Russland-Ukraine-Konflikt: Lage unklar! Russische Regierung spricht von Ukrainischem Terror.

Moskau (Russische Föderation). Derzeit herrscht auf der Krim offenbar eine unübersichtliche Lage: Die russische Regierung wirft der Ukraine vor, sie habe Anschläge auf der Krim verüben wollen. Ein Agent des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB und ein Soldat seien getötet worden. Präsident Putin sprach von Terror und stellte internationale Gespräche zur Ukraine in Frage.

Ukrainische Spezialkräfte sollen demnach versucht haben, auf der von Russland annektierten Krim verdeckte Anschläge auf Infrastruktureinrichtungen der Halbinsel zu verüben. Bei drei bewaffneten Zusammenstößen mit Terroristen und Saboteuren seien ein Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB und ein Soldat getötet worden, teilte der FSB in Moskau mit. Mehrere ukrainische und russische Staatsbürger seien festgenommen worden. Dies habe sich bereits in der Nacht zum Sonntag und am Montag ereignet. Später habe es nach Angaben russischer Medien außerdem ukrainisches Panzerfeuer nahe der Ukrainisch-Russischen Grenze gegeben. Unter diesem Deckmantel habe das ukrainische Militär versucht, weitere Truppen auf die annektierte Krim zu schleusen.

Parallel werden seit Sonntag immer wieder von ukrainische Offiziellen Berichte über russische Truppenbewegungen und Hubschrauberflügen im Norden der Krim veröffentlicht. Zeitweise seien auch die Kontrollpunkte zur Halbinsel gesperrt worden, heißt es. Diese funktionieren aber offenbar seit Mittwochmorgen aber wieder normal.

Es ist derzeit schwierig, unabhängige Quellen zur Situation auf der Krim zu erhalten, sämtliche öffentlichen Informationen stammen entweder von der russischen, oder von der ukrainischen Regierung – beziehungsweise von deren Nachrichtendiensten! Jegliche Informationen zu der Thematik sind daher mit Vorsicht zu genießen!

Das Verteidigungsministerium in Kiew wies dementsprechend jede Beteiligung an den Vorfällen zurück. Die Anschuldigungen seien demnach „der Versuch, die Umgruppierungen und das aggressive Vorgehen der Militäreinheiten der Russischen Föderation auf der Halbinsel zu rechtfertigen“. Haltlos seien auch die Moskauer Vorwürfe, die Krim sei vom ukrainischen Festland aus beschossen worden. Verteidigungsminister Stepan Poltorak nannte die russischen Behauptungen eine Provokation.

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Die ukrainische Regierung spiele „ein sehr gefährliches Spiel“, kommentierte dagegen der russische Präsident Wladimir Putin am Mittwoch die Entwicklungen. „Dieser Versuch, Gewalt zu provozieren, einen Konflikt zu provozieren, war allein vom Wunsch getragen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von denjenigen abzulenken, die die Macht in Kiew ergriffen haben und ihr eigenes Volk ausplündern.“

Der Krim-Gouverneur Sergej Axjonow erklärte zudem, jegliche Versuche, die Halbinsel, welche aufgrund ihres  warmen Klimas und ihrer Schwarzmeerstrände ein beliebtes Urlaubsziel ist, während der Feriensaison zu destabilisieren, würden entschlossen unterbunden. So sei Sicherheit der Bewohner und Gäste auf der Krim „vollkommen gewährleistet“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Präsident Putin erklärte dazu: „Wir werden alles tun, um Infrastruktur und Bürger zu verteidigen. Wir werden zusätzlich ernsthafte Sicherheitsvorkehrungen treffen.“

Seit der russischen Annexion der Krim durch ein umstrittenes – offenbar geheimdienstlich vorbereitetes – Referendum, bei dem eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung für eine Spaltung von der Ukraine stimmte, war es auf der Halbinsel weitgehend friedlich zugegangen. Im Osten der Ukraine kämpfen allerdings weiterhin ukrainische Regierungssoldaten gegen prorussische Rebellen. In dem Konflikt wurden bereits rund 9.500 Menschen getötet, wenngleich dieser Krieg im Westen in Anbetracht der Terrorgefahr aus dem nahen Osten und der fortdauernden Kämpfe in Syrien weitgehend vergessen wurde.

