Lobbyismus in der EU“ bereits am vergangenen Sonntag veröffentlicht.
Unsere heutige Ausgabe befasst sich mit Sexismus in Deutschland:
I. 21 Prozent weniger verdienen Frauen in Deutschland durchschnittlich, wobei zwei Drittel durch die traditionell höhere Teilzeitquote bei Frauen und deren häufige Arbeit in schlechter Bezahlten Branchen, wie dem Sozialsektor, zu erklären sind. Ein Drittel den Unterschiedes ist jedoch statistisch nicht erklärbar und damit simpler Sexismus. Wobei sich in einer Befragung vom September 2015 „nur“ jede fünfte Frau in Bezug auf ihr Gehalt diskriminiert fühlte.
II. Bis zu 100 Prozent mehr müssen Frauen für „geschlechtsspezifische“ Produkte und Dienstleistungen bezahlen: Im Schnitt kostet ein Kurzhaarschnitt für Frauen beispielsweise 40 Prozent mehr als bei Männern, als Mann mit meist längeren Haaren finde ich das oft genug absurd. Meine Friseurin hat mit meinen Haaren oft mehr zu tun als mit den meisten Frauenhaaren und doch soll mein Haarschnitt günstiger sein? Auch in anderen Branchen gibt es „sexistische Preise“: In der Reinigung kosteten einfache Frauenblusen zwischen 60 und 80 Prozent mehr als Männerhemden des selben Materials, ein Frauenparfum ist im Schnitt 25% teurer als ein vergleichbares Männerprodukt, Rasierprodukte für Frauen sind ebenfalls um die 40% teurer. Die Verbraucherzentrale Hamburg meint dazu, hier würde schamlos ausgenutzt, dass Frauen tendenziell bereit sind mehr für Hygieneprodukte auszugeben.
III. Nur 13% der berufstätigen Frauen gaben 2015 an, noch nie im Beruf aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt worden zu sein. Ein Drittel der Befragten wurde demnach bereits wegen „zu freizügiger Kleidung“ angemahnt, 40% der Frauen beklagte sich, signifikant häufiger zum „Kaffee machen“ geschickt zu werden als männliche Kollegen und 30% der Befragten wurde schon im Beruf eine schlechte Laune aufgrund der Periode vorgeworfen.
IV. Eine Statistik zu den Gründen bei Beschwerden beim „Werberat“ zeigt den Grund „Geschlechtsdiskriminierung“ mit 51,7 Prozent und großem Abstand an erster Stelle. Warum muss auch eine Männerhandcreme beispielsweise mit einer halbnackten Frau beworben werden?
V. Im Schnitt 20 angezeigte Vergewaltigungen gibt es in Deutschland täglich, überwiegend gegen Frauen und Mädchen, bei unbekannter Dunkelziffer. Jede 2. Frau in Deutschland hat schon einmal sexuelle Belästigungen erfahren und jede 7. Frau in Deutschland hat sexuelle Nötigung erfahren.
Nur bedingt lassen diese Zahlen eine Bewertung des Sexismusproblems in Deutschland zu, dass wir allerdings europaweit das Land mit der höchsten Gender-Pay-Gap sind, dürfte Anlass zum Nachdenken geben.
Ich lese dich ja gerne, das habe ich immer getan, in meiner Schulzeit warst du immer mein Favorit gegenüber der spießbürgerlich-konservativen FAZ, schon weil ich aufgrund deiner Eigenschaft als Wochenzeitung tatsächlich in der Lage war dich vollständig zu lesen, während mich die konservative FAZ offenbar mit täglich neuen Bleiwüsten in den Wahnsinn treiben wollte (ernsthaft: Warum gibt man sich die Mühe eine Zeitung zu machen, die kein Mensch fertig lesen kann?). Aber in letzter Zeit entwickelst du ein paar Allüren, die mir gar nicht gefallen: Im Besonderen ist es die unterschwellige Homophobie, die manchmal gar nicht mehr so unterschwellig ist, die mir doch immer wieder sauer aufstößt.
