Die Neutralität des Internets in der EU steht oder fällt diesen Sommer!

Wenn Sie Spartacus oder andere kleinere Webmagazine lesen, werden Ihnen diese in der Regel in der gleichen Qualität angezeigt wie die Websites von Großkonzernen. Diese mögen aufgrund ihrer Finanzkraft mehr Möglichkeiten haben, Informationen im Internet zu dominieren, sie kontrollieren die digitale Welt jedoch nicht. Noch nicht!

Noch haben Start-Up Unternehmen, unabhängige Blogger und Webmagazine, kleine Firmen oder Aktivisten im Internet generell die Möglichkeit tatsächliche Alternativen zu den Diensten von Großkonzernen anzubieten. Diese Personen und Gruppen leisten einen essentiellen Beitrag zur Freiheit von Informationen und gewährleisten für Millionen Internetbenutzer die Unabhängigkeit von großen multinationalen Unternehmen.

Das ändert sich gerade! Internetprovider beginnen Sonderrechte an Netzgiganten wie Facebook, Amazon oder Ebay zu verkaufen! Das Ergebnis dieser Geschäftspraktiken wird eine zunehmende Konzentration der Kontrolle über das Internet auf sehr wenige Riesenkonzerne sein. Diese Großkonzerne gewännen mit der Zeit unfassbare Macht und wären kaum noch von staatlich-gesellschaftlicher Seite zu kontrollieren!

Großkonzerne wie Amazon dürfen Internetprovidern keine Sonderrechte abkaufen dürfen!
Großkonzerne wie Amazon dürfen Internetprovidern keine Sonderrechte abkaufen dürfen!

Konkret müssen wir über eine Zukunft sprechen, in der die Websites von Großkonzernen perfekt funktionieren, während die Präsenzen von Kleinunternehmen kaum laden. Eine Zukunft, in der Videos auf kommerziellen Seiten abspielbar sind, aber auf kleineren Seiten nicht. Dies könnte soweit gehen, dass die Seiten von Großkonzernen kostenlos abrufbar sind, der Aufruf unabhängiger Seiten aber so teuer würde, dass niemand sie besuchen würde!

Konkret geht es in diesem Sommer um die Entscheidung des „Body of European Regulators for Electronic Communication“, der Dachorganisatio der EU-Netzregulierer über die Umsetzung der am 27. Oktober 2015 in Kraft getretenen Telekom-Binnenmarkt-Verordnung der EU. In dieser gibt es zwar erstmals Regelungen zur Netzneutralität, welche die nationalen Regulierer dann durchsetzen sollen, allerdings lässt die Verordnung umfassenden Spielraum.

So ist nicht konkret festgeschrieben, wie sogenannte „Spezialdienste“ (Dienste, die nicht „das Internet“ im eigentlichen Sinne sind, sondern solche, die nur Verbindungen zu bestimmten Zwecken zulassen) zu behandeln sind. Diese könnten für Großkonzerne zu käuflichen „Überholspuren“ werden, wodurch wiederum Provider motiviert würden das „reguläre Internet“ zu drosseln.

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Sogenannte Spezialdienste könnten zu handelbaren „Überholspuren“ für Großkonzerne im Netz werden. Das muss streng geregelt werden!

Ein weiteres Thema ist sogenanntes klassenbasiertes Verkehrsmanagement. Bisher behandelt das Internet alle Daten gleich, weshalb eine relative Informations- und Wettbewerbsfreiheit sowie Chancengleichheit garantiert sind. Wenn dagegen Internet-Provider nach eigenem Ermessen mit klassenbasiertem Verkehrsmanagement den Datenverkehr drosseln oder bevorzugen können, hat das negative Konsequenzen für die Freiheit sämtlicher Internetnutzer.

