Weniger Verkehrstote nach Cannabis-Legalisierung in US-Bundesstaaten.

Die Legalisierung von medizinischem Cannabis korreliert nicht mit der Anzahl der Verkehrstoten, so zeigt eine neue Studie der Columbia University in New York. In einigen US-Bundestaaten, seien der Studie zufolge sogar deutlich weniger tödliche Verkehrsunfälle geschehen, nachdem medizinisches Marihuana legalisiert worden war.

„Statt eines Anstieges bei der Zahl der Verkehrstoten, sahen wir eine Reduktion, was total unerwartet war,“ so Studienleiter Julian Santaella-Tenoriok.

Seit 1996 haben bereits 28 US-Bundesstaaten Cannabis für medizinische Zwecke legalisiert. Den amerikanischen Forschern zufolge, die für ihre Untersuchung 1,2 Millionen tödliche Unfallausgänge im Zeitraum zwischen 1985 und 2014 untersuchten, habe es seit den Legalisierungen durchschnittlich rund 11 Prozent weniger Unfalltote im Straßenverkehr gegeben. Besonders signifikant sei die Entwicklung in der Altersgruppe der 25- 44-Jährigen, der Altersgruppe also, in der die Quote registrierter Konsumenten von medizinischem Cannabis besonders hoch ist. Um 12 Prozent sank die Verkehrstotenzahl in dieser Gruppe, so schrieben die Autoren im „American Journal of Public Health“.

Obgleich Santaella-Tenorio überrascht von der Verringerung der Verkehrstoten war, spiegeln sich seine Ergebnisse auch in einer anderen Studie, welche Verkehrsdaten aus 19 Bundesstatten auswertete und 2013 im „Journal of Law and Economics“ publiziert wurde. Diese ältere Studie zeigte eine Abnahme von Todesfällen im Straßenverkehr von 8 bis 11 Prozent, während des ersten (ganzen) Jahres nachdem medizinisches Cannabis erlaubt wurde.

„Die öffentliche Sicherheit sinkt nicht mit besserem Zugriff auf Marihuana, sie steigt eher,“ so Prof. Benjamin Hansen von der University of Oregon, einer der Autoren der Untersuchung von 2013. Er betonte dennoch, dass sowohl Marihuana als auch Alkohol Drogen seien, welche das Fahrverhalten beeinträchtigen können.

Obwohl beide Studien eine Korrelation feststellen, belegen sie jedoch nicht, dass explizit die Legalisierung von Marihuana zur Reduktion der Verkehrstoten geführt hat. Denn beide Studien untersuchten keine Kausalität.

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28 US-Bundesstaaten haben mittlerweile medizinisches Cannabis legalisiert. Die Überraschung: Seitdem gibt es durchgehend weniger Verkehrstote.

Die Autoren beider Studien mutmaßen, dass Cannabis-Benutzer gegenüber Alkohol-Konsumenten ihre Beeinträchtigungen aufgrund des Drogenkonsums in der Regel eher bewusst sind. Es sei außerdem denkbar, meinen die Forscher, dass Patienten mit Zugang zu medizinischem Marihuana den abendlichen Rausch in der Bar mit Cannabis zu hause ersetzten und so gar nicht erst auf der Straße waren, um Unfälle zu verursachen.

Bei der jüngeren Studie ist weiterhin der lange Zeitraum relativierend zu äußern, welcher Zeitraum betrachtet wurde: Seit 1985 sind Kraftfahrzeuge sehr viel sicherer geworden dank stabilerer Karosserien, mehr Airbags, ABS, und anderen technischen Innovationen.

20 Jahre Hanfparade in Berlin: Legalisierung liegt in der Luft.

Berlin. Mehrere tausend Menschen zogen am Samstag mit bunten Wagen und Musik  unter dem Motto „Legalisierung liegt in der Luft“ durch Berlin. Die demonstrierten damit für eine Legalisierung von Cannabis als „Rohstoff, Medizin und Genussmittel“. Nach Angaben der Polizei nahmen mehr als 4.000 Menschen an dem Umzug teil, der bereits zum zwanzigsten mal in der Bundeshauptstadt stattfand.

Unter den Demonstrierenden war auch der populäre Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele. „Gebt das Hanf frei,“ twitterte er von der Parade. Auch Politiker der Linkspartei machten sich für eine Freigabe stark. Neben Politikern der Linken, der Grünen und der Piraten hielten bei der Hanfparade auch Aktivisten und eine Suchttherapeutin Reden. Andere Teilnehmer trugen Schilder mit der Aufschrift „Cannabis ist meine Medizin“ oder „High sein heißt frei sein“. Der Sprecher der Hanfparade, Steffen Geyer, hatte im Vorfeld erklärt, dass „legales Cannabis weniger Schäden verursachen würde, als es das seit 45 Jahren geltende Verbot tut“, wofür es tatsächlich klare Argumente gibt, so können typischerweise nur legale Handelsgüter staatlich reguliert – also beispielsweise frei von gefährlichen Inhaltsstoffen gehalten – werden.

