Washington D. C. (USA). Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat den erzkonservativen Gouverneur von Indiana, Mike Pence, als seinen „running mate“ für das Amt des Vize-Präsidenten ausgewählt.
Trump gab die Entscheidung am Freitag über Twitter bekannt. Der 57-jährige Pence ist unter Republikanern vergleichsweise unbekannt. Experten trauen dem Klimawandel-Leugner aber zu, besonders den konservativen Flügel der Partei an Trump zu binden. Am Montag beginnt der Parteitag, auf dem die Republikaner Trump voraussichtlich zum Präsidentschaftskandidaten und Pence zu seinem Vize nominieren werden.
Der Milliardär habe den Berufspolitiker laut US-Medien insbesondere wegen dessen ruhigen Auftretens und seiner Erfahrung in Washington ausgewählt, damit steht er im klaren Kontrast zum Grenzcholeriker Trump, der bisher über keine politische Erfahrung verfügt. Gleichzeitig verfügt Pence über Kontakte zu Sponsoren, die Geld in die Wahlkampfkassen spülen sollen, hier hatte Trump zuletzt große Schwierigkeiten. Selbst traditionelle Republikanische Wahlkampfspender sehen die Kandidatur des Reality-Stars und mehrfach gescheiterten Unternehmers skeptisch und unterstützten teilweise die konzernfreundliche Demokratin Hillary Clinton. In den USA, wo sich Wahlkämpfe tendenziell dadurch entscheiden, wer das meiste Geld für den Wahlkampf ausgibt, ist dies ein signifikanter Nachteil für den Republikaner. Clinton liegt in Umfragen derzeit etwa fünf Prozentpunkte vor Trump.
Ein Erzkonservativer als Vize-Kandidat könnte diesen Nachteil nun abmildern. Im Vorwahlkampf unterstützte Pence noch Trumps Kontrahenten Ted Cruz, den Liebling der Tea-Party-Bewegung, Verschwörungstheoretiker und christlicher Fundamentalisten. Cruz gab jedoch auf. Dies zeigt, dass jedenfalls mit Pence keine Stimme der Vernunft in Trumps Team einzieht, stattdessen ein Politiker, der sich selbst als „Christ, Konservativer und Republikaner – in der Reihenfolge“ beschreibt. Ein religiöser Extremist. Der Statistikwebsite FiveThirtyEight zufolge ist er der konservativste Kandidat für den Posten des Vize-Präsidenten bei den Republikanern seit 1976.
Am Samstag verglich Gouverneur Pence den republikanischen US-Präsidentschaftsbewerber in einem Interview mit dem republikanischen Nachrichtensender Fox News mit dem früheren konservativen US-Präsidenten Ronald Reagan. Wie Reagan habe Trump ein Gespür „für die Sorgen und Hoffnungen der Amerikaner“, sagte Pence. Der Immobilienunternehmer habe sich im parteiinternen Vorwahlkampf gegen zahlreiche talentierte Kandidaten durchgesetzt, weil er ein Mann des Volkes sei, demgemäß sei er der legitime Nachfolger der republikanischen Ikone Ronald Reagan. Trump ist wie Reagan ein politischer Quereinsteiger. Doch der Hollywood-Schauspieler Reagan, sammelte einige Jahre Erfahrung als Gouverneur von Kalifornien, und war schon lange in der Partei aktiv, bevor er ins Weiße Haus einzog. Reagans Sohn hatte vor einigen Wochen öffentlich gesagt, er werde nicht für Trump votieren und implizierte, auch sein Vater hätte das nicht getan.
Die Demokraten halten ihren Nominierungsparteitag eine Woche nach den Republikanern ab. Clintons Sieg gilt dabei als gewiss. Wer an der Seite der Ex-Außenministerin bei der Präsidentschaftswahl am 8. November antritt, ist noch nicht bekannt.
Williamstown (Kentucky, USA). Knapp 80 Meilen vom umstrittenen Creation Museum in Petersburg, wurde am Donnerstag ein „originalgetreues“ 1:1 Modell von „Noahs Arche“ enthüllt. Ob das über 150 Meter lange Schiff allerdings seetüchtig wäre, darf bezweifelt werden. Das Ausstellungsstück ist Teil der „Ark Encounter“, eines Themenparks, der sich mit Kreationismus und der „großen Flut“ beschäftigt und Spaß für die ganze Fundamentalistenfamilie verspricht. Für einen kritischen Menschen wirkt allerdings schon die Website unheimlich: Hier werden biblische Erzählungen als wahre Erd- und Menschheitsgeschichte verkauft.
