Kellyanne „Alternative Fakten“ Conway lügt weiter und erfindet Massaker – Deutsche vertrauen USA nicht mehr.

Berlin / Washington D.C. (USA). Der Amtsantritt von Donald Trump sorgt offenbar für einen signifikanten Vertrauensverlust der Deutschen gegenüber den USA – damit liegt das Ansehen der USA erstmals mit Russland unter Präsident Wladimir Putin auf dem gleichen Niveau. Grund für den massiven Vertrauensverlust sei unter anderem der Muslim-Bann des neuen US-Präsidenten, den dessen PR-Chefin Kellyanne Conway nun kurzerhand mit einem erfundenen „Massaker“ auf amerikanischen Boden rechtfertigte.

Wenn heute die Mehrzahl der Deutschen laut ARD-Deutschlandtrend nicht mehr glaubt, die US-Regierung sei ein Partner, dem man vertrauen kann – nur noch 22 Prozent der Befragten glaubten dies, womit das Ansehen der USA hierzulande sogar niedriger ist, als nach dem NSA-Skandal – könnten sie damit durchaus Recht haben, wie die PR-Beraterin des republikanischen US-Präsidenten Donald Trump eindrucksvoll beweist, indem sie sich kurzerhand ein Terrorverbrechen ausdenkt, das es nie gegeben hat.

Es war übrigens auch Kellyanne Conway, die sich und das weiße Haus der Lächerlichkeit preisgab, als sie mit Bezug auf die Besuchermenge bei der Amtseinführung Trumps den Begriff „Alternative Fakten“ ins Spiel brachte: Demnach verstehe sie es auch als ihre Aufgabe, der Bevölkerung „alternative Fakten“ anzubieten – offenbar meinte sie das wirklich ernst.

Statt sich an das kleine Einmaleins der Überwachungspolitik – das Aufbauschen realer Bedrohungssituationen im Vorfeld einer umstrittenen Gesetzgebung – zu halten, ging die Trump-Beraterin, von der böse Zungen behaupten, ihre einzige Aufgabe sei es, den Worten des Chefstrategen und geheimen Präsidenten der USA, Steve Bannon, ein schönes Gesicht zu verleihen, wieder einmal unkonventionelle Wege, als sie in einem Interview beim Nachrichtensender MSNBC sagte: „Ich wette, es ist eine brandneue Information für das Volk, dass es unter Präsident Obama eine sechsmonatige Einreisesperre für irakische Flüchtlinge gab, nachdem zwei Iraker in dieses Land gekommen sind, sich hier radikalisiert haben und dann die Planer des Bowling Green Massakers waren.“

Das war tatsächlich eine „brandneue“ Information, denn einen solchen Anschlag irakischer Flüchtlinge in Bowling Green, Kentucky, hatte es nicht gegeben.

Conways Lüge ist allerdings durchaus perfide, denn tatsächlich waren 2011 in Bowling Green zwei Iraker festgenommen worden, die 2013 schließlich zu langen Haftstrafen wegen „umfangreicher terroristischer Aktivitäten gegen US-Soldaten im Irak“ verurteilt worden waren. Allerdings war Mohanad Shareef Hammadi und Waad Ramadan nie ein Anschlag auf die USA – erst recht kein Massaker in Bowling Green – zur Last gelegt worden, sondern der Versuch, Waffen und Geld an Islamisten im Irak zu schicken. Zudem hatten sie gestanden, im Irak Sprengsätze gegen US-Soldaten eingesetzt zu haben. „Keiner der beiden wurde wegen der Planung von Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten angeklagt,“ erklärte damals das Justizministerium.

Auch resultierte aus der Festnahme kein generelles Einreiseverbot für Iraker, sondern lediglich die Anordnung, Asylanträge von in die USA geflüchteten Irakern erneut zu prüfen, wodurch zwar die Asylverfahren deutlich verlangsamt, aber niemals ausgesetzt wurden.

Dass es Donald Trump und seine Regierung nicht ehrlich meinen, haben die meisten Amerikaner – und offenbar auch die deutsche Öffentlichkeit – mittlerweile verstanden. Wobei insbesondere Conway aufgrund ihrer lächerlich offensichtlichen Lügen immer wieder das Ziel von Spott und Hohn wird. So veralbern auch auf Trumps bevorzugten Medium, Twitter, unter dem Hashtag #BowlingGreenMassacre viele Amerikaner den Präsidenten und seine PR-Beraterin.

Das Rekordmisstrauen gegenüber der US-Regierung, hängt jedoch sicherlich auch mit der Kabinettsbesetzung Trumps – in seiner Regierung sitzen quasi nur Lobbyisten und Multimillionäre, seinem vorgetäuschten Lobby-Verbot und seinen kontroversen Aussagen während des Wahlkampfes zusammen. So meinte Trump in einem Interview auch, er werde „nicht ausschließen“, Nuklearwaffen auch in Europa einzusetzen. Während einer Sicherheitsberatung soll der Republikaner mehrfach gefragt haben: „Wenn wir sie (Atomwaffen) haben, warum können wir sie nicht benutzen?“ Solche Aussagen verursachen verständliche Unsicherheit, insbesondere, wenn sie vom Inhaber des mächtigsten politischen Amtes der Welt kommen.

Erstmals liegen damit die USA in ihrer wahrgenommenen Vertrauenswürdigkeit bei den Deutschen nur noch knapp vor Russland, das in der selben Umfrage auf einen Wert von 21 Prozent kommt. Vor der Präsidentschaftswahl im November waren die USA noch auf 37 Prozentpunkte mehr gekommen.