Einerseits ist da dein, ansonsten von mir sehr geschätzter, Kolumnist, der brillante Ironiker Harald Martenstein, der immer wieder ganz vorsichtig und pointiert gegen die Homosexuelle Community stichelt. Er hetzt nicht, er stichelt nur, niemals so sehr, dass sich wirklich jemand angegriffen fühlt und doch gerade so sehr, dass der Stich spürbar ist. Das Gefährliche an dieser sehr diffusen Art der Homophobie ist, dass sie nicht jedem gleich auffällt, dass nicht jeder sie als solche wahr nimmt. Und doch hat sie einen Einfluss auf den Leser, der in kleinen Schritten zur Vorverurteilung von LGBT-Menschen geführt wird, was vielleicht nicht Martensteins Absicht ist, dennoch schreibt er in seine Kolumnen die eigene homophobe Tendenz nur zu gern hinein. Vielleicht auch zur Bewältigung derselben? Dein Chefredakteur nennt das dann „Antikonformismus“ und könnte damit falscher nicht liegen, denn die Homophobie in Deutschland ist mehr als massenkonform. Nicht umsonst blieb der notwendige Aufschrei gegenüber den widerwärtig homophoben Äußerungen des AfD-Abgeordneten Andreas Gehlmann im Magdeburger Landtag quasi aus. Homophobie gehört zu jenen rechtsextremen Einstellungsdimensionen die in der Bundesrepublik absolut gesellschaftstauglich sind, antikonformistisch ist an ihr nichts, auch nicht, wenn sie pointiert und witzig vorgetragen wird.
Andererseits äußertest du dich auf deiner Titelseite nach dem schrecklichen Attentat von Orlando ganz offen dahingehend, dass Homophobie auch eine gesellschaftliche Reaktion auf die „enormen Emanzipationsgewinne“ der LGBT-Community ist. Interessante These. Ist dementsprechend Sexismus auch eine Reaktion auf die Ungeheuerlichkeit der Gleichstellung der Frau? Rassismus die Reaktion auf das Ende von westlichem Imperialismus und Sklavenhandel? Schriebe jemand, die NSU-Morde seien auch als Antwort auf die Integration von Migranten zu verstehen, so wäre dies ein Skandal. Jeder einzelne verständige Journalist dieser Republik würde denjenigen als Rassisten betiteln. Du aber, liebe „ZEIT“, weil du doch ein linksliberales Blatt bist, bist befreit von jedem Verdacht der gruppenorientierten Vorverurteilung. Niemand nennt dich rassistisch, niemandem fiele es ein nach Sexismus in deinen Seiten zu suchen und niemand vermutet Homophobie in deinen Artikeln. Du hast dir einen Freibrief verdient, der unverdienter nicht sein könnte.
„Homophobie ist nicht zuletzt eine Reaktion auf die enormen Emanzipationsgewinne der Schwulen und Lesben.“ – Einlassung der „Zeit“ zum Massaker von Orlando.
Spontane Trauerversammlung nach dem Massaker von Orlando vor dem weißen Haus: „DIE ZEIT“ gibt der Emanzipation von Schwulen und Lesben eine Mitschuld an Homophobie.
Nun jedoch gipfelte deine Homophobie in einem Titel, der gar nicht mehr unterschwellig war, der sich ganz offensichtlich der latenten Feindseligkeit der Deutschen gegen Homosexuelle anbiederte: „Was spricht gegen intelligente, kreative, heterosexuelle Nachkommen?“ Den Satz, den du zum Titel einer Geschichte von Ulrich Woelk zum Thema Gentechnik auf deiner Website erkorst, äußert der Protagonist dieser Geschichte, welche im Jahr 2056 spielt, als Antwort auf die gentechnik-kritischen Äußerungen seiner Tochter, als diese befindet, dass man an substanziellen Eigenschaften wie der sexuellen Identität nicht genetisch herumdoktern solle. Insgesamt ließt sich das Werk durchaus unterhaltsam. Pointiert stellt es die mögliche Zukunft der Genmanipulation dar, worin auch das Problem liegt: Wieder einmal ist hier ein offensichtlich homophober Satz eingebunden in ein teilweise ironisches Schmunzelwerk. Wäre er nicht aus Provokationsgründen auch zum Titel der Geschichte geworden, so hätten ihn vielleicht die Meisten überlesen. Das du aber ausgerechnet diesen Satz als Titel auswählst für eine ansonsten sehr gute und wichtige Geschichte, die insgesamt mit Homosexualität ja gar nichts zu tun hat, zeigt, dass du gerne bereit bist, dich jenen anzubiedern, die in diesem Lande Gefängnisstrafen für Schwule und eine Tabuisierung der Homosexualität fordern! Das ein Rechter dich ließt war in meiner Schulzeit undenkbar, schon meine erzkonservative Deutschlehrerin blickte, als ich in der zehnten Klasse war, mit Abscheu auf dich. Heute jedoch kann ich mir durchaus vorstellen, wie auch Andreas Gehlmann dich zum Frühstück ließt, schließlich tabuisierst du längst halbironische die Homosexualität und redest damit jedem konservativen Vater nach dem Mund, der seinen schwulen Sohn verstößt!