Auch zeigte sich in Studien aus den USA, dass Cannabis wohl nur deshalb eine sogenannte „Einstiegsdroge“ ist, weil Konsumenten sich bei der Versorgung mit dem Rauschmittel bereits in der Illegalität aufhalten und so der Schritt zu anderen illegalen Substanzen geringer scheint. Einige Suchtexperten fordern schon deshalb eine kontrollierte Legalisierung. Zusätzlich würde dieses Verfahren nach Expertenmeinung auch die Anzahl der Fälle von Beschaffungskriminalität mittelfristig senken – sowie die allgemeine mit dem Drogenmilieu verbundene Kriminalität.

Die Demonstranten marschierten vom Hauptbahnhof aus an Bundeskanzleramt, Reichstag und Bundesgesundheitsministerium vorbei zum Roten Rathaus, wo die Prozession mit einer Schlusskundgebung und Live-Musik beendet wurde.

Die Hanfparade, laut Veranstalterangaben Deutschlands größte Demonstration für die Legalisierung von Cannabis, findet seit 1997 jährlich in Berlin statt. Auch nach 20 Jahren geben sich die Veranstalter noch kämpferisch: „Wir sehen tagtäglich, dass wir Erfolge haben“, erklärte Geyer gegenüber der Tageszeitung „Neues Deutschland“. Er verwies auf die Pläne von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), wonach Schwerkranke den Stoff demnächst auf Rezept beziehen können. „Das wäre vor vier oder sechs Jahren noch undenkbar gewesen“, so Geyer.

Gröhe kündigte außerdem an, die Erforschung von Marihuana als Arzneimittel erleichtern zu wollen. In einigen Ländern, so in den USA, findet bereits eine intensive medizinische Forschung mit dem natürlichen Rauschmittel statt. Studien legten zum Beispiel nahe, dass Cannabis die Nebenwirkungen von Chemotherapien lindern , den Appetit von Aids-Patienten steigern und bei Schmerzen helfen könnte – ohne dabei ähnlich gravierende Nebenwirkungen auszulösen wie synthetische Schmerzmedikamente.

Hierzulande brauchen Patienten, allen voran chronisch Kranke, bislang eine Ausnahmegenehmigung, um Cannabis kaufen und besitzen zu dürfen. Hanfbefürworter, die sich selbst Hanffreunde nennen, fordern einen regulierten Markt und ein Ende der Strafverfolgung bei Konsumenten. Ohnehin würde das Verbot nur dazu führen, dass die steigenden Umsätze mit der meist verkauften illegalen Droge Kriminellen zugute kämen.


Dieser Beitrag ist Teil unserer Sonntagsausgabe „Spartacus am Sonntagmorgen – die Frühstückszeitung“. Lesen Sie hier die komplette Ausgabe.

Digitales Cannabis – Microsoft investiert ins Drogengeschäft

Seattle (Washington, USA). In 25 US-Staaten ist der Vertrieb von Cannabis mittlerweile legal. Teilweise nur zu medizinischen Zwecken, teilweise auch als reines Genussmittel unter behördlichen Auflagen. Der Markt wächst so rasant wie kaum ein anderer. Nach Angaben spezialisierten Analyse- und Investmentgruppe Arcview wuchs der gesamte Marihuanaumsatz in den USA im vergangenen Jahr um 17 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar. Für 2016 wird ein weiteres Wachstum auf 6,7 Milliarden Dollar erwartet. Bis 2020 soll der Markt sogar auf ein Umsatzvolumen von 21,8 Milliarden Dollar angewachsen sein. Bis dahin soll den Analysten zufolge die Hälfte des Absatzes auf den Genusskonsum fallen.

Dennoch wird die mittlerweile hochtechnisierte Branche derzeit dominiert von Kleinunternehmen und einer wachsenden Start-Up-Szene, die Agrar-Unternehmen, Privatanbauern und Konsumenten eine breite Produktpalette anbieten: Von Beleuchtungssystemen über Bewässerungsanlagen bis zum beinahe vollautomatischen Überwachungssystem, dass die Bedürfnisse der Marihuanapflanzen ständig digital überwacht und Luftfeuchtigkeit, Lichtzufuhr und Wärme selbstständig regelt. Ein Zukunftsmarkt.

