Es ist doch nur eine Wurst!

Berlin. Das Cover der neuesten Ausgabe des „endgültigen Satiremagazins“ Titanic, dass den türkischen Präsidenten Erdogan mit offener Hose, ein Würstchen aus dem Hosenschlitz hängend, zeigt, sorgte in dieser Woche für Furore. Unter dem Titel „Erdogan im Stress – jetzt putscht auch noch sein Penis“ zeigte das Magazin einmal mehr, dass es jederzeit bereit ist über die Grenze zur Geschmacklosigkeit zu springen, aber auch, dass die Redakteure noch immer wissen, wie das provokante Heft medial präsent – und damit in gewissem Maße relevant – bleibt.

Nun fand ich den Titanic-Humor selten besonders lustig, aber ich gehöre der Fraktion an, die meint, über Humor ließe sich schwerlich streiten, was Erdogan-Schergen und Titanic-Verfechter freilich anders sehen. Die einen sehen in dem – zugegebenermaßen etwas einfallslosen – Machwerk eine bösartige Beleidigung ihres Präsidenten, während die anderen das primitiv-provokante Cover zu einem Symbol der journalistischen und künstlerischen Freiheit hinauf stilisieren. „Geschmacklosigkeit!“, schreien daher die einen. „Die Presse ist frei!“, rufen die anderen.

Beide haben Recht. Die Freiheit von Kunst und Presse bedeutend eben auch die Freiheit, sich Geschmacklosigkeiten leisten zu dürfen. Titanic hat selten etwas anderes getan. Letztlich geht es hier doch auch nur um eine Wurst.


Dieser Beitrag ist Teil unserer Sonntagsausgabe „Spartacus am Sonntagmorgen – die Frühstückszeitung“. Lesen Sie hier die komplette Ausgabe.

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