Als dritter zu klärender Punkt steht das sogenannte Zero-Rating zur Debatte. Bei diesem Geschäftsmodell werden vom Internetprovider Daten von bestimmten Anwendungen oder bestimmten Diensten nicht für das monatliche Datenlimit von Kunden mitgezählt. Ähnlich wie bei den Spezieldiensten könnten sich auf diese Weise Konzerne durch den Erwerb solcher Zero-Ratings unfaire Vorteile gegenüber kleineren Diensten erkaufen. Des Weiteren wäre der Netzprovider motiviert, das maximale Datenvolumen von Kunden möglichst gering zu halten um mehr solcher Zero-Rating-Lizenzen an Konzerne zu verkaufen, während der Kunde aus Kostengründen angehalten wäre eher Zero-Rating-Dienste zu nutzen als solche, die sein maximales Datenvolumen belasten.


Aufruf der Redaktion:

In den USA und Indien konnten derlei Regelungen auch durch massiven Druck aus der Bevölkerung verhindert werden! Es ist daher von zentraler Wichtigkeit, den EU-Regulierern klar zu machen, dass die Netzgemeinde kein Zero-Rating, keine Überholspuren für Konzerne und kein klassenbasiertes Verkehrsmanagement will!

Teilen Sie also den zuständigen EU-Beamten bei BEREC Ihre Meinung zur Netzneutralität mit:


Gelangen Sie hier zu „Save Net Neutrality“.

Oder hier zur deutschen Seite „Rettet das Internet“.

Das Überleben des Internets wie wir es kennen steht und fällt dieser Tage mit uns!

Amazonbooks in Deutschland chancenlos

Berlin. Gesetzliche Buchpreisbindung verhindert den Einstieg von Amazon ins stationäre Buchhandelsgeschäft. Der Onlinehändler Amazon baut offenbar in den USA ein Netz an stationären Buchläden auf. Amazon erweitert dort seine Marktmacht in der Buchbranche vor allem auch durch flexible Preise beziehungsweise regelrechtes Preisdumping. Dies ist in Deutschland aufgrund der gesetzlichen Buchpreisbindung nicht möglich.

Brancheninsider halten deshalb die Ausweitung des Ladennetzes nach Deutschland für unwahrscheinlich. Auch sei die Wettbewerbslage bereits so angespannt, dass ein Einstieg ins stationäre Buchgeschäft, das immerhin noch knapp die Hälfte des Buchmarktes ausmacht, für Amazon nicht sinnvoll sei, meint etwa der ehemalige stellvertretende Direktor der Frankfurter Buchmesse, Holger Ehling. Ein flächendeckendes Netz von Buchhändlern mit teilweise hohem Bekanntheitsgrad und starken regionalen Marken erschwere den Einstieg deutlich.

Dennoch stellt Amazon mit seiner Monopolstellung im Onlinehandel eine Gefahr für den klassischen Einzelhandel dar, so deckt Amazon heute bereits 75% des Onlinegeschäfts mit Büchern ab, hier fällt es kleineren Unternehmen schwer mitzuhalten, wenngleich der Verbraucher auch im Onlinehandel zahlreiche Alternativen hat.

Auch im Handel mit E-Books ist Amazon Marktführer, eine Gesetzesänderung könnte in diesem Segment nun jedoch die Konkurrenzfähigkeit der klassischen Buchhändler stärken: Die Bundesregierung beschloss am Dienstag einen Gesetzesentwurf, der die Wirkung des Buchpreisbindungsgesetzes ausdrücklich auch auf E-Books ausweitet.

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels begrüßte die Erklärung der Bundesregierung, die gesetzliche Buchpreisbindung auf E-books ausweiten zu wollen. Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels spricht von einem wichtigen Zeichen für die gesamte Buchbranche. Die Regierungskoalition bekenne sich zu einem von Qualität und Vielfalt geprägten Buchmarkt und bereite den Boden für die weitere Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen. Die Änderung sei wichtig, um Rechts- und Planungssicherheit für Verlage und Buchhandlungen zu schaffen.

Eröffnet Amazon 400 Buchläden?