Selbstverständlich gibt es auch in diesen Kreationistenpark die obligatorischen Dinosaurier.
Ich habe schon häufig Kreationisten als Wissenschaftsverweigerer bezeichnet, denen nicht gestattet werden darf, ihre vernunftfeindliche und gefährliche Protestideologie öffentlich als wissenschaftliche Lehre zu bezeichnen. Dennoch erleben Kreationisten und ihre Pseudowissenschaften insbesondere in den USA großen Zulauf: Zwischen 42 und 47 Prozent der US-Amerikaner glauben an die Theorie von „Intelligenten Design“, dass die Erde trotz aller gegenteiligen Belege erst rund 6.000 Jahre alt ist, und – natürlich – dass es im Laufe dieser 6.000 Jahre irgendwann eine Große Flut gegeben habe, im Zuge derer die gesamte Erdmasse überschwemmt wurde, wodurch alle Menschen und Tiere ertranken, abgesehen selbstverständlich von denen, die sich auf Noahs magischer Arche befanden. Warum magisch? Weil Schiffsbauexperten einhellig meinen, ein über 150 Meter langes Schiff aus Holz (diese Länge gibt die Bibel vor), könnte schon deshalb nicht existieren, weil es sich bei Wellengang derartig verbiegen würde, dass es unweigerlich undicht würde. Tatsächlich war es erst durch die Nutzung von Stahlbau und Schweißtechnik möglich derart gewaltige Schiffe zu bauen – und seetüchtig zu halten.
Aber gleich, wie überzeugend die Argumente auch sind, die einem fundamentalistischen Verfechter des „Junge-Erde-Kreationismus“ entgegengebracht werden, er wird an seine Ideologie glauben, auch deshalb, weil es den Kreationismus-Predigern gelungen ist, insbesondere in den USA, insofern eine akademische Anerkennung zu erlangen, als dass sie ihre Ansichten in eine undurchdringliche Hülle von Pseudowissenschaft gepackt haben. Wobei, wie so oft bei Pseudowissenschaften systematisch all jene Fakten berücksichtigt werden, die die Theorie stützen und all jene ignoriert werden, die sie widerlegen würden. In den USA existieren christliche Universitäten wie die „Liberty University“ an denen sogar tatsächlich Kreationismus studiert werden kann.
Aber auch vermeintlich „echte“ Wissenschaftler arbeiten für Projekte der „Junge-Erde-Kreationisten“, was die Ideologie umso gefährlicher macht. So arbeitete an der Gestaltung des Themenparks in Williamstown auch der Biologe und Harvard-Absolvent Natahniel Jeanson mit, der gegenüber dem „Telegraph“ steif und fest behauptet, „dies ist keine Anti-Wissenschaft, wir alle huldigen hier der Wissenschaft, wir bringen aber den Leuten bei anders zu denken.“ Jeanson und seine Kollegen, die sich ungestraft Wissenschaftler nennen dürfen, glauben, die Bibel sei ein historischer Faktenbericht, Genesis erzähle dementsprechend die wahre (und wörtlich zu nehmende) Schöpfungsgeschichte, was schon deshalb drollig ist, weil den wenigsten Kreationisten bewusst ist, dass es in Genesis gleich zwei Schöpfungsmythen gibt.
Im Inneren der „Arche“.
Ein wichtiger Bestandteil ist selbstverständlich Noahs Arche, deren „Nachbau“ die Hauptattraktion des Parks ist. Daneben werden im Inneren des Schiffsmodells Dinosaurier gezeigt, die vor rund 65 Millionen Jahren aus starben, es gibt einen Streichelzoo, tägliche Tiershows, biblisches Live Entertainment und ein Restaurant mit 1.500 Plätzen. Dazu sollen künftig ein „Pfad durch die biblische Geschichte“ sowie eine Nachbildung des Turms zu Babel kommen, wobei letzteres insofern ironisch ist, als dass Gott laut Bibel die Bauherren des „Originals“ für ihre Hybris bestrafte.
Geplant und gebaut, um, laut dem gebürtigen Australier und Vorsitzenden von „Answers in Genesis“, der umstrittenen Fundamentalistenorganisation, die hinter dem Projekt steht, Ken Ham, allein im ersten Jahr Zweimillionen Besuchern die kreationistische Lehre näher zu bringen, wurden fast 100 Millionen US-Dollar in den Park investiert. Die Investitionssumme wurde dabei durch Spenden, Anleihen und fragwürdige Steuerbefreiungen aufgebracht.
