Der Zuhälter-Papst aus Italien – Priester sind eben auch nur Männer.

 Padua (Italien). Die italienische Polizei ermittelt derzeit gegen einen katholischen Priester, der offenbar die Räumlichkeiten seiner Kirche in Padua verwendete, um dort Orgien zu veranstalten. Mit bis zu 15 Frauen soll der 48-jährige Andrea Conti sein Zölibat gebrochen und Pornofilme gedreht haben. Einige der Damen soll er sogar für Geld anderen Männern seiner Kirchengemeinde angeboten haben. Priester und Zuhälter, verträgt sich das?

Gegen den „Berufsethos“ katholischer Geistlicher jedenfalls dürfte der „Zuhälter-Papst“ allemal verstoßen, außerdem wird von polizeilicher Seite wegen „unmoralischen Gelderwerbs“ und „psychischer Gewalt“ gegen Conti ermittelt, so die britische Zeitung „The Times“. Eine dementsprechend ernste Geschichte steckt daher hinter der Schlagzeile, eine Geschichte von Machtmissbrauch und sexuellem Zwang.

Der Skandal wurde öffentlich, als sich drei Frauen bei der örtlichen Polizei über ihren Gemeindepfarrer beschwerten. Bei der anschließenden Durchsuchung des Gemeindegeländes stießen die Beamten – zu ihrer großen Überraschung – auf große Mengen Sex-Spielzeug und pornographische Aufnahmen, welche laut „Times“-Bericht die Orgien des Geistlichen zeigen. Ein weiteres Sakrileg beging Conti dabei, indem er offenbar seinen Sex-Tapes die Namen verstorbener Päpste gab.

Der italienischen Zeitung „Il Mattino“ zufolge sollen die Orgien regelmäßig alle zwei Wochen stattgefunden haben. Eine 49-jährige Frau, die zu den Konkubinen des Priesters gehört haben will sagte zudem aus: „Es geschah im Pfarrhaus, und zwar zu jeder Zeit. Morgens, nachmittags, nachts, immer.“

Orgien im Pfarrhaus sind allerdings nicht illegal – so unmoralisch sie aus kirchlicher Sicht auch sein mögen. Anders sieht es da – zumindest in Italien – mit Prostitution aus, insbesondere, wenn sie, wie die Zeuginnen aussagten unter psychischem Druck erfolgt. Derzeit gehen die Ermittlungsbehörden dem Verdacht nach, dass der Geistliche Männer in seine Kirche einlud und sie gegen eine Gebühr mit den Frauen schlafen ließ. Sein Klientel soll er über Websites gefunden haben, auf denen Frauen „ausgetauscht“ werden.

Parallel ermitteln laut „Il Mattino“ die Kirchenbehörden gegen Pfarrer Conti, gegen den schon im vergangenen Sommer Beschwerden beim zuständigen Bischof eingegangen waren. Einmal mehr hielt es allerdings die katholische Kirche im Fall Andrea Conti nicht für nötig einen ihrer Priester, der unter dem Verdacht steht eine Sexualstraftat – Nötigung zur Prostitution – begangen zu haben, bei der Polizei zu melden. Dieses Muster scheint sich ununterbrochen durch die Geschichte aller Sexualskandale der Kirche zu ziehen.

Solange zugelassen wird, dass die Kirchen in europäischen Ländern staatsähnliche Machtstrukturen unterhalten, wird es immer wieder zu solchen Fällen kommen, in denen sogenannte Kirchenbehörden der Öffentlichkeit, beziehungsweise den ermittelnden (staatlichen) Stellen, Informationen vorenthalten, um Kriminalermittlungen gegen Priester und Kirchenmitarbeiter zu verhindern.

Was für ein Frauenbild muss übrigens ein Bischof haben, der es nicht der Polizei meldet, wenn ihm eine Frau erzählt, sie sei mit psychischem Druck dazu genötigt worden, sich zu prostituieren? Der Islam mag ein Problem mit dem Frauenbild haben, aber ganz offensichtlich hat das die katholische Kirche auch.

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Umberto Eco: Der Meister des historischen Romans

Milano (Italien). Der Bestseller-Autor und Philosoph Umberto Eco verstarb am Freitag im Alter von 84 Jahren. Bekannt geworden war der italienische Schriftsteller vor allem für seine anspruchsvollen historischen Romane, die neben Elementen klassischer Kriminalgeschichten und Thriller auch immer einen philosophischen Anspruch hatten.

Sein erster erfolgreicher Roman, der Name der Rose, ein vielschichtiges Werk, welches in seinem Kern ein historischer Kriminalroman ist, erschien 1980 im italienischen Original, kurz darauf wurde der Gelehrte eine globale Berühmtheit. Seine Romane zählen zu den meistgelesenen Werken zeitgenössischer Literatur und wurden vielfach ausgezeichnet, seine historischen Romane zählen zu den gleichzeitig erfolgreichsten und von Kritikern meist gefeierten überhaupt.

Als Kolumnist für die links-liberale Wochenzeitschrift L’Espresso, aber auch bei zahlreichen anderen Gelegenheiten, übte der Schriftsteller regelmäßig scharfe Kritik am Berlusconi-Regime, das er als faschistoid bezeichnete.

Es verlässt diese Welt ein großer Gelehrter und Lehrender, der auch bekannt als leidenschaftlicher Ironiker ist, so antwortete er einmal auf die Frage, warum seine Romane so erfolgreich seien trotz ihrer hohen Komplexität, dass er ja auch lieber Bücher lese, die so einfach sind, dass er sofort darüber einschlafen könnte.