Deutsche Bank und Commerzbank hätten im Falle einer starken Rezession zu kämpfen.

Frankfurt am Main. Der sogenannte Stresstest europäischer Großbanken ergab, dass in Deutschland die Commerzbank und die Deutsche Bank am heftigsten von einer starken Rezession getroffen würden. Das Testverfahren stieß allerdings auch auf scharfe Kritik, so meint der Finanzexperte der Europäischen Linken, die Resultate seien „weder nachvollziehbar noch belastbar“.

Die beiden größten deutschen Geldhäuser rangieren im diesjährigen Stresstest unter den zehn anfälligsten der 51 wichtigsten Großbanken in Europa, wie die EU-Regulierungsbehörde EBA am Freitag mitteilte. Die Commerzbank käme in einem Krisenszenario nach drei Jahren demnach nur noch auf eine harte Kernkapitalquote von 7,4 Prozent, die Deutsche Bank auf 7,8 Prozent. Beide Werte liegen allerdings noch über den Quoten, die Analysten zuvor als kritisch bezeichnet hatten. Die übrigen sieben deutschen Institute, die sich der Untersuchung stellten, schnitten – teilweise deutlich – besser ab.

Insgesamt zog Bundesbank-Präsident Jens Weidmann eine positive Bilanz: Die deutschen Banken hätten demnach in den vergangenen Jahren ihre Eigenkapitalbasis gestärkt und Risikopositionen abgebaut, wodurch sich ihre Widerstandsfähigkeit deutlich erhöht habe. „Der Stresstest zeigt, dass die deutschen Banken gerüstet sind, diesen ausgeprägten Schocks zu widerstehen.“ Allerdings machten ihnen die niedrigen Zinsen spürbar zu schaffen, weshalb weiterhin nach Möglichkeiten der Kostensenkung gesucht werde.

Der neue Commerzbank-Risikovorstand Marcus Chromik zeigte sich mit dem Ergebnis dennoch zufrieden: „Die Commerzbank ist widerstandsfähig und stressresistent. Auch unter den widrigen Bedingungen des Stress-Szenarios wäre die Stabilität der Bank gewährleistet.“ Die Commerzbank litt im Stresstest Experten zufolge unter anderem darunter, dass sie bei der Refinanzierung zum großen Teil auf Kundeneinlagen baut.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan äußerte sich erleichtert: Die Bank habe besser abgeschnitten als beim Stresstest 2014, obwohl er diesmal anspruchsvoller gewesen sei. Der Stresstest zeige, dass sie auch für härtere Zeiten gewappnet sei. Cryan sieht sein Haus auf einem guten Weg, bis Ende 2018 wie versprochen eine harte Kernkapitalquote von mindestens 12,5 Prozent zu erreichen, obwohl das Geldhaus zuletzt kaum vorangekommen war bei der Aufstockung des Eigenkapitals. Beide Bankhäuser litten auch an der Einbeziehung von Prozessen, die wegen Fehlverhaltens gegen die Banken geführt wurden, so ist insbesondere die Deutsche Bank weltweit in zahlreiche Verfahren verstrickt.

Zwar war ein Durchfallen beim Stresstest in diesem Jahr nicht möglich, die Europäische Zentralbank als Oberaufseherin über die Großbanken in der Euro-Zone will die Ergebnisse allerdings berücksichtigen, wenn sie den Finanzinstituten gegen Jahresende wieder individuelle Kapitalvorgaben macht.

Derweil wird auch Kritik am Stresstest laut, so erklärte der linke Europaabgeordnete Fabio De Masi: „Der Stresstest ist Fiebermessen bei Zombie-Banken: Hauptsache die Temperatur stimmt. Die Resultate sind weder nachvollziehbar noch belastbar“, lautet die Kritik des Finanzexperten. „Die Stresstests gehen im normalen Szenario von völlig unrealistischen Annahmen aus.“ So werde etwa ein zu hohes Wachstum unterstellt, auch die mittelfristigen Auswirkungen der niedrigen Zinsen würden ignoriert und „systemische Effekte“ vernachlässigt. De Masi kritisiert zudem, dass die Methoden bei der Ermittlung relevanter Kennziffern „intransparent und politischer Einflussnahme zugänglich“ seien, dementsprechend wirft er dem System vor, möglicher Korruption offene Türen zu gewähren.


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