Liebe „ZEIT“, ich bin enttäuscht von dir! Zum Erhalt der eigenen Relevanz wirfst du dein linksliberales Ideal ganz einfach über Bord. Schade.
Nanjing (Volksrepublik China). 1968 wurde in Nanjing die bis dato längste Doppelstockbrücke der Welt zur Überquerung des längsten Flusses der Volksrepublik, des Jangtsekiang, für den Bahn- und Straßenverkehr eröffnet. Die Stahlbrücke stellte mit einer Länge von 1557m das erste große, ohne die Hilfe ausländischer Ingenieure konstruierte, Brückenbauprojekt Chinas dar. Die Stahlkonstruktion galt damals als ein Wunderwerk chinesischer Ingenieurskunst. Heute gilt sie bei den Einwohnern der Millionenstadt Nanjing und darüber hinaus insbesondere als die Selbstmordbrücke, denn an keinem Ort der Erde werden so viele Suizide begangen wie hier. Von der Straßenverkehrsebene gemessen ist das einstige Prestigebauwerk 150 Meter hoch, die Überlebenschance bei einem Sprung ist gleich null.
Bau der Stahlkonstruktion, die später als Selbstmordbrücke bekannt werden soll.
Gleichzeitig handelt es sich bei der Nanjing-Jangtse-Brücke um eins der beliebtesten Touristenziele in der Metropole. Was mindestens ein bisschen makaber ist. Insgesamt sind mindestens 2000 Selbsttötungen durch Sprung von der Brücke bekannt. Dass es nicht noch mehr sind, ist nur einem einzigen Mann zu verdanken, Chen Si, der in der Presse häufig als der Engel von Nanjing bezeichnet wird. Aber Chen Si ist kein Engel, er ist ein ganz normaler Mann, der etwas zu viel trinkt, etwas zu viel raucht, sich etwas zu ungesund ernährt und der es nicht mit ansehen kann, wenn sich Menschen von seiner Brücke stürzen. Regelmäßig patrouilliert er auf der Selbstmordbrücke, hält Ausschau nach potentiellen Selbstmördern. Mindestens 300 Personen hat er so in den vergangenen elf Jahren schon gerettet – einen Menschen alle zwei Wochen.
Ende März erschien über den Fall der vielfach preisgekrönte Dokumentarfilm „Angel of Nanjing“ von den Filmemachern Jordan Horowitz und Frank Ferendo. Ein Film, der einerseits in bewegenden Bildern die beklemmende Situation auf der Brücke einfängt und andererseits zeigt, dass es nicht viel braucht um ein Held zu sein. Chen Si wird als schräger aber sehr durchschnittler Mensch gezeigt, der das Leben liebt. Der Film zeigt aber auch eine andere Seite: Die Spuren jener, die der „Engel von Nanjing“ nicht retten konnte.
Chen Si beobachtet die Selbstmordbrücke. Über 300 Menschen hat er mittlerweile gerettet.
In einem Interview mit Chris Chapel auf dessen Youtube-Kanal „China Uncensored“ erzählte nun Regisseur Jordan Horowitz, der den Chinesen ein Jahr lang begleitete, über Chen Si und sein Tun. Chen sei ein Mann mit einem großen Ego, seine Methode sei auf unkonventionelle Wiese direkt und wenngleich jeder Psychologe sie als falsch abstempeln würde, rettete sie doch Leben, so Horowitz. Es sei leicht aus einem Büro heraus die Methodik desjenigen zu kritisieren, der tatsächlich alltäglich auf der Brücke sei und Menschen vom Suizid abbringe. Im Gegenteil sei Chen wohl deshalb so effektiv, weil er nicht einer chinesischen Elite angehöre, sondern ein durchschnittlicher Mann sei, der eine natürliche Verbindung zu den häufig sehr armen Menschen habe, die er rettete.
Chen Si greift ein: Er zerrt einen potentiellen Selbstmörder von der Ballustrade der Todesbrücke.
