Spartacus am Sonntagmorgen vom 19.06.2016 – Die Frühstückszeitung.

Zitat der Woche: Rosa Luxemburg

„Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden“
– Mitbegründerin des Spartakusbundes und der ehemaligen KPD (heute „die Linke“) Rosa Luxemburg.

Leitartikel: Heuchlerische Solidarität.

Eine in Deutschland völlig unbekannte linksliberale Abgeordnete, Jo Cox, aus England wird umgebracht und plötzlich quellen die sozialen Netzwerke über von Solidaritätsbekundungen linker, liberaler und konservativer Politiker und sogenannter Prominenter mit den Angehörigen dieser Politikerin. Sie wird gar zum Champion des europäischen Gedankens stilisiert. Ähnliches geschieht regelmäßig, wenn westliche Soldaten in den nahöstlichen Konflikten sterben. Eine Welle heuchlerischer Solidarität schwappt durch die Medien und ein paar Wochen, teilweise Tage, später ist die Katastrophe vergessen.

Gleichzeitig sterben bei Terroranschlägen in Afrika hunderte Menschen, diese Nachrichten sind den westlichen Politikern erstaunlicherweise keine großen Trauerbekundungen wert. In den Medien finden sich diese höchstens als Kleinmeldungen.

Wir solidarisieren uns gerne mit jenen Opfern, denen wir uns nahe fühlen, alle anderen sind uns eher gleichgültig. Wir sind furchtbare Heuchler.


Wahlumfrage der Woche: AfD erholt sich leicht.

Seit Wochen stagnieren die Umfragewerte der ehemaligen Volksparteien und auch die mittleren Parteien tun sich schwer: Grüne und Linke bleiben bei den Werten der Vorwoche und würden Am Sonntag demnach 13% und 10% erhalten, die SPD weiterhin 21% der Stimmen. Die FDP würde mit 6% der Stimmen wieder in den Bundestag zurück gewählt. Einzig die AfD konnte gegenüber des, auch auf den fremdenfeindlichen Äußerungen der Parteispitze gegenüber deutschen Nationalspielern basierenden, Wertes der Vorwoche einen Prozentpunkt gut machen und liegt nun wieder bei 11%. Für Rot-rot-grün würde es dementsprechend weiterhin nicht reichen.


Kommentar: Prozentzahlen sollte man nicht raten, auch nicht als Minister.

Thomas De Mazière, einst einer der populärsten deutschen Politiker, beliebter gar als die Bundeskanzlerin, dürfte sich diese Woche für den Titel des unsensibelsten Bundesministers in der Geschichte der Bundesrepublik qualifiziert haben: Zuerst forderte er die deutschlandweite Einführung einer Polizei-Miliz, die ohne großartige Ausbildung bewaffnet Streife gehen soll und dann warf er deutschen Flüchtlingsärzten vor, abgelehnte Asylbewerber in einem derartigen Maße krank zu schreiben, dass dies die Abschiebepraxis enorm behindere. Die Zahl, die er dabei nannte mutete sofort suspekt an, 70% der unter 40-jährigen Asylbewerber seien demnach krank geschrieben, wenn ihnen die Abschiebung drohe. Eine Ungeheuerlichkeit. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass diese Zahl frei erfunden, nach den Angaben des Ministers „ein Erfahrungswert“, war.

Innenminister De Maizière: "Erfahrungswerte" können dem sozialen Frieden schaden und stärken Rechtsextreme.
Innenminister De Maizière: „Erfahrungswerte“ können dem sozialen Frieden schaden und stärken Rechtsextreme.

Am Samstag entschuldigte sich der Innenminister eher halbherzig für die Nennung dieser Prozentzahl, nicht jedoch für den Kern der Aussage: In der Abschiebepolitik gäbe es zu viele Hindernisse, dazu gehörten auch „vorgeschobene gesundheitliche Gründe“. Er relativiert also seine Einlassung, maßt sich aber weiterhin an, die Kompetenz studierter Mediziner generell in Frage zu stellen. Mutig.

