Shitstorm gegen Rossmann wegen Blacklisting: Zensur oder unternehmerische Freiheit?

Berlin. Die Drogeriemarktkette Rossmann sah sich am Freitag einem mittleren Shitstorm auf Twitter ausgesetzt, nachdem ein Twitternutzer sich darüber empörte, dass auf der rechtsextremen Nachrichtenseite Breitbart-News, die nicht nur bekannt für ihre Unterstützung des republikanischen US-Präsidenten Donald Trump bekannt ist, sondern auch dafür, dass sie es mit der Wahrheit oft nicht so genau nimmt, Werbung des niedersächsischen Handelsunternehmens erschien.

rossmann-breitbart-twitter

 

Der Twitteraccount des Unternehmens stellte daraufhin fest, dass es sich um eine automatisch generierte, personalisierte Werbeanzeige handle, mit der Rossmann selbst nichts zu tun habe. Und fügte in einem zweiten Tweet hinzu, man sei gerade dabei, Breitbart-News auf die „Blacklist“ des Unternehmens aufzunehmen, weil man auf solchen Seiten nicht erscheinen wolle. Dieser Tweet war der Auslöser des Shitstorms: Rechte Kräfte unterstellten der Drogeriemarktkette aufgrund des Tweets „Zensur“ und „linksfaschistische Denunziation“, dabei ist der Fall doch ganz klar: Die Unternehmerische Freiheit ist ein liberaler und konservativer Wert, kein linker. Ein Unternehmer hat demnach das Recht, den Markt – solange er legal vor geht – in einer Weise zu bearbeiten, wie er es wünscht.

Darunter fällt ausdrücklich auch, dass Unternehmer dort Werbung betreiben dürfen, wo sie sich – aus ihrer Sicht – möglichst positiv präsentieren können. Das gilt für Fernsehwerbespots, die eher im Abendprogramm auf quotenstarken Sendern laufen, als auf Kleinstsendern am frühen Morgen, das gilt für Plakatwerbung, für Zeitungsanzeigen und natürlich auch für Anzeigen im Internet! Immerhin zahlt ein Unternehmen beträchtliche Summen, um an personalisierten Werbeprogrammen von Google und Konsorten teilzunehmen.

Als Unternehmen selbst mit entscheiden zu wollen, wo die eigene Werbung erscheint, hat demnach nichts mit Zensur zu tun. Oder wurde je einem Unternehmen vorgeworfen, Zensur zu betreiben, indem es keine Werbung in der „Jungen Welt“, oder im „Neuen Deutschland“ macht?

Letztlich ist es doch – völlig unabhängig von jeder politischen Ideologie – nachvollziehbar, dass Rossmann nicht unbedingt mit einer Internetplattform in Verbindung gebracht werden will, die vor allem mit Verschwörungstheorien und Fake-News ihre Schlagzeilen füllt, oder?

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