Immer mehr zweiköpfige Haie werden entdeckt – Forscher vermutet Überfischung als Ursache.

Zweiköpfige Haie mögen wie die Protagonisten eines Monster-Trashfilms aus dem Hause Asylum klingen, aber sie sind real – sehr real, und offenbar werden es immer mehr, geben Meeresforscher an.

Das Phänomen ist schon seit einigen Jahren bekannt, so wurde 2013 ein Bullenhai-Weibchen gefangen dessen Uterus auch einen zweiköpfigen Fötus enthielt, fünf Jahre zuvor entdeckte ein Fischer im indischen Ozean bereits einen zweiköpfigen Blauhai-Embryo und 2011 beschrieb eine Untersuchung siamesische Zwillinge, die in Blauhaien im Golf von Kalifornien an der amerikanischen Pazifikküste entdeckt worden waren. Beide Arten sind lebendgebährende Haie, wobei Blauhaie deutlich mehr Jungtiere austragen (bis zu 50 laut Studienleiter Felipe Galván-Magaña vom „National Polytechnic Institute“ in Mexiko) und so bei dieser Art häufiger zweiköpfige Exemplare auftauchen.

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Erstmals wurde in Spanien ein zweiköpfiges Exemplar einer eierlegenden Hai-Spezies entdeckt.

Nun haben außerdem laut einer neuen Studie, die im renommierten „Journal of Fish Biology“ erschienen ist, spanische Forscher erstmals ein zweiköpfiges Exemplar des atlantischen Sägeschwanz-Katzenhais (Galeus atlanticus) untersucht. Als ein Forscherteam unter Laborbedingungen Haie für medizinische Forschung aufzogen, bemerkte es den ungewöhnlichen Embryo in einem der durchsichtigen Eier. Das besondere daran ist, dass erstmals auch bei einer eierlegenden Hai-Spezies ein siamesischer Zwilling entdeckt wurde. 

Forscher öffneten das Ei, um das Exemplar zu studieren, wobei Studienleiter Valentín Sans-Coma davon ausgeht, dass der mutierte Embryo vermutlich ohnehin nicht überlebt hätte. Da es sich um das erste entdeckte zweiköpfige Exemplar bei einer oviparen Haiart handelt, ist es demnach wahrscheinlich, dass solche Nachkommen in der Regel nicht lange genug leben, um von Menschen entdeckt zu werden.

Bisher konnten nicht viele zweiköpfige Haie untersucht werden, weshalb noch nicht klar ist, wie es zu der als „Dizephalie“ oder“ axiale Bifurkation“ bezeichneten Mutation, bei der ein Embryo sich nicht vollständig in zwei separate Individuen (Zwillinge) aufteilt, kommt. Dizephalie wird gelegentlich auch bei anderen Wirbeltieren – emblematisch bei Schlangen – beobachtet.

 

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Dieser Blauhai-Fötus wurde 2008 vor der australischen Küste entdeckt.

Während bei Missbildungen in der freien Wildbahn zahlreiche Ursachen einschließlich viraler Infektionen, Stoffwechselstörungen, Strahlung oder Meeresverschmutzung in Frage kommen, meinen Sans-Coma und seine Kollegen, ein Gendefekt sei der wahrscheinlichste Grund für die Dizephalie des von ihnen untersuchten Katzenhais, da die Embryos unter Laborbedingungen aufgezogen und keinen Infektionen, Chemikalien oder radioaktiven Strahlungen ausgesetzt waren. 

Diese Ansicht deckt sich mit der Vermutung des Meeresforschers Nicolas Ehemann, der zuletzt ebenfalls zwei Fälle von Dizepahlie bei Haien untersuchte: Den ersten bekannten Fall bei einem Kleinaugen-Hundshai (Mustelus higmani) sowie den achten bekannten Fall bei einem Blauhai. Die beiden Exemplare, die nicht überlebensfähig waren, wurden vor der Küste der venezolanischen Isla Margarita im karibischen Meer von Fischern entdeckt, es handelt sich um die ersten bekannten Fälle von Dizephalie bei Haien in der karibischen See, so Ehemann.

Wenn sich die Annahme, dass solche Missbildungen durch einen Gendefekt hervorgerufen werden bestätigt, so Ehemann, könnte ein häufigeres Auftreten zweiköpfiger Haie in freier Wildbahn auch auf die zunehmende Überfischung zurückzuführen sein, welche zu einer Schrumpfung des Genpools führt, wodurch Gendefekte wahrscheinlicher werden. 
Ehemann gibt allerdings zu bedenken, dass die Forschung auf diesem Gebiet schwierig ist, da zweiköpfige Haie ziemlich selten sind. „Ich würde diese Dinge gerne weiter erforschen, aber es ist nicht so, als könne man ein Netz auswerfen und ständig zweiköpfige Haie aus dem Meer ziehen,“ sagt er. „Es ist sehr zufallsabhängig.“
Auch andere Forscher machen die Verkleinerung der Genpools vieler Wildtierarten für ein häufigeres Vorkommen von Erbkrankheiten verantwortlich, dabei steht die Aktivität des Menschen in Form von Ressourcenübernutzung und der Zerstörung wichtiger Ökosysteme im direkten Zusammenhang mit der Schrumpfung der Wildtierbestände. Insgesamt ist der globale Wildtierbestand seit 1970 um rund 58 Prozent gesunken, bei Meereswirbeltieren um rund 36 Prozent.
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