Konkret sagte De Maizière: „Dass ich durch meine Antwort in einem Interview den Eindruck erweckt habe, dass die Zahl von 70 Prozent eine allgemeingültige, statistisch belegbare Größe ist und eben nicht nur ein Erfahrungswert, war nicht meine Absicht.“

Wer sich in die Öffentlichkeit stellt und von Prozentzahlen spricht, von konkreten Werten, die eine reale Krise betreffen, sollte sich jedoch bewusst machen, dass diese konkreten Werte gerade im Falle eines Regierungsmitglieds auch von der Öffentlichkeit wahrgenommen und eingeordnet werden. Der größte Teil der Bevölkerung wird ein Mindestmaß an Vertrauen in die Worte eines Ministers legen und seinen Einlassungen dementsprechend Glauben schenken. Hinzu kommt momentan, dass selbst jene im rechten Lager, die der Politik grundsätzlich keinen Glauben schenken, gewillt sind eine Aussage für wahr zu halten, wenn sie ihre politische Linie zu stützen scheint. In Anbetracht dessen haben derartige „Erfahrungswerte“ das Potential, das Erstarkens der „neuen Rechten“ weiter zu fördern. Die Aussage De Maizières ist daher nicht nur eine unverschämte Anmaßung gegenüber Ärzten und Flüchtlingshelfern, sie ist auch eine unverantwortliche politische Einlassung, welche eine den sozialen Frieden in Deutschland gefährdende Sprengkraft hätte entwickeln können.

Dieser Innenminister ist mittlerweile in seinem Bestreben relevant und medial präsent zu sein völlig untragbar geworden.


Meldungen.

Mord an Jo Cox: „Tod den Verrätern“. Zwei Tage nach der Ermordung der britischen Abgeordneten Jo Cox ist der mutmaßliche Täter einem Gericht in London vorgeführt worden. Dabei sagte der 52-jährige Thomas Mair am Samstag auf die Frage nach seinem Namen: „Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien“. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn des Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und des unerlaubten Waffenbesitzes. Die 41-jährige Labour-Abgeordnete Cox starb am Donnerstag im nordenglischen Birstall durch Schüsse und Messerstiche. In der teils erbittert geführten Debatte in Großbritannien war sie für einen Verbleib in der Europäischen Union (EU) eingetreten. Die Briten stimmen am 23. Juni ab. Vor Gericht äußerte sich Mair nicht zu den Vorwürfen. Auf die wiederholte Frage des Gerichtsschreibers des Amtsgerichts Westminster in London nach seinem Namen entgegnete er ruhig: „Mein Name ist Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien.“ Ansonsten schwieg er in der 15 Minuten langen Anhörung, nach der er in Haft blieb. Am Montag soll er im Londoner Old Bailey dem Strafgerichtshof vorgeführt werden, wo die bedeutenden Kriminalfälle verhandelt werden.
Nach Polizeiangaben wird derzeit von einem Einzeltäter ausgegangen, Verbindungen des mutmaßlichen Attentäters ins rechtsextreme Milieu sind allerdings mittlerweile nachgewiesen worden. Einzeltäter ja, aber politisch motiviert durch die radikalen Hetze der britischen Rechten.

SPD: Sigmar Gabriel fordert progressives Bündnis gegen rechte Politik. „Deutschland braucht jetzt ein Bündnis aller progressiven Kräfte“, schrieb Gabriel am Samstag bei Facebook. Die Rechte habe immer schon versucht, die Wut über soziale Ungerechtigkeit in Hass auf Minderheiten umzumünzen: „Um dieser historischen Lüge entgegenzutreten, braucht es überall weit mehr Kampfbereitschaft der demokratischen Linken.“ In einem Gastbeitrag für den „Spiegel“ schrieb Gabriel zudem, die Mitte-links-Parteien müssten sich besinnen und „ihren notorischen Missmut, ihre Eitelkeiten und Spaltungen“ überwinden. Das gelte für die USA wie für Europa und auch Deutschland. „In Europa müssen progressive Parteien und Bewegungen füreinander bündnisbereit und miteinander regierungsfähig sein“, schrieb Gabriel im „Spiegel“. Das verlange einiges von der Sozialdemokratie und ihren denkbaren Partnern. Inwieweit diese erneute politische Öffnung des Vizekanzlers ernst genommen werden kann darf umstritten sein. Der Bundesfraktionsvorsitzende der Grünen, Anton Hofreiter hatte am Freitag Gabriel vorgeworfen zwar von der Möglichkeit für rot-rot-grün zu sprechen, jedoch diese nicht ernsthaft zu verfolgen. Die SPD müsse ernsthaft auch beginnen mit den Linken zu sprechen, statt sich weiter in der großen Koalition einzurichten.