Ein Yak zum Streicheln im Kreationistenpark.
Auch weil hier staatliche Subventionen im Spiel waren, fällt die Kritik der vielen Gegner des Projekts, die es (glücklicherweise) gibt. Besonders scharf aus. Jim Helton, Präsident der Organisation „Tri-State Free Thinkers“,war unter den rund hundert Demonstranten, die am Donnerstag vor den Toren des Parkes gegen dessen Eröffnung protestierten. Sie trugen Schilder, auf denen Sätze standen wie: „Eine vom Steuerzahler geförderte Flut der Ignoranz, was für ein Desaster!“ Oder: „Statt Eure Kinder zu zwingen Eure Version der Wahrheit zu lernen, bringt ihnen kritisches Denken bei!“
Der wissenschaftlich-kritische Helton beschrieb den Themenpark als symbolisch für die gesellschaftlichen Probleme der USA. „Das ist absolut gefährlich,“ sagte er in einem Interview mit dem „Telegraph“. „Eltern lehren ihren Kindern, dass sie in der Hölle brennen, wenn sie an die Evolutionslehre glauben.“ Daraus ergebe sich eine Haltung, die Wissenschaft als unwahr anzunehmen und Fakten auszublenden, so Helton.
Sämtliche gesellschaftlichen Probleme will Helton auf diese anti-wissenschaftliche Haltung zurückführen können. „Es ist die selbe Logik, mit der Transgender-Personen verboten wird, die Toilette ihrer Wahl zu benutzen, mit der es untersagt wird, in Würde zu sterben und mit der Verhütung und Abtreibung missbilligt werden.“
Im Übrigen solle sein Protest Aufmerksamkeit darauf lenken, dass der Park nur Christen einstelle, denen ein Pastor ihren Glauben zertifiziert habe. Homosexuellen dagegen sei eine Einstellung grundsätzlich unmöglich, während unverheiratete Christen ein Keuschheitsgelöbnis abzulegen hätten. Eine untragbare Diskriminierung.
„Das ist kein harmloses Boot,“ sagt Helton schließlich. „Sie sollten besorgt darüber sein.“
Und wenigstens wir sind besorgt! Es ist dieser durch fundamentalistische Indoktrination geprägte, generelle Argwohn gegenüber den Wissenschaften, der nicht nur zu den wirrsten Verschwörungstheorien führt, sondern auch in Amerika eine Generation von Kindern hervorbringt, die nicht in der Lage sein wird außerhalb der anerzogenen Religiosität, die sie für die absolute Wahrheit hält, zu denken. Wenngleich der Zirkel um Ken Ham und die „Answers in Genesis“-Foundation verhältnismäßig eng ist, glaubt doch fast die Hälfte der US-Amerikaner an die Lehren der Kreationisten. Fast die Hälfte der US-Bervölkerung hat bereits der Wissenschaft abgeschworen! Deren Kindern wird es kaum besser ergehen.
Übrigens ist auch Deutschland nicht völlig gefeit vor den gefährlichen Lehren der Kreationisten, etwa eine Million Menschen glauben hierzulande an die biblischen Schöpfungsmythen und lehnen die wissenschaftliche Erklärung für die Entstehung der Artenvielfalt generell ab. Diese Extremisten finden sich zwar nur selten in den großen Amtskirchen, dennoch gewinnen sie vor allem in der Bildungsdebatte immer wieder auf unerklärliche Weise Einfluss. Alle paar Jahre kommt es zu Vorstößen evangelikaler Gruppierungen, die biblische Schöpfungsgeschichten gleichberechtigt zur Evolutionstheorie im Biologieunterricht zu lehren. Eine gruselige Vorstellung, finden Sie nicht?
Eine kleine Pointe noch zum Schluss: Jene Fundamentalisten, die mit ihrem Park beweisen wollen, dass die biblische Schöpfungsgeschichte und die Geschichte von Noah, der Arche und der Flut, wahr sind, brauchten, wie im letzten Bild zu sehen ist moderne Methoden, um ein vermutlich nicht seetüchtiges Schiff zu bauen. Methoden, die Noah vor ein paar tausend Jahren unmöglich zur Verfügung gestanden haben können. Es dürfte nicht einmal Schrauben gegeben haben. Beweist das nicht, dass diese Leute selbst nicht glauben, was sie anderen predigen?