Zu Beginn seiner Tätigkeit hätten die chinesischen Behörden Chen immer wieder gedroht, so Horowitz, denn sie befürchteten durch die Medien-Aufmerksamkeit, die er auf das Problem an der Brücke gelenkt hatte, ihr Gesicht zu verlieren. Und tatsächlich rückt diese Geschichte das chinesische Regime nicht unbedingt in ein gutes Licht. Besonders traurig sei, dass die Regionalregierung wohl bereits durch die Errichtung höherer Zäune auf der Brücke unzählige Menschen retten könnte. Dies würde aber aus Kostengründen nicht passieren. „Die chinesische Regierung macht das nicht, wenn Sie von der Brücke springen, landen Sie im Wasser und stören niemanden,“ so Horowitz. Der kurze Teil der Brücke, unter welchem eine Bahnlinie durch führt, sei dagegen durch hohe Zäune geschützt, damit der Bahnverkehr nicht aufgrund von Selbstmorden aufgehalten würde. „Es ist unglaublich traurig, denn es wäre so einfach dieses Szenario zu ändern.“ Es könnte aber auch sein, dass man einfach das Wahrzeichen der Stadt nicht dadurch „verschandeln“ will, dass man die Sicht darauf durch höhere Zäune blockiert.
Die Geschichte zeigt einmal mehr, wie wenig dem Regime der Volksrepublik seine Einwohner bedeuten. Sozialismus jedenfalls sieht anders aus! Die Dokumentation sei jedem ans Herz gelegt, allerdings sei im Vorfeld auch gesagt, dass es sich nicht um einen Wohlfühlfilm handelt, er fordert durchaus Nerven! Sie können den zu recht preisgekrönten Film hier herunterladen, die Website des Films bietet auch die Möglichkeit dem „Engel von Nanjing“ eine persönliche Spende zukommen zu lassen.
Es gibt Tage, da überkommt mich der Reflex, das „Demokratisch.“ aus unserem Slogan heraus zu reißen und zu verbrennen! Es gibt Tage, da will ich kein Demokrat sein, meistens sind das die Tage, an denen sich wieder einmal zeigt, wie unfassbar dämlich demokratische Entscheidungsprozesse enden können. So ging es mir, als ich am Abend der Landtagswahlen in Baden-Württemberg das Ergebnis der unseligen AfD sah, als die CDU bei der Bundestagswahl 2013 die absolute Mehrheit nur so knapp verfehlte, dass sie nun die alte Sozialdemokratie nur als persönlichen Prügelknaben braucht und so ging es mir, als ich das Ergebnis des BREXIT-Votums am Freitag sah. Direkte Demokratie kann ganz schön in die Hose gehen!
Das Abstimmungsergebnis von 51,9 Prozent für „Leave“ zu 48,1 Prozent für „Remain“ mag ein Sieg der Antieuropäer über die Weltbürger, ein Sieg der Xenophobie über die Offenheit, ein Sieg der Angst über die Courage sein, aber insbesondere ist das Ergebnis ein Sieg der Vergangenheit über die Zukunft. Denn ganz andere, durchaus interessante Ergebnisse ergeben sich, wenn man sich die Altersverteilung der Abstimmungsergebnisse anschaut:
66 Prozent der unter 25-Jährigen und 52-Prozent der 25-49-Jährigen stimmten in Großbritannien für einen Verbleib in der Europäischen Union. Jene Wähler, die für den Austritt aus der EU gestimmt haben waren zum größten Teil über 50. Menschen, die nicht mehr mit der getroffenen Entscheidung leben müssen, Menschen, die dem gestrigen Europa, dem gestrigen Großbritannien angehören. Man mag das tragisch finden, aber letztlich ist auch dies eine Konsequenz aus der Überalterung de Gesellschaft. Die Alten haben die demokratische Macht, sie bestimmen in Europa, wer regiert, sie bestimmen wie regiert wird, nicht umsonst gibt es von den Unionsparteien regelmäßige politische Bonbons für die Rentner von heute, auf Kosten der jüngeren Generationen. Versetzt man sich in die Lage der Unionsparteien ist das durchaus ein logisches Verhalten, immerhin haben sie unter jungen Bürgern quasi keine Wähler, da müssen eben die Altern so lange wie möglich konserviert werden. Ob wohl auch in Deutschland, nach russischem Vorbild, alte Menschen am Wahltag massenweise mit Bussen in die Wahllokale gekarrt werden? Wundern würde es mich nicht.
Vielleicht sollte man, ähnlich wie es ein Mindestalter zum wählen gibt, auch ein Maximalalter einführen? Oder vielleicht sollte die Jugend einfach lauter werden und den Alten die Moralpistole auf die Brust setzen! Ich weiß es nicht! Es ist zum Verzweifeln!
