Spartacus Five: Fünf nüchterne Zahlen zur Erbschaftssteuer in Deutschland.

Am Donnerstag teilte Prof. Dr. Ferdinand Kirchhof, Vorsitzender des ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts der Bundesregierung mit, nicht über deren Versäumnis zur Neuregelung der Erbschaftssteuer bei Unternehmenserben hinweg gehen zu wollen, sondern das Thema im Herbst noch einmal zu behandeln. Anlass einmal über die Dimensionen von Erbschaften und Erbschaftssteuern in Deutschland zu sinnieren.

I. Von 2011 bis 2020 werden vermutlich Vermögen im Wert von 2,6 Billionen Euro vererbt oder verschenkt. Das entspricht etwa dem 1,15-fachen der deutschen Staatsverschuldung. In den Jahren 2015 bis 2024 soll diese zahl sogar auf etwa 3,1 Billionen Euro anwachsen.

II. Durch die beiden Novellierungen des Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz zugunsten von Unternehmenserben 2008 und 2009 sank die Anzahl der zu versteuernden Erbschaften 2010 und Schenkungen auf 139.528. Zuvor lag die Zahl mit leichten Schwankungen regelmäßig um etwa 190.000, mittlerweile hat sie sich etwa beim Niveau von 2010 eingependelt.

III. Nur 37 Prozent der Deutschen halten die Erhöhung der Erbschaftssteuer für ein geeignetes Mittel zur Verbesserung der sozialen Gerechtigkeit in der Bundesrepublik. Dagegen sind 62 Prozent der Ansicht, ein höherer Spitzensteuersatz könnte zur Erreichung dieses Ziels beitragen. Immerhin 42 Prozent glaubten, Kapitalerträge müssten stärker besteuert werden, und mit 48 Prozent meinte fast die Hälfte, die Vermögenssteuer müsse wieder erhoben werden. Das geht aus einer aktuellen Umfrage zu Maßnahmen für mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland hervor.

IV. Im Mittel werden rund 305.000 Euro vererbt, wobei der Median deutlich niedriger liegt: Nur in 0,2 Prozent der Fälle sind Erbschaften mehr als 250.000 Euro wert, in 33 Prozent der Fälle zwischen 150.000 und 250.000 Euro. 28 Prozent der Erbschaften sind jedoch weniger als 25.000 Euro wert. Das ergab eine Studie zur Höhe von Erbschaften 2010.

V. Von 2015 bis 2024 dürften in 46 Prozent der Erbschaftsfälle ein Haus oder eine Eigentumswohnung an die nächste Generation gehen. Zwischen 2001 und 2010 waren es nur 36 Prozent.

Insgesamt sorgt die geringe Erbschaftssteuer in Deutschland für eine zunehmende Konzentration der Vermögen. So liegt das Durchschnittsvermögen der Haushalte in Deutschland mit etwa 195.000 Euro fast vier mal so hoch wie der Median der Haushaltsvermögen (rund 51.000 Euro)

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