Der Anbau von Cannabis ist mittlerweile hoch technisiert und digitalisiert, ganze Plantagen lassen sich per Laptop oder Smartphone-App steuern und kontrollieren.
Der Anbau von Cannabis ist mittlerweile hoch technisiert und digitalisiert, ganze Plantagen lassen sich per Laptop oder Smartphone-App steuern und kontrollieren.

Dennoch gilt der Einstieg in den Markt weiterhin für größere Unternehmen als heikel, da Cannabis auf Bundesebene weiterhin verboten bleibt, auf einer Ebene steht mit harten Drogen wie Crystal-Meth oder Heroin. Deshalb halten sich auch Banken bisher größtenteils aus dem Markt heraus, sie fürchten Geldwäschevorwürfe. Dadurch ist es für Unternehmensgründer schwierig an das notwendige Startkapital zu kommen.

Der Computerkonzern Microsoft hat nun allerdings den Schritt gewagt und in ein Start-Up der Cannabisszene investiert. Vorsichtig jedoch. Nicht in ein mit dem Anbau der Droge direkt verbundenes Unternehmen steckte man Kapital sondern in kalifornischen Softwareanbieter Kind Financial, welche Marihuanabetrieben und Behörden Programme zur Dokumentation und Kontrolle strenger gesetzlicher Vorgaben im Cannabisgeschäft verkauft. Der Softwareriese Microsoft interessiert sich insbesondere für die Geschäfte des Start-Ups mit Behörden heißt es. So wolle Microsoft die Anwendungen von Kind Financial im Rahmen der auf Behörden zugeschnittenen Version der Cloud-Computing-Plattform „Azure“ vertreiben. Laut Kind-Vorstandsvorsitzender David Dinenberg habe im Vorfeld der Allianz viel Überzeugungsarbeit stattgefunden, die Verbindung sei lange ungewiss gewesen. Im Heimatstaat des Unternehmers, Kalifornien, ist der Vertrieb und Konsum von Marihuana bisher nur zu medizinischen Zwecken erlaubt, die Legalisierung als Genussmittel steht im Staatskongress im November zur Wahl. In Washington dagegen, Microsofts Heimatstaat befindet sich die Legalität von Cannabis derzeit in einer leicht absurden Einseitigkeit: Es darf zu medizinischen Zwecken sowohl verkauft als auch konsumiert, als Genussmittel jedoch nur konsumiert und nicht vertrieben werden.

In 25 US-Staaten sind Konsum und Vertrieb von Cannabis mittlerweile erlaubt, teilweise jedoch nur zu medizinischen Zwecken in solchen "Cannabis-Apotheken"
In 25 US-Staaten sind Konsum und Vertrieb von Cannabis mittlerweile erlaubt, teilweise jedoch nur zu medizinischen Zwecken in solchen „Cannabis-Apotheken“

Eine Legalisierung der Droge in Deutschland ist politisch derzeit nicht geplant, zwar setzen sich Grüne, Linke und Teile der SPD seit Jahren dafür ein, die Pläne scheitern jedoch am Widerstand der Union, so bezeichnete zuletzt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler Cannabis (CSU) als „nicht ungefährlich“, wenngleich der Drogenbericht der Bundesregierung die legalen Drogen Tabak und Alkohol als statistisch deutlich gefährlicher darstellte.

Uns teilte die Drogenbeauftragte allerdings auf eine Anfrage kürzlich mit: „Ich habe mich dafür eingesetzt, dass die Erforschung von Cannabis als Medizin weiter ausgebaut und eine Gesetzesvorlage für eine zweckgebundene medizinische Verabreichung von Cannabisarznei erarbeitet wird.“ Mindestens eine Legalisierung für medizinische Zwecke scheint also in Sicht, damit könnte die Droge auch in Deutschland einen gewissen Start-Up-Boom auslösen, problematisch sehen Wirtschaftsexperten jedoch, dass Unternehmen in den USA und anderen Ländern, die Cannabis bereits schrittweise legalisiert haben, auf diesem Gebiet einen uneinholbaren Vorsprung gewinnen könnten. In Deutschland müssten Unternehmer, welche beispielsweise spezialisierte digitale Applikationen zur Überwachung von Cannabis-Plantagen entwickelten, außerhalb oder am Rande des Gesetzes arbeiten. Das schwächt die Investitionsbereitschaft natürlich gewaltig. Bei einer Legalisierung von Marihuana würden deshalb wohl ausländische Firmen den Markt dominieren.