Der Fall Wagenknecht, und die Links-Rechts-Schwäche der AfD.

Wegen einer Einlassung zur Flüchtlingspolitik, in die, wer will, jegliche Aussage hinein interpretieren kann und die – vermutlich zu unrecht – von vielen Linken als Kritik an der deutschen Asylpolitik von rechts, interpretiert wird, findet sich die Galionsfigur der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, derzeit in einem Sturm der Kritik wieder, dem entgegen steht ein blinder Hurrikan der Solidarität, auch aus den Reihen der AfD.

Statt sich mit den Aussagen selbst auseinander zu setzen, scheint der reformatorische Flügel der Partei, der häufige linksdogmatische Äußerungen der erklärten Kommunistin auch für die Unmöglichkeit eines bundesweiten Linksbündnisses verantwortlich macht, ohne dabei zu bedenken, dass die systemische Verantwortungsflucht der Linken durchaus basisgelenkt ist, die kontroversen Einlassungen zur Asylpolitik der Genossin Wagenknecht nun erneut nutzen zu wollen, sie zu Fall zu bringen. Schließlich war man nie sonderlich zufrieden mit ihrer Wahl zur Fraktionsvorsitzenden. Die traurige Realität aber ist: Mit der Berufspolitikerin Sahra Wagenknecht verlöre die Linke ihr wichtigstes öffentliches Gesicht. Eine Meuterei kommt dementsprechend eigentlich nicht in Frage.

Kritik an den Einlassungen der Genossin – die wie erwähnt durchaus ambivalent interpretierbar sind – mag dementsprechend angebracht sein, allerdings sollte auch eine faktenbasierte Auseinandersetzung damit einhergehen. Schließlich hat Wagenknecht mindestens mit einem Recht: Es ist auch nicht links, real existierende Probleme zu verschweigen. Und Fakt ist eben, dass ein gewisser Anteil der eingewanderten Flüchtlinge kriminell werden. Dies zu leugnen, könnte die Linke in eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise stoßen, dementsprechend ist die Feststellung Wagenknechts „Die Ereignisse der letzten Tage zeigen, dass die Aufnahme und Integration einer großen Zahl von Flüchtlingen und Zuwanderern mit erheblichen Problemen verbunden und schwieriger ist, als Merkels leichtfertiges ‚Wir schaffen das‘ uns im letzten Herbst einreden wollte“, zunächst weder links noch rechts.

Sie mag in Teilen faktisch falsch sein, weil mindestens einer der Gewaltausbrüche der vergangenen Woche – der sogenannte Amoklauf von München – in keiner Weise in Verbindung mit der Flüchtlingskrise steht und dem Amoklauf in Reutlingen eine Beziehungsstreit zugrunde liegt, der eher zufällig einen Asylsuchenden zum Antagonisten hatte, doch rechts ist an dieser Feststellung erst einmal nichts. Es wäre jedoch essentiell falsch, nach der nüchternen Feststellung der Probleme, nicht an linken Lösungen derselben zu arbeiten, auch weil die Partei dadurch an politischem Profil verlieren könnte.

Ähnlich sieht das der Amtsvorgänger Wagenknechts, Gregor Gysi, der im Gegensatz zu seiner Nachfolgerin als pragmatischer Linker gilt: „Wir können Frau Merkel nicht von rechts kritisieren. Wenn, dann müssen wir sie von links kritisieren“. Auch er warnte im SWR vor einem Profilverlust der Linkspartei und fügte hinzu: „Immer wenn Du versuchst, beide Seite zu vertreten, also pro Flüchtlinge und bisschen gegen Flüchtlinge, dann gewinnst Du nicht die, die für Flüchtlinge sind und Du gewinnst auch nicht die, die gegen Flüchtlinge sind, sondern Du verlierst auf beiden Seiten!“ Allerdings zieht Gysi daraus den falschen Schluss, wenn er vorschlägt, Wagenknecht solle sich künftig besser gar nicht mehr zur Flüchtlingsdebatte äußern. Das Gegenteil ist nämlich der Fall: Sie soll nun beweisen, dass sie bereit ist für linke Lösungen zu kämpfen!

Während es aus den eigenen Reihen an Kritik nicht mangelte, gab es erschreckenderweise – für Linke wie Rechte gleichermaßen – unbändige Solidaritätsbekundungen für die bekennende Kommunistin und Linksdogmatikerin aus den Reihen er AfD. Der Bundesvorstand und Fraktionsvorsitzende der AfD im Magdeburger Landtag, André Poggenburg lud die Linke sogar per Twitter ein, in die rechtspopulistische Partei einzutreten. Damit bewahrheiten sich einmal mehr die Worte des ehemaligen AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke, der kürzlich erklärte, seine ehemalige Partei sei zu einer reinen „Anti-Flüchtlingspartei“ verkommen. Schließlich ist Wagenknecht nicht nur die Galionsfigur der Partei, sie ist auch eine Ikone der kommunistischen Plattform. Weiter links kann man kaum stehen, das macht auch ihre – gar nicht so kontroverse – Einstellung zur Flüchtlingskrise nicht wett.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Der Fall Wagenknecht, und die Links-Rechts-Schwäche der AfD.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s