Seattle (USA). Der Online-Gigant Amazon wird in den USA möglicherweise 300-400 physische Buchläden unter der Marke amazonbooks eröffnen, behauptet Sandeep Mathrani, CEO bei General Growth Properties, einem Shopping-Center Betreiber aus Chicago. Im November hatte Amazon im Universitätsviertel von Seattle bereits einen Pilot-Store eröffnet, in welchem Kunden neben dem Bücher-Shopping auch die Möglichkeit haben Amazon Systeme wie „kindle“ oder „firetv“ auszuprobieren.

Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters wurde die Behauptung von Seiten Amazons weder bestätigt noch dementiert. Das Unternehmen kommentiere keine „Gerüchte und Spekulationen“, hieß es lediglich. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass die Aussage von Sandeep Mathrani der Wahrheit entspricht, nicht zuletzt, weil Amazon schon länger unter anderem mit Pop-Up-Stores experimentiert. Außerdem sprach sich der Konzerngründer Jeff Bezos bereits früher für die Eröffnung von Ladengeschäften aus, sofern sich eine einzigartige Geschäftsstrategie ergäbe.

„We want to do something that is uniquely Amazon,“ said Mr Bezos. „If we can find that idea – and we haven’t found it yet – but if we can find that idea, we would love to open physical stores.“ 

Der Schritt in die „physische Handelswelt“ wäre jedoch kaum überraschend, ist er doch nur ein weiter Schritt zum Handelsmonopolisten. Seit Jahren beklagen sich vor allem Buchhändler, aber auch andere Nonfoodhändler, die Marktmacht Amazons (nicht nur in den USA) treibe sie in den Ruin, Amazon wird vorgeworfen seine Größe als Instrument im ohnehin heftigen Verdrängungswettbewerb zu nutzen. Mit einem Netzwerk aus Ladengeschäften wird der Konzern diese Entwicklung weiter verschärfen: Allein das Gerücht über die Planung von Ladengeschäften ließ den ohnehin angeschlagenen Aktienkurs des US Buchhändlers Barnes&Noble am Dienstag um weitere 5% sinken.

Neben einem weiteren Ausbau der Wettbewerbsmacht könnte Amazon mit dem Aufbau eines Ladennetzes jedoch auch den Kundenservice verbessern und somit die Zufriedenheit der Käufer steigern. Zum Beispiel könnten Retouren (Eines der größten Probleme im online-Geschäft) zu Teilen über die Filialen zurück geführt werden, außerdem könnten Kunden Amazon Syteme wie bereits im Pilot-Store vor dem Kauf erproben. Auch versandkostenfreie Bestellungen in die Filialen und zahlreiche Multi-Channel Funktionen, wie sie bereits von vielen Händlern angeboten werden, sind denkbar.

Abschließend lässt sich feststellen, dass es nicht nur wahrscheinlich ist, dass Amazon früher oder später eigene Ladengeschäfte eröffnen wird, sondern dass der Konzern damit aller Wahrscheinlichkeit nach auch Erfolg damit haben wird. Eine starke Marke, eine exzellent funktionierende Logistik und Unternehmensinfrastruktur sowie die Bereitschaft Geld für Expansion und Marketing in die Hand zu nehmen, werden die Amazon-Stores auch in teuren Lagen (zumindest in den USA) bald erfolgreich machen.

Bleibt noch die Frage, wie dieser Expansionsschritt volkswirtschaftlich zu bewerten ist: Langfristig stellt Amazon eine Bedrohung für den freien und fairen Wettbewerb nicht nur in den USA dar. Der kompromislose Verdrängungskrieg, den der Handelsriese aus Seattle führt, schadet der ohnehin sehr konzentrierten Handelslandschaft nachhaltig. Der Aufbau eines Ladennetzes ist insbesondere ein weiterer Schritt zur Verdrängung physischer Buchläden, weshalb diese Entwicklung enorm kritisch zu betrachten ist.