Die Umfrage ergab weiterhin, dass nur 26 Prozent der Deutschen glauben – und es gut finden -, dass Donald Trump seine Wahlversprechen umsetzt. Aufgrund der angedrohten Strafzölle für nichtamerikanische Produkte, glauben 67 Prozent zudem, Trump könne der deutschen Wirtschaft schaden. Die überwältigende Mehrheit der Befragten – 80 Prozent – glaubt, aufgrund von Donald Trump müssten die Mitgliedsstaaten der europäischen Union stärker zusammen rücken. So könnten am Ende Donald Trump, Steve Bannon und Kellyanne „Alternative Fakten“ Conway für Europa doch einen positiven Effekt haben, indem sie mehr europäische Solidarität fördern, und den europäischen Staaten endlich die Courage verleihen, sich von den USA abzunabeln.

Weißweinkolumne: Warum Rhetorik im Internet unnütz ist. – Vom Verhalten der Netizens und dem „Bubble-Effekt“

Als besonderer rhetorischer Kniff gilt es, eine These – die man selbst nicht vertritt – aufzustellen, damit zu provozieren, und diese These dann mittels geschickter Argumentation zu widerlegen. Ich selbst verwende diesen Kniff hin und wieder, wenn besonders abstruse Hypothesen zur Debatte stehen. Denn in der Regel ist dieses rhetorische Konstrukt optimal geeignet, die Argumente der „Gegenseite“ effektiv ad absurdum zu führen. Im Netz dagegen erweist sich diese Form als ungeeignet.

Prinzipiell ist ein solcher Argumentationsaufbau politisch durchaus clever: Ausgehend von der These des Gegners, die zu Beginn eines Artikels – oder einer Rede – erläutert wird, wird der Leser – oder Zuhörer – zur Position des Autors – beziehungsweise des Redners – geführt. Man könnte sagen: Statt zu erörtern, warum er selbst richtig liegt, belegt der Autor seinem politischen Gegner, warum dieser falsch liegt. In der digitalen Welt funktionieren derartige rhetorische Mittel allerdings meist nicht. Was insbesondere daran liegt, dass viele Nutzer Artikel nur überfliegen, oder überhaupt nur die Überschriften von Beiträgen lesen – diese aber oft genug trotzdem kommentieren, teilen oder „liken“.

Im Juni wurde dieses Verhalten von der Columbia University sogar in einer Studie sehr gut quantifiziert. Demnach werden 59 Prozent der geteilten Links in sozialen Netzwerken nicht einmal angeklickt. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der amerikanischen Universität, die dazu über 30 Tage insgesamt 2,8 Millionen Tweets zu 59.000 Inhalten von der BBC, der Huffington Post, CNN, der New York Times und Fox untersuchten. Interessant auch: Von Privatpersonen geteilte Links waren proportional zu den „Followern“ des jeweiligen Social Media Accounts wurden signifikant häufiger angeklickt als von Medienplattformen geteilte Links.

Hinzu kommt, was ich gerne den „Bubble-Effekt“ nenne: Dieses Phänomen entsteht im Netz insbesondere durch die Algorithmen von Sozialen Medien und Suchmaschinen, welche die Interessen der Nutzer auswerten und ihm dementsprechende Seiten, Artikel, Anzeigen und Personen vorschlagen. Zeigt ein Nutzer also beispielsweise durch seine Suchen, seine abonnierten Seiten und geteilten Inhalte ein besonderes Interesse für Katzen, so werden Google, Facebook und Co. diesem Nutzer mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Katzenthemen vorschlagen – und (um in der Metapher zu bleiben) wenige Hundethemen.

Dies hat – vor allem für Werbetreibende – durchaus Vorteile, weil Nutzer, da sie sich für vorgeschlagene Themen eher interessieren, mit höherer Wahrscheinlichkeit empfohlene Links anklicken (targeting). Politisch allerdings ergibt sich daraus eine kritische Situation: Internetnutzer mit progressiven Positionen werden eher progressive Themen vorgeschlagen, jedoch kaum konservative und vice versa.

Die Algorithmen der Internetriesen zwingen Netizens dementsprechend in eine Blase, in der diese politisch meist nur bestätigt, aber selten herausgefordert werden. In diesem Umfeld der Blasen jedoch ist politische Rhetorik zum größten Teil obsolet. Denn ein Autor muss in diesem Umfeld die Masse seiner Leser nicht überzeugen und den größten Teil der Übrigen – der politischen Gegner – kann er kaum überzeugen, weil sie durch ihre Blase stärker beeinflusst werden als durch einen einzelnen Eindringling in diese.

Beides sind Gründe, weshalb ich mir „clevere“ rhetorische Kniffe künftig sparen sollte, so ich nicht will, dass Rechtsextreme meine Artikel auf Facebook lobpreisen, wenn sie nur die provokante Überschrift lesen. Ich werde es wohl dennoch tun, schon weil ich Sprache und der Umgang mit ihr auch dem Schreiberling Freude bereiten muss. Politisch mag das falsch – oder wenigstens unnötig – sein, sprachkonservatorisch jedoch ist es unerlässlich.

Der „Bubble-Effekt“ ist übrigens der Grund, weshalb ich mittlerweile schätzungsweise mehr konservative Quellen lese als progressive: Ausgewogenheit beginnt bei der Recherche!

In diesem Sinne: Prost!