Montagsbörse: Bankenstresstest dämpft Anlegerlaune – Kreditwürdigkeit der Türkei weiter gesenkt.

Das Ergebnis des Stresstests der europäischen Großbanken sorgte an den Börsen für deutliche Dämpfer. Insbesondere die Kapitalnot der Geldhäuser schreckt Anleger ab.

Der Dax sank deshalb am Montag um 0,1 Prozent auf 10.330,52 Punkte. Im europäischen Börsenindex EuroStoxx50 schlugen sich die teils kräftigen Kursverluste der Banken deutlicher nieder, er verlor 0,8 Prozent. Besonders unter Druck standen die italienischen Geldhäuser, die bei dem Gesundheitscheck der Aufsichtsbehörde EBA schlecht abgeschnitten hatten. „Bankanleger stellen fest, dass der Sack doch Flöhe hat und der Stresstest nicht ganz so positiv gewertet werden sollte, wie er auf den ersten Blick erscheint“, sagte Marktanalyst Jens Klatt von JFD Brokers.

Zu den schwächsten Dax-Werten zählten Commerzbank mit einem Abschlag von 2,2 Prozent, Deutsche Bank verloren 1,8 Prozent. Wesentlich stärker bergab ging es für die Aktien der italienischen HVB-Mutter UniCredit mit einem Minus von rund neun Prozent. Banco Popular und BBVA aus Spanien sowie Societe Generale aus Frankreich gingen ebenfalls mit Kursverlusten aus dem Handel. Auch die Aktionäre der österreichischen Raiffeisen Bank International flüchteten und schickten die Papiere um fünf Prozent nach unten.

Beim Test der Aufsichtsbehörde EBA landeten die Deutsche Bank und die Commerzbank unter den letzten zehn von 51 überprüften Geldhäusern. Die getesteten Banken hätten ihre Kapitalpolster zwar gestärkt, seien aber noch nicht völlig gesund, sagte EBA-Chef Andrea Enria. Die Finanzaufsicht BaFin betonte, aus den Ergebnissen des Tests resultiere nicht automatisch ein Kapitalbedarf. Die Institute mussten simulieren, wie stark ihre Kapitalquoten bei einer neuen Finanz- und Wirtschaftskrise zusammenschmelzen würden.

„Die Ergebnisse haben zwei Seiten“, sagte ein Aktienhändler. Zwar sei der Stresstest für Deutsche Bank und Commerzbank nicht so schlecht ausgefallen wie befürchtet, dennoch mache er die Kapitalnot der Institute deutlich. Dirk Becker von Allianz Global Investors sagte, die Resultate seien alles in allem positiv. Allerdings sei bei dem Test das für Banken besonders belastende Niedrigzinsumfeld gänzlich ausgeklammert worden.


Ratingagentur senkt türkische Kreditwürdigkeit weiter herab.

Die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) hat die Türkei am Montag als „Hochrisiko“-Land eingestuft.

Zuvor wurden Investoren bereits vor einem „ziemlich hohen Risiko“ gewarnt. S&P hatte im vergangenen Monat schon die Bonität türkischer Staatsanleihen herabgestuft und den Ausblick auf „negativ“ gesetzt, was weitere Verschlechterungen der Kreditwürdigkeit andeutet. Die neue Risikobewertung folgt jetzt auf Drohungen der türkischen Regierung, die sich lautstark über „fehlerhafte Entscheidungen“ der internationalen Rating-Agenturen beschwert hatte.

S&P hatte die schlechtere Einschätzung der Bonität im Juli mit den Folgen des Militärputsches und der Polarisierung im Land begründet. Vergangene Woche hatten Vize-Ministerpräsident Mehmet Simsek Schritte gegen die Rating-Agenturen angekündigt. Es gebe keinen Grund, die Bonität der Türkei schlechter einzuschätzen.

Die neuerliche Abstufung des Ratings dürfte weitere Probleme für die auf ausländische Devisen angewiesene Volkswirtschaft bedeuten: Nach mehreren verheerenden Terroranschlägen hatte insbesondere die Tourismusbranche der Türkei bereits enorm gelitten. Die Einstufung als Hochrisiko-Land könnte es nun der Türkei außerdem deutlich erschweren, ihre Verbindlichkeiten am Kapitalmarkt umzuschichten – also ihre Schulden zu abzubezahlen. In den vergangenen Jahren war es dem Mittelmeerstaat effektiv gelungen, ihren Staatshaushalt zu konsolidieren, so konnte die Staatsverschuldung in den vergangenen zehn Jahren um knapp 16 Prozentpunkte von 46,52 Prozent im Jahre 2006 auf aktuell nur noch rund 30 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt gesenkt werden. Höhere Zinsen, die schwächelnde Wirtschaft und eine niedrigere Bereitschaft von Anlegern in türkische Staatsanleihen zu investieren, dürften aber dem Plan der türkischen Regierung, den Schuldenabbau weiter voranzutreiben im Weg stehen.