Terrorismus: Verdächtige in Belgien festgenommen. Die belgische Polizei hat nach Angaben der Bundesanwaltschaft zwölf Personen festgenommen, die neue Anschläge geplant haben sollen. Demnach gab es in der Nacht zum Samstag landesweite Razzien, bei denen etwa 40 Wohnungen durchsucht und 40 Personen befragt wurden. Ein Ermittlungsrichter sollte im Laufe des Tages entscheiden, ob die zwölf Festgenommenen in Haft bleiben. Waffen oder Sprengsätze seien nicht gefunden worden. Dem TV-Sender VTM zufolge stehen sie im Verdacht, für dieses Wochenende einen Anschlag in Brüssel geplant zu haben, und zwar während eines Fußballspiels der belgischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Frankreich. Das Team sollte am Samstagnachmittag (15.00 Uhr, MESZ) in Bordeaux gegen die Auswahl Irlands antreten. Die belgische Polizei hatte vergangene Woche Sicherheitskreisen zufolge eine Warnung erhalten, dass sich Kämpfer der Extremistenmiliz IS auf den Weg nach Europa gemacht und Anschläge in Belgien und Frankreich geplant hätten.


Literaturempfehlung der Woche:
Ferdinand von Schirach – Die Würde ist antastbar.

Wie belastbar sind eigentlich unsere Grundwerte? Welche Gesetze sollten uns in Extremsituationen leiten? Darf man einen Terroristen ohne gerechtes Verfahren töten? Die Essaysammlung des Strafverteidigers und Schriftstellers Ferdinand von Schirach ist in Teilen eine Liebeserklärung an das Grundgesetz, in Teilen eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Nachkriegsjustiz aber insbesondere ist sie ein Denkanstoß dahingehend, welche Werte uns im demokratischen Zeitalter leiten sollten.

Hier können Sie „Die Würde ist antastbar“ kaufen.


Kampagne: Spartacus – UND DU?

Mit der Kampagne „Spartacus – UND DU?“ wollen wir unserem Ziel, ein pluralistisches progressives Webmedium zu werden, in dem viele Ansichten und politisch-progressive Strömungen gehört werden, einen Schritt näher kommen. Zu diesem Zweck werben wir um das Engagement von BloggerInnen und Interessierten als KorrespondentInnen und GastautorInnen.

Karl Liebknecht unterstützt Spartacus - und du?
Karl Liebknecht unterstützt Spartacus – und du?

Hier geht es zur Kampagne.


Artikel der Woche: Über die Verteidiger der Grundwerte in Monheim

Haben sie von der Partei PETO gehört? Nein? PETO ist eine lokale fortschrittliche Jugendpartei, die bei den Kommunalwahlen in der Stadt Monheim am Rhein einigen Erfolg hat: Sie stellt dort das zweite mal in Folge den Bürgermeister und hat es binnen nur 17 Jahren der Existenz geschafft, die absolute Mehrheit der Bürgerherzen und -stimmen zu gewinnen. Mit einer fortschrittlichen, konsequent demokratischen und partizipativen Politik. Nun plant die Stadtverwaltung, zwei muslimischen Gemeinden Land für die Errichtung vom Moscheen zur Verfügung zustellen, und man sollte es nicht für möglich halten, aber die Bürger sind begeistert. Wo ist hier der rechte Mob, wo ist das dunkle Deutschland, von dem dieser Tage so oft die Rede ist? In Monheim scheint die Welt noch in Ordnung.

Die Minarette von Monheim.


Fernsehtipp der Woche: Blutiger Sonntag.

Am 30. Januar 1972 erschossen britische Soldaten 14 unbewaffnete Zivilisten bei einer Bürgerrechtsdemonstration in Derry, Nordirland. Der Tag ist als „Bloody Sunday“ in die Geschichte eingegangen. Erst 38 Jahre danach, im Jahre 2010, entschuldigte sich erstmamls ein britscher Premier – David Cameron – bei den Opfern und ihren Familien. Der Dokumentarfilm von 2006 greift unter anderem auf Originalaufnahmen vom „blutigen Sonntag“ zurück und zeigt anhand des folgenden Gerichtsprozesses die Ungerechtigkeit der Tat auf.

Blutiger Sonntag“ kann bis zum 18. Juli in der arte-Mediathek angeschaut werden.


Gedicht der Woche:
Wilhelm Busch – Kritik des Herzens Kapitel 27

Ihr kennt ihn doch schon manches Jahr,
Wißt, was es für ein Vogel war;
Wie er in allen Gartenräumen
Herumgeflattert auf den Bäumen;

Wie er die hübschen roten Beeren,
Die andern Leuten zugehören,
Mit seinem Schnabel angepickt
Und sich ganz lasterhaft erquickt.