Durchaus zu Recht fühlt sich nun die britische Jugend von der älteren Generation betrogen! In den großen Städten gibt es Demonstrationen, eine Petition, die eine erneute Abstimmung über den EU-Verbleib fordert, wurde bereits von über 2 Millionen Menschen unterschrieben. Der tatsächliche Austritt aus der EU scheint alles andere als sicher, zumal auch viele Abgeordnete des Unterhauses deutlich machten, sie werden nach ihrem Gewissen abstimmen und sie betrachteten das Referendum nur als Ratschlag der Bevölkerung. Überhaupt wird dieser Punkt in der ganzen Sache oft vergessen: Die Entscheidung, ob Großbritannien in der EU bleibt oder nicht, trifft das Parlament! Dem Referendum folgt keine rechtliche Obligation. Die Jugend hat nun die Chance, sich mit den Parlamentariern zu verbünden, eine Allianz der Zukunft zu bilden gegen das Bollwerk der Vergangenheit. Sicher jedenfalls ist beim BREXIT noch gar nichts, abgesehen davon, dass bei der Abstimmung wieder einmal das alte über das neue Europa gesiegt hat.
Möge niemals wieder die Vergangenheit über die Zukunft siegen!
In diesem Sinne: Cheers!
Orlando (Florida, USA). Immer mehr Details werden öffentlich zum schlimmsten Massenmord der jüngeren amerikanischen Geschichte, bei dem ein 29-jähriger Mann mit afghanischem Hintergrund 49 Menschen in einem LGBT-Nachtclub mit einem Sturmgewehr erschoss. Nun zeigt sich, dass wahrscheinlich auch die eigene Homosexualität zum Tatmotiv beigetragen hat.
Da der Attentäter Omar Mateen Muslim war, schossen sich zunächst Medien, Ermittler und Politik auf ein islamistisches Motiv ein, und tatsächlich hatte der Todesschütze in der Nacht gegenüber der Polizei behauptet, er sei ein Kämpfer des IS. Nach neuesten Informationen kann diese Theorie allerdings wohl zu den Akten gelegt werden. Einerseits fand nämlich das FBI keine Hinweise auf eine tatsächliche Verbindung mit der Terrormiliz und andererseits tritt langsam ein anderes Motiv in den Vordergrund: Die verdrängte Homosexualität des Täters.
Tatsächlich kamen schon früh in den Ermittlungen Fragen zur sexuellen Orientierung des jungen Mannes auf: Auf seinem Smartphone wurde eine Dating App für Schwule entdeckt und Augenzeugen hatten berichtet, dass der Killer zuvor schon Dutzende Male im Nachtclub „Pulse“ zu Gast gewesen war.
Der Täter Omar Mateen hatte offenbar selbst homosexuelle Tendenzen.
Nun gab sich allerdings ein mutmaßlicher Liebhaber des Täters zu erkennen, dessen Einlassungen (sofern sie wahr sind) keine Zweifel an den homosexuellen Tendenzen des Mörders. Der Mann, der zunächst anonym bleiben will und sich nur Miguel nennt, hatte sich dem US-amerikanischen Fernsehsender Univision anvertraut. Er wolle seine Geschichte erzählen, um klar zu stellen, dass Mateen seine Tat nicht aus terroristischem Fanatismus sondern aus Rache begangen hat, heißt es. Mateen sei in seiner Gegenwart ein sensibler Mensch gewesen, der selbstverständlich an Männern, speziell an lateinamerikanischen Männern interessiert war, so Miguel.
„Er sprach häufig über die Frustration über die Sicht seines Vaters, der entsprechend Schwule des Teufels waren und zu sterben hatten“, erklärte Miguel seine Einlassung weiter. Zuvor war bereits ein Video des Vaters bekannt geworden, in dem er über Schwule gehetzt hatte. Es ist also nicht auszuschließen, dass Teil des Tatgrundes ein tiefgreifender Selbsthass war. Nicht selten entwickeln junge Homosexuelle schwere psychische Störungen, wenn sie einer ständigen homophoben Indoktrination ausgesetzt werden. Gerade in konservativen Familien und Gemeinden aller abrahamitischen Glaubensrichtungen kommt diese Indoktrination allerdings immer noch regelmäßig vor.