Grund für die weitere Absenkung des Ratings ist insbesondere die unklare rechtsstaatliche Situation in der Türkei nach dem gescheiterten Putschversuch Mitte Juli.


Nach Gerichtsschlappe in Deutschland: Aus für Uber in China.

Nach einem zweijährigen Preiskampf gibt der US-Mitfahrdienst Uber in China auf und veräußert sein Geschäft in der Volksrepublik an den dortigen Marktführer Didi Chuxing.

Im Gegenzug wird Uber insgesamt mit einem Fünftel an Didi beteiligt, wie der Chef der US-Mutter Uber Technologies, Travis Kalanick, am Montag bekanntgab. Zuletzt hatte der harte Wettbewerb in China Uber mehrere Milliarden Dollar gekostet. Uber China wie auch Didi boten im Werben um neue Kunden hohe Rabatte ang und mussten zur Finanzierung immer mehr Geld bei Investoren einsammeln. Im Gegensatz dazu arbeitet Uber in den USA, Kanada und Hunderten Städten weltweit nach eigenen Angaben bereits profitabel.

Didi Chuxing und China Uber sind Insidern zufolge zusammen rund 35 Milliarden Dollar wert. China Uber werde weiterhin als eigenständiges Unternehmen arbeiten, hieß es. Uber dominiert die Branche zwar weltweit, in China kam das Unternehmen aus San Francisco zuletzt allerdings nur schwer voran. Didi entstand erst im vorigen Jahr aus der Fusion der beiden Fahrdienste der Internet-Giganten Alibaba und Tencent und kommt nach eigenen Angaben auf einen Marktanteil von rund 87 Prozent.

Experte Richard Ji vom Finanzdienstleister All-Stars Investment sagte, der Zusammenschluss sei „sehr sinnvoll.“ Vor allem die Kosten würden deutlich sinken. Der Uber-Deal belege die globalen Ambitionen des Konzerns, meinten Analysten. Nach eigenen Angaben prüft Didi, in das Apple kürzlich eine Milliarde Dollar investierte, die Expansion nach Hongkong, Taiwan, Japan, Russland und auch Europa. Einige Beobachter vermuten bereits, dass Uber und Didi in anderen Märkten zusammenarbeiten könnten. Bereits jetzt kooperiert Didi mit dem Uber-Konkurrenten Lyft in den USA, mit Ola in Indien und mit Grab in Südostasien.

Didi nutzt mit dem Deal die Gunst der Stunde. Denn erst in der vorigen Woche haben die chinesischen Behörden die rasant wachsende Branche mit einem offiziellen Vorschriftenkatalog aus der rechtlichen Grauzone geholt und damit für mehr Sicherheit auch bei den Investoren gesorgt. So müssen die Fahrer mindestens drei Jahre Erfahrung am Lenkrad haben. Zudem wird überprüft, ob sie mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Ihre Autos dürfen nicht älter als acht Jahre sein und maximal 600.000 Kilometer auf dem Tacho haben.

Uber steckt einem Medienbericht zufolge zudem 500 Millionen Dollar in den Aufbau eines eigenen globalen Straßenkarten-Projekts. Das Unternehmen wolle sich damit auf seinem Weg hin zum fahrerlosem Auto unabhängig von Google Maps machen, berichtete die „Financial Times“.

Uber gilt als Vorreiter der aufstrebenden Branche und hat mit seinem Angebot den Taximarkt in Aufruhr versetzt. Weltweit laufen Taxifirmen Sturm gegen den Mitfahrdienst. Sie fürchten erhebliche Einbußen und beklagen weniger strenge Auflagen bei dem neuen Konkurrenten. Allerdings tummeln sich auch zunehmend etablierte Autobauer in der Branche, um im Ringen mit der IT-Industrie um neue Mobilitätsangebote nicht ins Hintertreffen zu geraten. So führt Daimler gerade seine Taxi-Vermittlungs-Tochter MyTaxi mit der britischen Konkurrentin Hailo zusammen. Die Transaktion soll Europas größten app-basierten Taxi-Anbieter schaffen. Zuletzt hatten Volkswagen und die amerikanische Opel-Mutter General Motors dreistellige Millionenbeträge investiert.

Uber hat die Zahl seiner weltweit vermittelten Fahrten zuletzt kräftig gesteigert. Am 18. Juni ist die Marke von zwei Milliarden Touren überschritten worden, die per App abgewickelt wurden. Ende 2015 hatte Uber von einer Milliarde Fahrten seit Gründung 2009 gesprochen. Das Unternehmen offeriert sein Angebot mittlerweile weltweit in mehr als 450 Städten nach 311 vor einem Jahr, wird aber in vielen Ländern immer wieder juristisch ausgebremst. Erst vor kurzem hatte Uber in Deutschland vor Gericht eine Schlappe erlitten. Das Frankfurter Oberlandesgericht (OLG) bestätigte im Juni das Verbot des Fahrdienstes UberPOP in Deutschland.


 

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