Nun hat sich dieser böse Näscher,
Gardinenschleicher, Mädchenhäscher,
Der manchen Biedermann gequält,
Am Ende selber noch vermählt.

Nun legt er seine Stirn in Falten,
Fängt eine Predigt an zu halten
Und möchte uns von Tugend schwatzen.

Ei, so ein alter Schlingel! Kaum
Hat er ’nen eignen Kirschenbaum,
So schimpft er auf die Spatzen.


Spartacus am Sonntagmorgen – Ihre Frühstückszeitung enthält redaktionell gesammelte Meldungen und Kommentare zu aktuellen Themen. Die Beiträge wurden generell nicht in erster Linie nach Wichtigkeit sortiert oder ausgewählt, wir bemühen uns stattdessen ihnen eine abwechslungsreiche und informative Lektüre zu Ihrem morgendlichen Marmeladenbrot, Croissant oder Müsli zu servieren. Guten Appetit.

Ermittlungen gegen die Frau des Orlando-Killers

Orlando (Florida, USA). Offenbar könnte Noor Salman, die Frau des Todesschützen von Orlando, als Mitwisserin des Attentäters belangt werden. Seine Frau habe von den Plänen Omar Mateens gewusst, heißt es aus Ermittlerkreisen. Sie sei sogar dabei gewesen, als er mögliche Ziele für das Attentat ausgekundschaftet hat. Als mögliche Tatorte seien Disney World, ein Shopping-Center und der Nachtclub „Pulse“ ausgewählt worden.

Orlando und die Heuchelei der Politik.

Es war ein Angriff auf Amerika, ein Angriff auf den Westen, aber auch ein Angriff auf die ganze globale LGBT-Bewegung, motiviert von Unverständnis, Hass oder falsch verstandenem religiösen Eifer. Es macht keinen Unterschied, was der Grund für den schrecklichen Terroranschlag in Orlando war. Unsere Solidarität und unser Mitgefühl ist bei den Familien, Freunden und Geliebten der Opfer, die viel zu früh aus dem Leben gerissen wurden.

Jemanden zu ermorden, weil er sein Leben genießt, weil er Spaß hat und frei sein will, zeugt von unsagbarer Barbarei! Aber selbstverständlich sind schon wenige Stunden nach dem barbarischen Anschlag auch jene vor den Kameras, die das Desaster politisch ausschlachten wollen und wie immer ist es die Rechte, die keinerlei Empathie zeigt für das Leid der Opfer und statt dessen mehr Bewaffnung, mehr Kontrolle, weniger persönliche Freiheit fordert. Es ist doch immer das Selbe. Da wird Präsident Obama verantwortlich gemacht für den Anschlag, weil seine Führung zu schwach sei und die NRA schreit, dass eine generelle Bewaffnung von Barkeepern die Tragödie hätte verhindern können. Dabei vergisst die Rechte, dass sie oft genug Homosexuelle ebenso unterdrückt. Sie mag nicht den Abzug betätigen und doch tötet sie täglich Schwule, Lesben und Transgender. Wann immer die Rechte Homosexuellen ihre Menschen- und Bürgerrechte aberkennen will ist sie ebenso beteiligt, wie der Schütze von Orlando am Tod derer, die sich das Leben nehmen, oder aus Verzweiflung zu Drogen greifen. Jeder rechte Politiker, der sich heute solidarisch mit den Opfern von Orlando erklärte ist nichts anderes als ein Heuchler und ein elender Opportunist! Diese Art der Politisierung widert mich an, ich könnte kotzen!

An einer anderen Front sei noch gesagt, dass bei allem Schock, aller Trauer, allem Zorn, den wir verspüren, wir uns nicht zu voreiligen Schlüssen hinreißen lassen dürfen! Die Ermittlungsbehörden werden ihre Arbeit machen und für mich gibt es keinen Zweifel daran, dass sie diese gründlich und gewissenhaft durchführen werden. Am Ende dieser Ermittlungen wird ein Ergebnis stehen, ein mögliches Motiv für die Tat und ob es vielleicht Mittäter gegeben hat. Vorschnellen Behauptungen, der IS habe etwas mit dem Anschlag zu tun, sollten wir uns nicht hingeben, schließlich bekannte sich die Miliz schon in der Vergangenheit zu den Werken von Einzeltätern, um sich zu profilieren. Warten wir also die Ermittlungsergebnisse ab!

Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Angehörigen, die erneut einen hohen Preis zahlen mussten für den Kampf der LGBT-Community gegen die andauernde Unterdrückung. Die Opfer von Orlando wurden Opfer dieses Kampfes, ohne sich je zum kämpfen entschieden zu haben, sie sind der tragische Kollateralschaden dieses Kampfes.

Düsseldorf: Terroranschlag nach Pariser Vorbild verhindert

Düsseldorf. Erstmals wurde von deutschen Sicherheitsbehörden eine mutmaßliche „Schläferzelle“ des IS aufgerieben. Drei Syrer ließ die Bundesanwaltschaft am Donnerstag festnehmen, diese sollen mit einem weiteren mutmaßlichen IS-Kämpfer, welcher derzeit in Untersuchungshaft in Frankreich sitzt, einen Terroranschlag in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben. Die drei Verdächtigen wurden in einer synchronisierten Aktion im brandenburgischen Bliesdorf, in Mülheim/Ruhr (Nordrhein-Westfalen) und in Leimen (Baden-Württemberg) von der Polizei festgesetzt. Ein voller Erfolg für die Ermittlungsbehörden und ein positives Beispiel für internationale Zusammenarbeit in der Verbrechensbekämpfung.

Schließlich war dieser Schlag gegen den Islamischen Staat (IS) nur möglich geworden, weil sich der vierte im Bunde, Saleh A. im Februar einen Rückzieher gemacht hatte. Freiwillig hatte er sich bei der Polizei in Paris gemeldet, wo er wiederholt von Terrorexperten verhört wurde. Seitdem sitzt Saleh A. in Paris in Untersuchungshaft. Unklar ist derzeit, warum sich der Syrer in Paris und nicht in Deutschland an die Behörden wandte, unter Umständen hoffte er in Frankreich aufgrund der vergangenen Terroranschläge ernster genommen zu werden. Die Auslieferung nach Deutschland ist allerdings beantragt.

Laut Bundesanwaltschaft liegen derzeit keine Hinweise vor, dass die mutmaßlichen IS-Kämpfer sich bereits konkret auf die geplante Tat vorbereitet hätten. So hatte sich die Gruppe offenbar bisher auch weder Waffen noch Sprengstoff besorgt. Die Kämpfer waren offenbar von der Terror-Miliz über Griechenland und die Balkanroute eingeschleust worden. Schon früher war berichtet worden, dass sich IS-Kämpfer als Asylsuchende ausgaben, um in Europa Terrorzellen zu gründen oder Rekruten anzuwerben.

File photo of a mounted policeman leading a group of migrants near Dobova
Was Linke nicht wahrhaben wollen: Unter den Asylsuchenden finden sich auch Rekrutierer und Kämpfer des IS!

So sollte der Terror-Anschlag ablaufen:

Geplant war ein Terror-Anschlag im „Mumbai-Style“. Dabei werden an mehreren Orten gleichzeitig „weiche Ziele“ (Menschen) angegriffen. Laut Bundesanwaltschaft  sollten zwei Selbstmordattentäter in Düsseldorf auf der Heinrich-Heine-Allee jeweils eine Sprengweste zünden. Anschließend sollten die übrigen Kämpfer möglichst viele Passanten mit Gewehren und weiteren Sprengsätzen töten. Ein Vorgehen, dass den Anschlägen in Paris erschreckend ähnlich ist und offenbar von höheren IS-Kadern befohlen wurde.

Düsseldorf, Heinrich-Heine-Allee, hier sollten die Anschläge stattfinden.
Düsseldorf, Heinrich-Heine-Allee, hier sollten die synchronisierten Anschläge stattfinden.

Die Moral von Düsseldorf:

Die Ereignisse zeigen deutlich zwei Sachverhalte auf: Erstens zeigt sich erneut, dass die Terrorgefahr auch in Deutschland real ist, insbesondere aufgrund der militärischen Einmischung in Syrien und zweitens zeigt sich, dass internationale Zusammenarbeit bei der Ermittlungsarbeit funktionieren kann und essentiell notwendig ist. Von rechten Kräften wird selbstverständlich auch dieses Ereignis als Vorwand für Fremdenfeindlichkeit und Asylkritik verwendet, bis zu einem gewissen Grade vielleicht sogar mit Recht, immerhin gibt die Polizei in Nordrhein-Westfalen offen zu, dass eine Lückenlose Überwachung der 500 als „potentielle Gefährder“ Registrierten kaum möglich sei. Bei der derzeitigen Lage ist also klar, dass es vor allem in Ballungsgebieten einen erhöhten Bedarf an Sicherheitskräften gibt. Auch Linke müssen das anerkennen.

razia Berlin Polizisten
Kooperation der Ermittlungsbehörden zahlt sich aus: Bereits im Februar konnte ein IS-Angriff auf den Alexanderplatz in Berlin verhindert werden.