Letztendlich könnte man also doch wieder argumentieren, dass Islamismus die Tat ausgelöst hat, man sollte dann aber bedenken, dass gerade in Amerika auch fundamentalistische Christen zur Repression von Homosexuellen beitragen. Tatsächlich gingen nach der Tat in Orlando mehrere Pastoren an die Öffentlichkeit und sagten Dinge wie „er hätte den Job ruhig beenden können“, oder „ich hoffe diejenigen, die im Krankenhaus liegen, sterben auch noch.“
Laut Miguels Angaben könnte zwar der indoktrinierte Selbsthass den Rahmen für die Tat vorgegeben haben, das konkrete Motiv sei aber spezifischer gewesen. So habe Mateen panische Angst davor gehabt HIV positiv zu sein, da er mit einem offenbar HIV positiven Puerto Ricaner geschlafen hatte. Außerdem habe sich der 29-Jährige von zahlreichen Männern, die er im „Pulse“ getroffen habe, benutzt gefühlt. Das habe ihn sehr mitgenommen, so Miguel.
Nun versetze man sich einmal in die Situation hinein: Ein junger Mann stellt fest, dass er homosexuelle Neigungen hat, lebt aber in einem abartig homophoben Umfeld, hört ständig von seinem konservativen Vater, dass Schwule des Teufels seien und getötet werden müssen, wodurch er einen krankhaften Selbsthass entwickelt. Irgendwann beginnt er trotzdem seiner natürlichen Neigung nachzugeben, wird aber von schwulen Männern benutzt und fallen gelassen, einer steckt ihn unter Umständen auch noch mit HIV an (an dieser Stelle sei gesagt, dass diese Art von Menschen, die trotz bekannter Sexualkrankheiten ungeschützten Sex mit Gesunden praktizieren, zu den abartigsten Personen auf diesem Planeten gehören!).
In dieser Situation beginnt nun die gesamte Indoktrination seiner Jugend zu greifen, er fragt sich, ob sein Vater nicht vielleicht Recht hatte, sucht unter Umständen Rat in einer Religion, die so homophob ist, wie eine Religion nur sein kann, und Stück für Stück radikalisiert er sich. Schließlich kommt er zu dem Schluss, Schwule seien das Böse und dementsprechend umzubringen. Im Nachhinein muss man wohl sagen, dass auch Omar Mateen nur ein Opfer der jahrhundertelangen Repression von Schwulen ist, vielleicht sogar ein besonders tragisches. Es bleibt jedoch die Frage, wie es sein konnte, dass ein psychisch labiler Mensch so absurd einfach an ein Sturmgewehr kam.
Derzeit gibt es in den USA aus der LGBT-Community weitreichende Proteste gegen die Waffenlobby NRA und für striktere Schusswaffenregulationen.
Anmerkung der Redaktion:
Schon am Tag nach dem Attentat von Orlando wurde auf dieser Seite propagiert, sich nicht vorschnellen Schlussfolgerungen auf islamistischen Terror hinzugeben, sondern die Ermittlungen abzuwarten. Die ersten Ermittlungsergebnisse geben uns nun recht, jene Politiker und Medienanstalten, die in den ersten Tagen die aus Orlando resultierende Terrorangst für ihre Zwecke missbrauchten und dem Täter sofort reflexartig Verbindungen zum IS unterstellten, sollten diesen Irrtum nun öffentlich eingestehen und sich entschuldigen. Diese Art und Weise der Berichterstattung war in weiten Teilen der Opfer unwürdig!
Standen Sie schon mal in einem Raum und stellten dann fest „Oh, hier wollte ich gar nicht hin.“? Ähnlich erging es dem demokratisch sozialistischen Senator und demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders am Dienstagmittag. Dieser stand plötzlich mit seinem gesamten Secret-Service-Team im Raum des wöchentlichen gemeinsamen Mittagstisches der Republikaner, als er dem demokratischen Treffen beiwohnen wollte.
Er hatte sich wohl schlicht im Raum vertan. Was kaum verwunderlich ist, war doch der 74-Jährige in den vergangenen Wochen kaum in Washington, während er sich einen scharfen Wahlkampf mit der neoliberalen Hillary Clinton lieferte.
Allerdings realisierte der Senator seinen Fehler sehr schnell, machte auf dem Absatz kehrt und schritt zum Dienstagslunch der Demokraten im Kapitol.