Auffällig ist, dass deutsche Medien, obgleich es bisher keine belastbaren Berichte unabhängiger Quellen zu den mutmaßlichen Vorfällen gibt bereits dazu tendieren, dem ukrainischen Narrativ Glauben zu schenken. In besonderem Maße tut sich dabei der „Welt“ Redakteur Richard Herzinger hervor, der die Situation zum Anlass nahm, unter dem Titel „Der Westen muss Putin jetzt endlich stoppen“ eine flammende Hetzrede auf Wladimir Putin zu schreiben. Dabei verquickt er geübt die Ukraine-Krise, russische Menschenrechtsverletzungen und den Syrien-Krieg zu einem zähen, wirren Wortbrei, der keinen Zweifel daran lässt, dass es Herzinger mit dem journalistischen Gebot der Unvoreingenommenheit nicht allzu ernst nimmt. Allerdings handelt er dabei strikt nach einer Leitlinie seiner Zeitung, die da lautet: „Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.“

In dem Werk heißt es dann beispielsweise: „Der Westen hat Putins kriegerischen Untaten und seiner erpresserischen Gewaltpolitik bislang keinen nennenswerten Widerstand entgegengesetzt, zur Fortsetzung seines kriegsverbrecherischen Vorgehens in Syrien hat er ihn zuletzt sogar mehr oder weniger offen ermutigt.“ Wobei Herzinger nicht zufällig „vergisst“, dass es auch Angriffe der USA waren, die zuletzt zahlreiche Zivilisten bei Luftschlägen töteten. Auch vergisst er zu erwähnen, dass die syrische Regierung – unabhängig davon, ob man das Assad-Regime für unterstützenswert hält – die russische Regierung um Hilfe im Kampf gegen die islamistischen Rebellen wie die Al-Nusra-Front und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bat, während die NATO-Mächte uneingeladen begannen, in Syrien völkerrechtswidrige Luftangriffe zu fliegen.

Die Situationen in Syrien wie auf der Krim sind deutlich komplexer, als es der – wirklich schreckliche – Artikel von Herrn Herzinger vermitteln will. Der Redakteur zeigt ganz unverhohlen: Sein Feindbild ist Wladimir Putin und egal was dieser sagt, es muss eine Lüge sein. Da bleibt doch die Frage, ob wir uns einen solchen „Journalismus“ leisten können, einen Journalismus, der erst attackiert und dann nachfragt – wenn überhaupt. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die deutschen Medienhäuser hätten versucht, unabhängige Berichterstatter aus der Region zu kontaktieren – oder eigene Quellen aufzutun? Auf der Krim befinden sich derzeit tausende Touristen, da hätten sich doch sicher welche gefunden, die zumindest das ukrainische Panzerfeuer widerlegen – oder bestätigen – können, oder nicht? Stattdessen: Uninformierte Hetze!

Einmal mehr zeigen übrigens auch die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten sich nicht von ihrer besten Seite: Zwar waren die Berichte von ARD, ZDF und Deutschlandfunk durchaus objektiv. Während allerdings derzeit keine Kosten und Mühen gescheut werden, um über die Olympischen Spiele in Rio zu berichten, war es den Rundfunkanstalten offenbar nicht möglich, einen Korrespondenten in der krisengeplagten Region einzuschalten. Man sollte doch aber denken, genau dafür zahle man den Rundfunkbeitrag, oder nicht? Ist es nicht genau die Aufgabe eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks, von dort zu berichten, wo Journalismus mit Glamour nichts zu tun hat?

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