Insgesamt ziehe ich allerdings eine positive Bilanz, den Ermittlungsbehörden ist ein wichtiger Sieg gegen den IS gelungen und wer weiß, was die Festgenommenen noch interessantes auszusagen haben, immerhin einen der mutmaßlichen IS-Kämpfer, Saleh A., scheint am Ende ja doch das schlechte Gewissen geplagt zu haben. Ein Hoffnungsschimmer!

Lesen sie hier mehr zur kooperativen Ermittlungsarbeit in der Terrorprävention.

Der neue Krieg in Deutschland

Berlin. Der islamische Staat (IS) schmuggelt offenbar in großem Maße als Flüchtlinge getarnte Terroristen nach Deutschland. Zwei Tage nachdem ein potentieller IS-Angriff auf den Alexanderplatz in Berlin vereitelt werden konnte, meldet sich Hans-Georg Maassen, Leiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz zu Wort: Es sei ein Fakt, mit dem die Sicherheitsbehörden arbeiten müssten, dass der IS willkürlich islamistische Kämpfer in den Flüchtlingsströmen verstecke, so Maassen und fügt hinzu, dass derzeit ermittelt werde, ob noch weitere IS-Kämpfer in Deutschland tätig sind. Laut Berliner Zeitung liegen den Ermittlungsbehörden über hundert Hinweise auf weitere IS-Kämpfer in Deutschland vor. Der Verfassungsschützer warnt jedoch vor unangebrachter Panik, die Lage sei zwar ernst, aber die Ermittlungsbehörden seien in hoher Alarmbereitschaft.

Die Ereignisse von Berlin unterstützen tatsächlich Maasens Appell: Nach wochenlanger kooperativer Ermittlungsarbeit verschiedener Behörden wurden drei mutmaßliche IS-Terroristen festgenommen, nach zwei weiteren wird intensiv gefahndet. Das Verdachtsmoment, dass ein Anschlag kurz bevorstehe, habe sich zunehmend erhärtet, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Was Linke nicht wahrhaben wollen

Insgesamt lässt sich die Arbeit der Behörden in diesem Fall positiv bewerten: Es wurde intensiv ermittelt, Verdächtige wurden festgesetzt und der geplante Anschlag am Alexanderplatz konnte verhindert werden. Es wird jedoch zunehmend schwerer nicht zuletzt, weil die Flüchtlingsströme immer größer werden und sich kaum kontrollieren lassen, so registrierte das Bundesamts für Migration und Flüchtlinge allein im Januar etwa 92.000 neue Asylbewerber, dreimal so viele wie im Vorjahr. Gleichzeitig stuften die Sicherheitsbehörden zu Jahresbeginn 446 Personen aus dem islamistischen Milieu als „Gefährder“ ein. Der Eingriff der Bundeswehr in Syrien verschärft die Lage weiter, da die Bundesrepublik nun als Kriegspartei begriffen werden kann, womit Terroranschläge aus Sicht der IS-Truppen leicht zu rechtfertigen sind. Schließlich rechtfertigte der IS seine Anschläge vom 13. November 2015 ebenfalls mit der militärischen Präsenz der Franzosen in Syrien.

Auch wenn es Linke und Liberale also nicht wahrhaben wollen: die Gefährdungslage ist akut, Grenzkontrollen sind notwendig, was nicht heißen soll, dass das Asylrecht in irgendeiner Weise eingeschränkt werden darf. Optimal wäre aber sicher eine Registrierung von Asylbewerbern direkt bei der Einreise, was sich jedoch mit den vorhandenen Mitteln der Flüchtlingshilfe nicht umsetzen lässt. Die Bundesregierung muss daher dringend mehr Mittel für Flüchtlingshilfe und Ermittlungsbehörden zur Verfügung stellen, denn auch wenn es Konservative nicht wahrhaben wollen: Nur durch schnellere und effektivere Eingliederung, durch mehr Bildungs- und Sozialarbeit sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Hilfeleistenden und Sicherheitsbehörden lässt sich die Gefährdungslage kontrollieren. Nicht nur könnten getarnte IS-Kämpfer auf diese Weise schneller erkannt werden, auch würde dem IS die Rekrutierung von Kämpfern in Deutschland erschwert.