Wann immer Islamisten gegen Schwule und Lesben hetzen, ja sogar unmittelbar nach dem barbarischen Massaker von Orlando wurde auf dieser Seite davor gewarnt, fanatische Homophobie als Problem des „rückständigen“ Islam zu bezeichnen. Das Christentum in seinen widerwärtigsten Ausprägungen in dieser Hinsicht ebenso im Mittelalter stehen geblieben wie der fundamentalistische Islam. In den USA predigen evangelikale Kirchen regelmäßig und vor wachsendem Publikum gegen homosexuelle Dämonen, fordern gar die Massenweise Deportation von Schwulen in Konzentrationslager (Ja, es klingt unglaublich, aber es ist passiert), fordern Eltern auf ihren lesbischen Töchtern die Flausen auszuprügeln, oder werfen Schwulen vor für das Aussterben der weißen respektive schwarzen Rasse verantwortlich zu sein.
Aber nicht nur kleine fundamentalistische Kirchenabspaltungen praktizieren mit einem nicht zu unterschätzenden Enthusiasmus homophobe Heilszeremonien: In Uganda, einem zu 85% christliches Land (etwa die Hälfte davon Katholiken) können Schwule sogar ganz offiziell zum Tode verurteilt werden. Hass und Grausamkeit im Namen einer Religion, die doch Liebe predigt, oder? Die Fundamentalisten können sich in ihrer Homophobie jedoch auf mehrere Bibelstellen beziehen: So heißt es in Levitikus 18:22 „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel“ Zwar streiten sich Bibelforscher über die tatsächliche Bedeutung des Verses, in homophoben Christengemeinden ist er jedoch trotzdem der meistzitierte. Die Todesstrafe für Schwule wird dann abgeleitet von Levitikus 20:13, wo der oben beschriebene Vers um den Zusatz „sie seien beide des Todes“ erweitert wird. Der Gott Israels ruft hier klar zu Mord und Barbarei auf! Oder? Wer versucht alte religiöse Texte zu lesen und zu deuten muss sich auch immer bewusst machen, dass diese Texte mehrfach hin und her übersetzt wurden, gerade im Falle des alten Testaments sind Ursprung und ursprüngliche Bedeutung der Texte kaum noch zu rekonstruieren.
Der fundamentalistische Christ mag nun sagen, dass ja aber auch Paulus in den Briefen an die Korinther gegen Homosexualität hetzt. Tut er das? Zugegeben hetzt er gegen so ziemlich alles, was ihm gerade an Verfehlungen einfiel, wobei böse Zungen behaupten mögen, er hätte diese Sünden seiner eigenen Biographie entlehnt. Schließlich war Paulus jemand, der sich wohl heute einen „wiedergeborenen“ Christen nennen würde. Ein Sünder also, der zum Glauben fand und ihn fanatischer auslebte als alle anderen Gläubigen. An dieser Stelle sei übrigens erwähnt, dass Paulus seinen Lehrer, Jesus von Nazareth, nie getroffen hat. In seiner schier endlosen Hatz gegen allerlei größere und kleinere Verfehlungen, die der Extremist alle auf die gleiche Stufe stellt, kommt er jedenfalls irgendwann auch auf die „Lustknaben“. Diese könnten nach seiner Auffassung nicht das Reich Gottes erben. Hier predigt er doch aber eindeutig gegen Homosexualität. Tatsächlich? Er könnte auch im speziellen gegen homosexuelle Prostitution sprechen klar ist das keineswegs.
Dem Fundamentalisten ist da freilich gleich, scheint es doch fast als nutze er insbesondere jene Stellen der ihm heiligen Schrift, die andere verurteilen und verdammen. Von Liebe keine Spur. Leider gibt es Fundamentalisten aber in jedem Glauben und in jeder Ecke der Welt.
Und so ist es wenig überraschend, dass auf Sardinien ein katholischer Pfarrer bildhaft von Hölle und Teufel und vor allem gegen Homosexualität predigt. Don Massimiliano Pusceddu vertritt seine Thesen auch im Internet und hat eine eigene Radiosendung. Ein besonderer Dorn im Auge ist dem Priester das zurückhaltende Gesetz, mit dem nun Italiens Parlament gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften institutionalisierte. „Wir müssen die traditionelle Familie verteidigen und das verfehlte Gesetz der Zivilunionen ablehnen. Wie uns Gott ermahnt, verdienen Homosexuelle den Tod.“ Zum Glück machen auch im mehrheitlich katholischen Italien Priester heute keine Gesetze mehr.
Der homophobe Priester Don Massimiliano Posceddu soll früher auch Gläubige verprügelt haben, nun gibt es eine Petition gegen den „Hassprediger“.
In seiner Predigt greift der Pfarrer von St. Lucifero allerdings ein interessantes Argument der christlichen Rechten auf: „Homosexuelle Ehen gefährden die traditionelle Ehe.“ Auch in Deutschland wird dieses Argument regelmäßig gegen die Homo-Ehe ins Feld geführt, nicht von fundamentalistischen Irren sondern von Bundestagsabgeordneten der Unionsparteien. Volker Kauder, Bundesfraktionsvorsitzender der Unionsfraktion leiert es regelmäßig herunter, wenn man ihn nach der Homo-Ehe fragt. Inwieweit es allerdings irgendjemandes Familie gefährdet, wenn alle Menschen das gleiche Recht auf Eheschließung bekommen, ist kaum nachvollziehbar (und glauben Sie uns, wir haben es versucht). Allerdings zeigt das gewohnheitsmäßige herunter rattern dieser Argumentation zwei Dinge: Erstens gibt es keine wirklichen rechtlichen Gründe, die gegen die Homo-Ehe sprechen, weshalb sich die Union auf ihren Glauben berufen muss, und zweitens zeigt sich, dass die Homophoben der Union ideologisch näher am fundamentalistischen Pfarrer Don Massimiliano Pusceddu als am eigenen Koalitionspartner, die SPD wäre schließlich durchaus offen für die Homo-Ehe.
Es scheint fast, als unterscheide sich die Homophobie in den abrahamitischen Religionen nur in ihrer Radikalität: Die einen verweigern der LGBT-Community nur so viele Rechte, wie möglich, die anderen fordern gleich deren Deportation und Ermordung. In Italien gibt es nun eine Petition, Papst Franziskus möge den Hassprediger Don Massimiliano Pusceddu aus dem Priesteramt entfernen und erstmals in der Geschichte der katholischen Kirche stehen die Chancen recht gut, dass der Papst dieses Gesuch seiner Gläubigen auch erhört. Volker Kauder und die Union wird man so leicht leider nicht los.
Moskau (Russland). Putins Gesetz gegen „Homosexuelle Propaganda“ erscheint wesentlichen Beobachtern oft wie ein absurder Witz, dass es das jedenfalls nicht ist, erfuhr nun ein schwules Paar in Moskau. Die beiden jungen Männer wurden auf dem Vorplatz der US-Amerikanischen Botschaft festgenommen, als sie offenbar an einer Solidaritätsbekundung für die Opfer des Massakers von Orlando teilnehmen wollten.
Der Fall zeigt allerdings auch, dass die Behörden durchaus gewillt sind kreativ zu werden, um das wenig fortschrittlich anmutende Gesetz nicht unbedingt anwenden zu müssen. Unter dem Vorwand einer „ungenehmigten Demonstration“ wurden am Mittwoch Felix Glyukman und sein Freund Islam Abdullabeckov festgenommen. Mittlerweile sind die beiden wieder auf freiem Fuß, ein Verfahren wurde eingeleitet. „Die Polizei hat uns sofort verhaftet wegen einer unautorisierten Aktion“, teilte Abdullabeckov einem russischen Fernsehsender, dabei habe man nur sein Mitgefühl für die Opfer des Attentats ausdrücken wollen. Eine politische Kundgebung oder irgendeine politische Tat sei nicht geplant gewesen.
US-Amerikanische Botschaft in Moskau – auch in Russland herrscht große Solidarität mit den Opfern von Orlando, diese zu zeigen kann jedoch zur Verhaftung führen.
Auf Buzzfeed fügte sein Freund hinzu, man sei derzeit nur geschockt und hoffe, dass „dieser absurde Fall nicht vor Gericht kommt.“ Die Sache sei allerdings die, so Sergy Pancahenko, der Anwalt der beiden jungen Männer, dass die Polizisten versucht hätten, jeden davon abzuhalten irgendeine Art von LGBT-Symbolen zu zeigen, deshalb seien die beiden sofort verhaftet worden, als sie versuchten ein Banner mit der Aufschrift „love wins“ niederzulegen.
Dieser Fall stellt sich also als weitere Episode in der neueren Geschichte russischer Repression gegen LGBT-Personen dar, viel zu wenig wird diese neue Unterdrückung im linken Lager diskutiert, zu oft entschuldigt man aus unbeirrbarer Nostalgie die russische Politik. In grundlegenden Menschenrechtsfragen jedoch ist gerade das linke Lager gefragt, Putins Repressionsregime als solches zu entlarven.